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„Die Kurzrasenweide schafft uns mehr Raum fürs Leben“: Kernerbauer in St. Johann i. T.
Elisabeth und Josef Niederstrasser bewirtschaften in St. Johann in Tirol, zwischen Wildem Kaiser und Kitzbüheler Horn, einen Milchviehbetrieb mit rund 50 Jersey-Kühen. Das Betriebskonzept basiert auf einer intensiven Winterfütterung mit TMR und einer konsequenten Kurzrasenweide im Sommer. Nach dem Motto „Im Winter geben wir Vollgas und im Sommer machen wir es uns vollgas entspannt“ verbindet die Familie hohe Leistungen mit einer deutlichen Arbeitsentlastung und mehr Zeit für das Familienleben. Früher wurden auf dem Betrieb Fleckviehkühe gehalten. Anfang der 1990er-Jahre fiel die Entscheidung, auf die Rasse Jersey umzusteigen. Nach einer Reise nach Dänemark und zahlreichen Betriebsbesichtigungen kamen 1993 die ersten Jersey-Kühe auf den Hof. Die Rasse überzeugt bis heute durch hohe Fett- und Eiweißgehalte und bildet die Grundlage für die erfolgreiche Milchproduktion der Familie. Ein entscheidender Schritt war später die Umstellung auf Kurzrasenweide im Jahr 2013. Statt in einen kostspieligen Fütterungsroboter zu investieren, setzte die Familie auf Weidemanagement und Infrastruktur. Zwar ging die Milchmenge zurück, gleichzeitig konnten jedoch die Inhaltsstoffe verbessert sowie Arbeitszeit, Futterkosten und Aufwand deutlich reduziert werden. Die Milch wird an die Pinzgau Milch geliefert. Von Frühjahr bis Herbst sind die Kühe Tag und Nacht auf der Weide. Im Winter erhalten sie eine TMR-Ration aus Mais- und Grassilage, ergänzt durch Biertreber und Kraftfutter. Unterstützt wird dieses System durch eine saisonale Abkalbung im Herbst. Neben der Milchproduktion setzt die Familie auf die Direktvermarktung von Fleischprodukten aus der eigenen Herde. Darüber hinaus engagiert sich Josef Niederstrasser seit vielen Jahren bei der Einkaufsgemeinschaft Kitzagrar, die mittlerweile über 800 Mitglieder zählt. Ein weiteres wichtiges Standbein entstand im Zuge der Renovierung des Bauernhauses im Jahr 2005. Dabei wurden zwei Wohnungen geschaffen – eine für die Dauervermietung und eine für Feriengäste. Gemeinsam mit der Landwirtschaft trägt dieses zusätzliche Einkommen zur Zukunftssicherung des Familienbetriebs bei.