Ernteeinbußen für das heurige Jahr befürchtet
Auf dem Hang gegenüber dem Binderhof, wo im Vorjahr noch das Jungvieh des Nachbarhofs weidete, liegt eine braune brache Fläche, als wäre der Hof irgendwo in Andalusien gelegen und nicht direkt am Waginger See, einer beliebten Badelandschaft. Die Familie Stadler vermietet eine Ferienwohnung.
Für dieses Jahr befürchtet der Bauer, dass zu wenig Futter geerntet werden kann. Derzeit hat er nur zwei von den ansonsten zu erwirtschaftenden fünf Schnitten einbringen können; vielleicht geht noch ein weiterer, ein vierter wäre schon ein Glücksfall, meint er. Vorausschauend hat er zu einigermaßen günstigen Preisen von Höfen, die ihre Milchviehbetriebe aufgelassen haben, bereits Heu und Silage zukaufen können, aber zu wenig. Im schlimmsten Fall muss er ein Drittel seiner Milchkühe abgeben. Aber auch Stroh für die Einstreu für das Jungvieh kostet jetzt 80 Euro statt 35 Euro pro Paket. Stadler: „Ich beobachte seit Jahren, dass trotz der guten Niederschlagslage für das Grünland am Alpennordrand das östliche Ufer des Waginger Sees geringe Niederschläge aufweist.“
Vermietung seit den 50er-Jahren
Der Fremdenverkehr am Hof begann bereits in den Fünfzigerjahren mit der Zimmervermietung mit Frühstück. Später wurde daraus die Vermietung von Ferienwohnungen; derzeit gibt es eine davon in einem eigenen Haus im Hofverband mit 60 Quadratmetern Wohnfläche.
Das Ehepaar hat 2005 geheiratet und ein Jahr später den Hof übernommen. Im Jahre 1960 war das Haus errichtet worden, das heute als Gästehaus dient. Die Eltern bewohnten das alte Bauernhaus. Sodann wurde, wie bei fast allen anderen Bauern auch, Jahr für Jahr gebaut, umgebaut, modernisiert oder in Maschinen investiert: 2008 errichtete man den Laufstall, 2011 eine Maschinenhalle auf dem weitläufigen Betriebsgelände. Es folgten Fahrsilos und 2014 und 2015 wurde das Ferienhaus modernisiert. Das Haus, in dem die Bauernfamilie wohnt, wurde 1995 errichtet. Die jüngsten Errungenschaften sind eine Hackschnitzelheizung, die alle drei Gebäude versorgt, und eine 29-kW-PV-Anlage, die den Betrieb und die Wohnhäuser von März bis November autark mit Strom versorgt. Die Investitionen waren möglich aufgrund des guten Milchpreises. Zudem gehen der Bauer als Wassermeister und die zwei Söhne als Industrie-Mechatroniker Erwerben nach.
Betriebsspiegel
Familie: Josef Stadler (57), gelernter Schmied und Wassermeister; Marlies (54), Facharbeiterin der Ländlichen Hauswirtschaft; David (21); Thomas (19)
Betrieb: 23 ha, davon 5 ha Pachtgrund, 18,5 ha Grünland, 2 ha Acker, 2,5 ha Wald. Vieh: 30 Milchkühe,
12 Stück Nachzucht; Biobetrieb