Bezirke stärken: LK rückt näher an die Höfe heran
Die Landwirtschaftskammer Salzburg gab am Freitag Einblicke, wie aus dem beschlossenen Reformprozess ein spürbarer Aufbruch für die bäuerlichen Familienbetriebe werden soll. Nach Wochen intensiver Arbeit geht es nun darum, Beratung, Interessenvertretung und Service noch näher an die Höfe zu bringen. Damit setzt die LK ein klares Signal: Auch in herausfordernden Zeiten bleibt sie nahe an der Seite der Bäuerinnen und Bauern und richtet ihre Kräfte auf jene Unterstützung, die in den Regionen wirklich gebraucht wird.
Der Schwerpunkt liegt künftig noch stärker auf den Bezirksbauernkammern, die mehr Leistungen direkt vor Ort anbieten werden. „Trotz Sparpakets wollen wir den Bäuerinnen und Bauern auch in Zukunft eine umfassende Beratung bieten. Statt Aufgaben zu zentralisieren, gehen wir noch stärker in die Bezirke hinaus. Wir konzentrieren uns auf jene Bereiche, die am freien Markt nicht verfügbar sind, für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Höfe aber besonders wichtig sind“, betonte LK-Präsident Rupert Quehenberger.
Für das laufende Jahr stehen vier Reformschwerpunkte im Mittelpunkt:
- Stärkung der Bezirksbauernkammern als zentrale Anlaufstelle („One-Stop-Shop“)
- Neuaufstellung der Beratung für die Direktvermarktung
- Neues Kombipaket im landwirtschaftlichen Bauwesen
- Pilotbetrieb von Anwendungen mit Künstlicher Intelligen
Künftig werden die Bezirksbauernkammern noch mehr Beratungsleistungen aus einer Hand anbieten. Dazu zählen unter anderem zusätzliche Aufgaben in der Rechtsberatung sowie im Bereich landwirtschaftliches Bauwesen.
Rupert Quehenberger, Präsident der LK-Salzburg
LK begleitet Betriebe durch alle Lebenslagen
Josef Höller, Obmann der Bezirksbauernkammer St. Johann, betont die Bedeutung der Beratung über Jahrzehnte hinweg: „Wir begleiten die Betriebe von der Hofübernahme bis zur Hofübergabe. Mit mehr als 70 Beratungsangeboten und unserer Interessenvertretung unterstützen wir die Land- und Forstwirtschaft in vielen Bereichen.“ Im Zuge der Reform wird das Planungsbüro der Landwirtschaftskammer mit Ende Oktober geschlossen. Die Bauberatung wird künftig in den Bezirken gebündelt. Dort werden bereits heute Förderanträge begleitet und Wirtschaftlichkeitsberechnungen für Bauvorhaben erstellt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden für ihre neuen Aufgaben entsprechend geschult und durch moderne KI-Anwendungen unterstützt.
Direktvermarktung wird deutlich gestärkt
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau der Beratung für die Direktvermarktung. Bisher war eine Beraterin für das gesamte Bundesland zuständig. Künftig stehen zusätzliche Ansprechpersonen im Pongau und Flachgau zur Verfügung. „Wir sehen, dass die Direktvermarktung jünger und professioneller wird. Gleichzeitig steigen die gesetzlichen Anforderungen. Deshalb stärken wir diesen Beratungsbereich gezielt“, erklärt Quehenberger.
Wie wichtig diese Unterstützung ist, bestätigt Magdalena Schinwald, Direktvermarkterin und Ortsbäuerin von Köstendorf. „Für Direktvermarkter ist es eine große Herausforderung, alle rechtlichen Vorgaben einzuhalten. Die Unterstützung der Landwirtschaftskammer ist für unseren Betrieb sehr wichtig. Ohne diese Beratung hätten wir mit der Direktvermarktung gar nicht begonnen“, sagt Schinwald.
Kundenbefragung bestätigt Zufriedenheit
Rund 60 Prozent der Salzburger landwirtschaftlichen Betriebe haben im vergangenen Jahr Beratungsangebote der Landwirtschaftskammer genutzt. Eine aktuelle Kundenbefragung zeigt eine sehr hohe Zufriedenheit – insbesondere bei Freundlichkeit, fachlicher Kompetenz und Praxisorientierung. Verbesserungspotenzial sehen Kunden bei der Erreichbarkeit und bei Wartezeiten auf Termine. „Angesichts der notwendigen Personaleinsparungen ist das eine Herausforderung. Deshalb setzen wir verstärkt auf digitale Angebote und KI-Unterstützung. Mit modernen Services wollen wir besser erreichbar sein und mehr Flexibilität bieten“, erklärt Kammeramtsdirektor Franz Wieser.