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Rinderzucht am Bio-Betrieb - Wissen als Werkzeug nutzen

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07.04.2026 | von Bernhard Ottensamer, akad. BT

Die Zucht ist ein Werkzeug zum betrieblichen Erfolg am biologischen Milchviehbetrieb. Vor allem grünlandbasierte biologisch wirtschaftende Betriebe stellen oft andere Ansprüche an ihre Zuchttiere als konventionell wirtschaftenden Zuchtbetriebe. Die Zucht muss sich immer am Idealbild der Milchkuh für den einzelnen Betrieb orientieren. So individuell wie die einzelnen Betriebe, sind auch deren Ziele in der Zucht.

Kuh beim Fressen.jpg © LK OÖ / Referat Biolandbau
Wichtig sind Milchkühe die Grundfutter effizient verwerten können © LK OÖ / Referat Biolandbau

Betriebliche Ansprüche und Anforderungen

Für den Einzelbetrieb spielt das betriebseigene Zuchtziel eine wesentlich größere Rolle als das definierte Zuchtziel der unterschiedlichen Rinderrassen. Eine homogene Milchviehherde bietet im Management wesentliche Vorteile.  Im Bereich Bio-Milchviehzucht spielen auch rechtlichen Vorgaben aus der Bio-Richtlinie und gegebenenfalls Verbandsrichtlinien eine Rolle. Als Bio-Betrieb hat man sich auch bewusst für diese Art der Produktion entschieden und der Bio-Grundgedanke ist gegenüber den Richtlinien ein wesentlicher Teil der Entscheidungen.

Das Idealbild vor Augen

Der Bio-Milchviehzuchtbetrieb sollte sich im inneren Auge ein Idealbild seiner Milchkuh vorstellen können. So kann man die eigenen Tiere objektiv und kritisch beurteilen und gegebenenfalls die gezielte Anpaarung und Selektion für ein Erreichen des Zuchtziels anzuwenden. Aus diesem Grund ist es unerlässlich sich mit den Tieren intensiv auseinanderzusetzen und einen gezielten Blick zu entwickeln, welche Eigenschaften bei einem Tier von Vorteil sind und auch welche nicht gewollt oder erwünscht wären.

Meist gilt der Grundsatz: Die idealste Kuh ist die Unauffälligste!
Kuh auf Weide.jpg © LK OÖ / Referat Biolandbau
Leichte, kleinrahmigere Tiere kommen mit der Weidehaltung besser zurecht © LK OÖ / Referat Biolandbau

Weide - Mobilität der Tiere

Die Weidehaltung stellt am Bio-Milchviehbetrieb einen wesentlichen Teil der Milchproduktion dar. Diese Vorgabe muss daher auch ins Zuchtziel miteinfließen. Leichte und kleinrahmige Tiere haben in der Weidehaltung Vorteile gegenüber schweren Tieren. Vor allem weil durch den Weidegang die Gelenke mehr beansprucht werden. Vor allem in intensiven Weidegebieten Neuseelands oder Irlands wird gezielt auf die Weidetauglichkeit geachtet. Als bekanntes Beispiel zählt die in Neuseeland verbreitete Kreuzung der Rassen Holstein-Frisian mit Jersey, auch Kiwi-Cross genannt.

Für eine effiziente Weidehaltung sind gesunde Gliedmaßen und Klauen (Merkmal Fundament) eine Grundvoraussetzung. Neben der Klauenpflege ist ein Selektieren der Tiere bzw. eine Auswahl der Besamungsstiere auf diese Fundamenteigenschaften maßgeblich für die Weidetauglichkeit. Tiere mit ständigen Klauenproblemen sollten ausselektiert werden, da sie in Weidehaltungssystemen eine niedrigere Futter- und folglich Nährstoffaufnahme aufweisen. Im Bereich der Klauen muss auf eine hohe Klauentracht gezüchtet werden. Je höher die Tracht, desto weniger empfindlich sind die Tiere beim Gehen, auch auf langen Triebwegen vom Stall zur Weide.

