Interessante Erfahrungen einer Tierärztin am Land
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(6 Fotos)
Dr. Karin Yaldez in ihrer Kleintierpraxis © Dürnberger
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Klauenpflege © Privat
Mit einer Praktikantin bei einer Geburt © Privat
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Junge Ärztin im Stall © Privat
Karin Yaldez wollte bereits als Kind Tierärztin werden und hat dieses Ziel hartnäckig verfolgt, obwohl sie dafür Latein lernen musste. „Das habe ich gehasst“, gesteht sie lachend. Gleich zu Beginn ihres Studiums an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien hat die gebürtige Steirerin während eines Ferialjobs im Pinzgau ihren späteren Mann Franz kennengelernt. Daher ist sie jahrelang zwischen Wien, dem Freund in Salzburg und ihren Eltern in Graz hin und her gependelt.
Nach Abschluss des Studiums ist sie zu Franz auf den Pisterlhof in Weißbach gezogen. „Ich hatte Glück, dass die tierärztliche Versorgung im Saalachtal damals nicht gerade ideal war“, schildert die 56-Jährige.
Eigene Praxis
Also hat sie 1996 am Hof eine eigene Praxis für Klein- und Großtiere eröffnet, musste aber feststellen, dass viele Bauern skeptisch waren und große Vorbehalte hatten: „Das war noch eine andere Zeit, die Männer haben mich gemobbt, weil sie mir diese Arbeit als Frau nicht zugetraut wurde. In den ersten Jahren war das ein großes Thema, da sind einige Sachen passiert, die unter der Gürtellinie waren“, blickt sie auf diese schwierige Zeit zurück. „Ich kam blutjung von der Uni und musste mir Respekt hart erarbeiten. Diese Negativ-Kampagnen waren belastend, aber ich habe trotzdem stur meine Arbeit gemacht. Zuverlässigkeit ist mir sehr wichtig.“
Als Frau nicht anerkannt
Immer wieder sei auch ihren Diagnosen nicht geglaubt worden, etwa wenn ein Tier austherapiert war. „Erfreulicherweise hat es natürlich auch Bauern gegeben, die kein Problem mit einer weiblichen Tierärztin hatten. Mit denen habe ich gut zusammengearbeitet. Vieles ist ja Routinearbeit, und wirklich Kraft ist nur bei Geburten gefragt“, schildert sie. „Es ist sehr wichtig, dass die Bauern einem vertrauen und genau schildern, was los ist, sonst findet man die Ursache der Krankheiten nicht.“ Sie hat auch neue Methoden angeboten, die damals noch nicht üblich waren. „Ich habe die Homöopathie in die Ställe gebracht. Dafür braucht man viel Fachwissen und ich bilde mich laufend fort.“
Familie und Beruf
Fast gleichzeitig mit der Eröffnung der Praxis kündigte sich auch das erste Kind des Paares an. Eine Herausforderung, die gut gemeistert werden konnte. „Ich habe das Baby bei meinen Visiten einfach mitgenommen. Das hat gut funktioniert, bei meinen Kunden hat es meist jemand gegeben, der es hoppern wollte“, erzählt die dreifache Mama, die das bei allen Kindern so gehandhabt hat. „Mein Mann, ein Vollzeitlandwirt, hat mich sehr unterstützt. Wir hatten beide flexible Arbeitszeiten und konnten uns die Kinderbetreuung daher gerecht aufteilen.“
Nachfolge geregelt
Für Karin war es stets auch wichtig, ihr Handwerk weiterzugeben, daher hat sie vielen jungen Kollegen und Kolleginnen die Chance für ein Praktikum gegeben. „Das kostet zwar Zeit und Energie, aber ich wollte meinen Beitrag leisten, die nächste Generation zu fördern.“ Daher hat sie auch rechtzeitig begonnen, ihre Nachfolge aufzubauen.
Früher als geplant, hat sie jetzt im Interesse der Bauern bereits Aufgaben an einen ehemaligen Praktikanten abgegeben, um die tierärztliche Versorgung im Saalachtal in Zukunft zu sichern. Mathias Mair hat die Behandlung der Großtiere übernommen, während Karin die Kleintierpraxis weiterführt. Beide vertreten sich auch gegenseitig.