Kennzeichnung der Herkunft: Gastro ist strikt dagegen
„Die Landwirtschaft soll ihre Hausaufgaben machen, statt andere mit Zettelwirtschaft zu quälen“, reagierte in der Vorwoche der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung, Walter Veit, extrem gereizt auf die Forderungen des Bauernbundes nach einer Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie. Veit lehnt die Forderungen als „Planwirtschafts-Fantasie“ ab: „Das erinnert ja an die DDR. Was kommt als Nächstes? Ein Bananen-Verbot?“
Statt Gastronomie und Hotellerie zu gängeln, solle die Politik die Landwirtschaft zu echtem Tierwohl und strengsten Standards im Stall und auf dem Feld verpflichten, geht der Hotelier aus Obertauern direkt zum Gegenangriff über. Die Landwirtschaft bekomme von der EU mehr als 300 Mrd. € an Förderungen, mehr als jede andere Branche. „Damit muss man doch in einer Qualität produzieren können, die sich gegen Billigimporte durchsetzt!“ Hochqualitative Bio-Produkte seien seiner Meinung nach die besten Verkaufsargumente: „Landwirtschaftliche Betriebe, die das liefern, machen großartige Geschäfte mit uns“, stellt ÖHV-Präsident Walter Veit fest.
Dass es mit dem Einsatz regionaler Lebensmittel in der Gastronomie dann scheinbar doch nicht immer so weit her ist, zeigt ein kürzlich durchgeführter Store-Check des Steirischen Bauernbundes und der Schweinevermarktungsgemeinschaft Styriabrid im Gastrogroßhandel: 61 % des Schweinefleisches stammen aus dem Ausland, vor allem aus Spanien, nur 39 % aus Österreich. Ein lückenlos nachvollziehbares AMA-Gütesiegel tragen nur 20 % der Produkte. Man kann davon ausgehen, dass es in anderen Produktgruppen ein ähnliches Einkaufsverhalten gibt.
Durch das Mercosur-Abkommen sollen künftig weitere 99.000 Tonnen Rindfleisch in die EU gelangen. Während der Lebensmittelhandel bereits abgewunken hat, wird diese Ware vor allem in der Gastro und in der Verarbeitung landen – ohne dass der Konsument erfährt, woher dieses Fleisch eigentlich stammt. Das EU-Parlament hat zwar die Ratifizierung des umstrittenen EU-Mercosur-Abkommens blockiert und verlangt ein Gutachten des Europäischen Gerichtshofs zur Vereinbarkeit mit den EU-Verträgen. Die EU-Kommission könnte aber den Handelspakt dennoch vorläufig in Kraft setzen und so ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis das Abkommen wirksam wird.
Rupert Quehenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg
"Einen fairen Wettbewerb gibt es nur, wenn alle Fakten wie die Herkunft am Tisch liegen."
Der Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg, Rupert Quehenberger, ist nicht generell gegen Handelsabkommen. Es könne aber nicht sein, dass in Österreich die Produktionsbedingungen ständig verschärft würden, während gleichzeitig Rindfleisch ins Land komme, dass unter deutlich geringeren Tierschutz- und Umweltauflagen produziert wurde. „Wir wollen den Konsumenten und schon gar nicht der Gastro vorschreiben, was man zu kaufen hat. Wir wollen aber einen fairen Wettbewerb, und den gibt es nur, wenn die Fakten wie die Herkunft am Tisch liegen.“ Übrigens bekräftigt eine aktuelle AMA-Umfrage diese Forderung: 72 % der Österreicherinnen und Österreicher wollen wissen, woher Fleisch, Milch und Eier stammen. „Wenn sich die Gastro gegen die bürokratischen Hürden wehrt, dann kann ich das nachvollziehen. Die Bäuerinnen und Bauern sind allerdings beinahe jedes Jahr mit zusätzlichen Aufzeichnungspflichten konfrontiert und niemand fragt sie, ob sie das wollen oder nicht. Die Gastronomie und Hotellerie ist ein wichtiger Partner der Landwirtschaft. Die Zahlen zeigen uns aber, dass nicht jeder die Partnerschaft so ernst nimmt, wie man dies in der Öffentlichkeit gerne vorgibt zu tun.“