Lebensfrage: Konflikte in der Partnerschaft
„Seit zwölf Jahren bin ich verheiratet und wir führen gemeinsam einen landwirtschaftlichen Betrieb. Nach außen hin wirken wir wie ein starkes Team, doch im Alltag stehe ich oft alleine da. Mein Mann stellt sich bei Konflikten nie hinter mich – egal ob es um Entscheidungen am Hof, seine Geschwister oder seine Eltern geht. Wenn sich meine Schwiegereltern einmischen oder mich kritisieren (was gar nicht so selten vorkommt), schweigt mein Mann oder gibt den anderen sogar recht. Auch wenn er später – unter vier Augen – meiner Sichtweise zustimmt, bezieht er vor den anderen keine klare Position. Das schwächt meine Stellung am Hof ungemein und bringt mich immer wieder an den Rand der Verzweiflung, weil ich es als so ungerecht empfinde. (Was natürlich unserer Beziehung auch nicht guttut.) Ist meine Erwartung, dass mein Partner zu mir steht, übertrieben? Und was können wir tun, dass wir uns wieder stärker als Paar empfinden?“
Diese Dynamik ist auf landwirtschaftlichen Betrieben nicht selten. Wo Wohnen, Arbeiten und Familie auf engem Raum so miteinander verwoben sind, fehlt oft der nötige Abstand zu den laufenden Geschehnissen des Tages. Wobei das eigentliche Problem meist nicht die einzelnen Alltagskonflikte sind, sondern das unerfüllte Grundbedürfnis nach Loyalität und Sicherheit in der Partnerschaft. Und das wiegt schwer.
Ihr Mann sieht sich wahrscheinlich in einer Zwickmühle: Er fühlt sich seiner Herkunftsfamilie verpflichtet und möchte weder die Eltern noch Sie, seine Ehefrau, enttäuschen. Aus Angst vor Streit wird deshalb oft der Weg des Schweigens gewählt. Was in seinen Augen Neutralität darstellt, wird von der Partnerin häufig als Im-Stich-gelassen-Werden erlebt. Vielen Männern fällt es schwer, sich klar zu positionieren. Meistens wird befürchtet, dass es dann zu einem Bruch mit den Eltern kommt, wo sie doch so dringend auf ihre Arbeitsleistung angewiesen sind. Ganz im Gegenteil: Eine klare Abgrenzung schafft eine neue, gesunde Ordnung und schmälert keineswegs die Wertschätzung für die Herkunftsfamilie. Es bedeutet schlicht, dass ich erwachsen bin und mein Leben gemeinsam mit meiner Partnerin gestalte. Als hilfreich könnte sich erweisen, in einem ruhigen Moment darüber zu reden, was das Schweigen in Ihnen auslöst. Anstelle von Vorwürfen wie „Nie hältst du zu mir“ fördern Beschreibungen der eigenen Empfindungen das Verständnis – zum Beispiel: „Wenn du in so einer Situation nichts sagst, fühle ich mich allein gelassen und nicht wertgeschätzt.“ Genauso wichtig sind gemeinsame Regeln für Konflikte: Kritik von außen sollte keinesfalls vor den jeweiligen Personen verhandelt werden. Vielmehr gilt: Nach außen stehen wir einheitlich zusammen und Unstimmigkeiten klären wir später unter vier Augen.
Gelingt es einem Paar, diese Haltung zu entwickeln, profitiert nicht nur die Beziehung davon, sondern auch das Betriebsklima. Ein stabiler Hof braucht ein starkes Fundament in der Partnerschaft.
LFI-Kurse
- Landwirtschaft
zwischen Glück und Erschöpfung
Am Fr, 30. Oktober von 9 bis 16 Uhr in der LFS Winklhof. Sowohl von Menschen als auch von Tieren werden Höchstleistungen verlangt, die beide immer mehr Energie kosten. „Wachsen oder Weichen“ führt unweigerlich zur Ausbeute. Ein ganzheitlicher Denkansatz ist erforderlich, um Bestandsprobleme zu behandeln (chronisch erhöhter Zellgehalt, lebensschwache Kälber, Kälberdurchfälle, Fruchtbarkeitsprobleme). Wie können wir die ersten Anzeichen von Erschöpfung/Überforderung an uns selbst und unseren Tieren identifizieren? Was sollen wir machen? Dieser Tag soll allen Landwirten Mut machen, gemeinsam neues Selbstvertrauen und neue Kraftquellen für sich und die Arbeit am Hof zu finden, indem er Informationen, Tipps für den Alltag und Möglichkeiten zum Austausch bietet.
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Als Paar gut leben und arbeiten am Hof
Zwei Termine am Samstag, 7. November von 9 bis 17 Uhr in der HBLA Ursprung und am Samstag, 9. Jänner 2027, ebenso in der HBLA Ursprung. Sich Zeit nehmen, um das Thema „Zusammenleben am Hof als Paar“ aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten: aus der Sicht derer, die auf den Hof eingeheiratet haben, aus der Paar-Perspektive und aus der Sichtweise aller Generationen, die zusammen am Hof leben. Man setzt sich mit den Themen Arbeit und Arbeitsqualität auseinander und mit den Rollen und Hierarchien in der Familie. Ein Tag, an dem Zeit und Raum für persönliche Themen ist und der dazu dient, als Paar die gemeinsamen Aufgaben zu reflektieren und gestärkt zu meistern.
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Lebensqualität Bauernhof,
Kennwort ,,Lebensfragen"
BBK Kleßheim
Tel. 0664/4105065
lebensfragen-bauernhof@lk-salzburg.at
Diese Form der Beratung ersetzt in keinster Weise ein persönliches Gespräch mit der Beraterin. Wir bitten um Verständnis, dass Karin Deutschmann-Hietl nicht alle Briefe persönlich beantworten kann.
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