Zusätzlich sollte auch auf die Fesseln der Tiere ein Augenmerk gelegt werden. Diese sollte federnd aber nicht durchtrittig sein, um das Gewicht der Tiere bei jedem Schritt abzufedern. Beim Sprunggelenkswinkel ist auf eine korrekte Winkelung zu achten. Diese genannten Dinge spielen auch in der Laufstallhaltung eine wichtige Rolle. Bei Weidehaltung legen die Tiere generell längere Strecken zurück.

Kraftfutter - Mit Maß und Ziel

Ein weiterer Punkt betrifft den Kraftfuttereinsatz. Laut Biorichtlinie muss die Gesamtjahresration von Rauhfutterverzehrer mindestens 60 % Rauhfutteranteil beinhalten. Diese Richtlinie sowie die hohen Preise beim Zukauf, limitieren den Einsatz von Kraft- und Eiweißfuttermitteln bzw. erfordern einen effizienten Einsatz. Im Hinblick auf das Zuchtziel bedeutet das, dass es Tiere braucht, die Grundfutter effizient verwerten können. Eine hohe Grundfutteraufnahme mit entsprechendem Pansenvolumen ist dazu wichtig. Als Milchviehhalterin oder Milchviehhalter ist hier ein gezielter Blick auf die Rumpftiefe und auch eine breite Brust erforderlich. Diese Merkmale vergrößern das Volumen der Kuh und können eine maximale Futteraufnahme garantieren.
Viehtrieb.jpg © LK OÖ / Referat Biolandbau
Gesunde Klauen und ein gutes Fundament sind Voraussetzung für effektive Weidenutzung © LK OÖ / Referat Biolandbau

Verstärkt auf Fitness-Merkmale achten

Speziell in der Zeit nach dem Abkalben kommt es durch die rasch ansteigende Milchmenge zu einem Energiemangel bei Milchkühen. Aus Sicht der Zucht sollte hier auf eine langsam steigende Milchmengenkurve geachtet werden. Vor allem die Zucht auf eine hohe Persistenz bei moderaten Einsatzleistungen können die Milchproduktion am Bio-Betrieb über längere Zeit betrachtet effizienter werden lassen.

Auch die genetischen Merkmale im Bereich Fitness spielen in der Zucht am Biobetrieb eine gewichtige Rolle. Dazu muss man aber auch anmerken, dass diese Merkmale stark vom Management abhängig sind und diese Fehler nicht durch die verstärkte Zucht auf Fitnessmerkmale behoben werden können.

Ökologische Gesamtzuchtwert(information) (ÖZW)

Der ÖZW ist ein zusätzlicher Selektionswert, der auf denselben Zuchtwertdaten basiert wie der Gesamtzuchtwert (GZW), aber gezielt an die Anforderungen des ökologischen Landbaus angepasst ist. Er kombiniert Leistungs-, Fitness- und Exterieurmerkmale mit einer Gewichtung, die besonders Langlebigkeit, Persistenz, Leistungssteigerung von Laktation zu Laktation sowie Fundament- und Eutermerkmale in den Vordergrund stellt.
Samencontainer.jpg © LK OÖ / Referat Biolandbau
Zucht ist Denken in Generationen-gezielte Anpaarung ist wesentlich © LK OÖ / Referat Biolandbau

Zusammenfassung

Die Zucht soll immer betriebsindividuell angepasst werden. In der biologischen Milchviehzucht geben äußere Faktoren, verpflichtende Weidehaltung, weniger Kraftfuttereinsatz und verstärkter Blick auf Fitness eine Richtung in der Zucht vor.

Als Zuchtbetrieb muss man sich sein eigenes Idealbild schaffen und die Tiere anhand dessen beurteilen. Zucht ist Denken in Generationen und erfordert einen langen Atem und eine konsequente Umsetzung des angestrebten Zuchtziels.
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