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Forschung für klimafitte Wiesen

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09.02.2026 | von Lukas Gaier, Andreas Klingler und Bernhard Krautzer

Mit dem Projekt Seedmix den Pflanzenbestand im Grünland anpassen.

Ein leistungsfähiger und dem Standort angepasster Dauergrünlandbestand mit einer dichten Grasnarbe und einem ausgewogenen Artenverhältnis ist eine der zentralen Grundlagen für eine nachhaltige und wirtschaftlich erfolgreiche tierische Produktion. Diese Grünlandflächen erfüllen darüber hinaus eine Vielzahl wesentlicher Ökosystemleistungen: Biodiversität, Trinkwasserschutz, Wasserrückhalt, Kohlenstoffbindung, Erosionsschutz sowie landschaftsökologische und kulturelle Werte. Durch klimatische Veränderungen, die mit Temperaturanstiegen, ungünstigeren Niederschlagsverteilungen und längeren Dürreperioden einhergehen, geraten Grünlandbestände zunehmend unter Druck. Während die Kräuter und Leguminosen aufgrund ihres teilweise sehr tief reichenden Wurzelsystems nicht so stark betroffen sind, ist das vergleichsweise seichte Wurzelsystem der Gräser ein Nachteil in längeren Trockenphasen. Um die Bestände auch in Zukunft stabil zu halten, kann eine Anpassung des Pflanzenbestandes notwendig werden. Es gibt dabei unterschiedliche Möglichkeiten wie diese erfolgen könnten. Um einige davon zu untersuchen wurde das Projekt Seedmix ins Leben gerufen.

Material und Methoden

Die Untersuchungen wurden im Zeitraum von 2019 - 2024 an sieben Versuchsstandorten in Österreich durchgeführt, wovon fünf konventionell und zwei biologisch bewirtschaftet wurden. Diese wurden so ausgewählt, dass die unterschiedlichen klimatischen Ausgangsbedingungen innerhalb des Bundesgebiets möglichst gut repräsentiert wurden.
 
Seedmix.jpg © Bernhard Krautzer
Grünlandmischungen im direkten Leistungsvergleich © Bernhard Krautzer
Die getesteten Dauergrünland-, Wechselwiesen- und Feldfuttermischungen wurden in Abhängigkeit des Standorts in einem Vier- und/oder Fünfschnitt-System geführt. Dabei wurde untersucht, wie sich ÖAG-Qualitätssaatgutmischungen von Mischungen der Qualitätsstufe Saatgut-Austria in Bezug auf die Ertragsfähigkeit, die Futterqualität und die Ausdauer von intensiven Grünlandbeständen unterscheiden. Die ÖAG-Mischungen enthalten dabei ausschließlich in Österreich geprüfte und empfohlene Sorten und unterliegen erhöhten Qualitätsanforderungen, während die Saatgut-Austria-Mischungen zwar dem österreichischen Mischungsrahmen entsprechen, die Auswahl der Sorten jedoch nicht geregelt ist.

Weiters sollte untersucht werden, ob der Wiesenschwingel durch trockenheitstolerantere Arten wie Rohrschwingel oder Festulolium sinnvoll ersetzt werden kann.
Seedmix.jpg © Andreas Klingler
Versuchsfläche in Raumberg-Gumpenstein aus der Vogelperspektive © Andreas Klingler

Ergebnisse und Diskussion

  • Pflanzenbestand und Nutzungsintensität
Die Ergebnisse des Projekts zeigen deutlich, dass Pflanzenbestand und Bestandesentwicklung sehr eng mit der Nutzungsintensität verknüpft sind. Die Schnittfrequenz erwies sich als einer der wichtigsten Steuerungsfaktoren für Ertrag, Futterqualität und botanische Zusammensetzung der Bestände. Eine höhere Schnittfrequenz führte zu einer Nutzung der Aufwüchse in einem früheren Entwicklungsstadium und damit zu deutlich höheren Rohprotein- und Energiegehalten, während die Trockenmasseerträge vergleichsweise weniger stark beeinflusst wurden. Gleichzeitig hatte die Schnittfrequenz einen maßgeblichen Einfluss auf die Artenzusammensetzung. In intensiven Nutzungssystemen wurden schnittverträgliche und konkurrenzstarke Gräser wie Englisches Raygras und Knaulgras gefördert, während weniger schnitttolerante Arten stärker unter Druck gerieten.

Die Ergebnisse zeigten aber auch, dass intensive Nutzungssysteme nur dann nachhaltig funktionieren, wenn sie konsequent an die Standortbedingungen angepasst werden. In niederschlagsreicheren Lagen konnten höhere Nutzungsintensitäten gut umgesetzt werden, während in trockeneren Regionen eine flexible Anpassung der Nutzung notwendig ist, um Stressphasen für die Bestände zu vermeiden. Damit bestätigt das Projekt die zentrale Rolle einer standortangepassten Bewirtschaftungsintensität für eine langfristig stabile Grünlandbewirtschaftung.

Im Vergleich der eingesetzten Grünland- und Feldfuttermischungen zeigten sich weniger deutliche Unterschiede als ursprünglich erwartet. Über mehrere Standorte und Nutzungsjahre hinweg konnten sehr unterschiedliche Mischungstypen - von Dauerwiesen-, über Wechselwiesen- bis hin zu Feldfuttermischungen - vergleichbare Erträge und Qualitäten erzielen. Überraschend war, dass auch Mischungen, die ursprünglich für extensivere Nutzung empfohlen sind, unter intensiver Bewirtschaftung stabile und konkurrenzfähige Leistungen erbrachten.
  • Saatgutqualität
Während sich im ersten Nutzungsjahr zwischen den geprüften Saatgutqualitäten nur geringe Unterschiede zeigten, traten die Vorteile hochwertiger ÖAG-Qualitätssaatgutmischungen mit zunehmender Nutzungsdauer deutlich hervor. Diese Mischungen zeichneten sich dabei durch dichtere Bestände, einen höheren Anteil eingesäter Arten sowie einer geringeren Verunkrautung aus.

Auch in Bezug auf Ertrag und Futterqualität (Abbildung 1) erwiesen sich ÖAG-Mischungen langfristig als überlegen. Die Ergebnisse zeigen damit klar, dass sich der Einsatz geprüfter, standortangepasster Sorten vor allem unter intensiver Nutzung und bei zunehmendem klimatischem Stress, positiv auswirkt. Höhere Saatgutqualität trägt somit wesentlich zur Ertragssicherheit, Ausdauer und Konkurrenzkraft im Grünland bei.
Seedmix.jpg © HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Abbildung 1: Ertrag und Rohproteingehalt von Grünlandmischungen unterschiedlicher Saatgutqualitäten © HBLFA Raumberg-Gumpenstein
  • Substitution des Wiesenschwingels
Die Substitution des Wiesenschwingels durch trockenheitstolerantere Arten wie Rohrschwingel oder Festulolium zeigte kein einheitliches Bild, sondern war stark von Standort, Nutzungssystem und Witterungsverlauf abhängig. Rohrschwingel konnte auf einzelnen, eher trockenen Standorten höhere Trockenmasseerträge erzielen. Diese Ertragsvorteile gingen jedoch mit Nachteilen in der Futterqualität, insbesondere bei Rohprotein- und Energiegehalten, einher.

Festulolium zeigte vor allem in den ersten Nutzungsjahren eine gute Etablierung und teilweise positive Effekte auf den Ertrag. Mit zunehmender Nutzungsdauer verlor diese Art jedoch an Bedeutung. Insgesamt konnte keine generelle Empfehlung für einen vollständigen Ersatz des Wiesenschwingels abgeleitet werden.
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Abbildung 1: Ertrag und Rohproteingehalt von Grünlandmischungen unterschiedlicher Saatgutqualitäten © HBLFA Raumberg-Gumpenstein