Offene Landschaft dank jahrzehntelanger Arbeit der Almbauern – Wertvolle Traditionen die im Sommer eine Attraktion für den Tourismus sind und die Region beleben
Einmal im Sommer richtet der „Salzburger Bauer“ mit den Almreportagen den Blick über die Landesgrenze hinaus. Dieses Mal führt er nach Bayern, in den Nationalpark Berchtesgaden. Dort, oberhalb des Hintersees in Ramsau, liegt auf 1.200 Metern
die Bindalm. Sie zählt zu jenen Almen, die im Schutzgebiet des Nationalparks noch traditionell bewirtschaftet werden – unter klaren Vorgaben, die für die Bauern nicht immer einfach sind. „Gerade in der Ramsau spielen diese Berechtigungsalmen eine große Rolle, weil die Nutzungstradition dort schon seit Jahrhunderten besteht. Wir genießen gewisse Vorteile wie die Wegerhaltung, können aber oft Kleinigkeiten, die uns wichtig wären, nur schwer umsetzen“, erzählt Michael, der viele Funktionen bekleidet und sich vielseitig für die Öffentlichkeit engagiert.
Insgesamt befinden sich vier Almhütten, sogenannte Kaser, auf der Bindalm. Zwei davon sind bewirtschaftet. Hier bekommen Wanderer und Mountainbiker selbstgemachte Erzeugnisse wie Butter, Käse und erfrischende Getränke. Damit leistet die Alm nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege, sondern ist auch ein beliebtes Ziel im Ramsauer Wandergebiet. Ein Wanderbus fährt vom Klausbachhaus bis zum Hirschbichl, Radfahrer dürfen die Strecke bis zur Alm nutzen.
Die Bindalm wird bereits von der jungen Familie am Hof geführt, es ziehen aber alle an einem Strang, um alle Bereiche am Hof unter einen Hut zu bringen. Schließlich werden am Hof sechs Ferienwohnungen vermietet und Sohn Andreas geht einem Nebenerwerb nach.
Zur Geschichte der Alm gehört auch der Name Marianne Schmuck. Die Sennerin vom Kressenkaser war eine der bekanntesten ihres Faches. „Urli Marianne“ verbrachte 39 Sommer auf der Alm und prägte über Jahrzehnte die Arbeit vor Ort. 1954 verbrachte sie mit 19 Jahren ihren ersten Sommer auf der Bindalm. Bis 2015 folgten weit über 30 weitere. Auch heute noch trifft man die rüstige 90 Jährige hin und wieder auf der Alm an.
Heute tragen die nächste Generation und eine Sennerin die Verantwortung. Drei Kühe werden auf der Bindalm gemolken, die Milch wird direkt verarbeitet. Den elften Sommer übernimmt Martina aus der Oberpfalz diese Aufgabe. Sie stellt Butter, Topfen und verschiedene Käsesorten her. Auf der Bindalm wird auch noch der traditionelle Schüsslkas produziert, eine typische Käseart im südlichen Berchtesgadener Land.
Die Bindalm verbindet lebendige Tradition, regionale Spezialitäten und bäuerliche Kulturgeschichte mit dem Erholungswert einer der schönsten Wanderregionen der Alpen.
Die Bindalm liegt kurz vor dem historischen Salzsäumerpass Hirschbichl an der deutsch-österreichischen Grenze und damit am Ende des Klausbachtals.
Zu Fuß kann man die Alm in etwa 2 Stunden erreichen. Ausgangspunkt der Wanderung ist das Klausbachhaus, die Informationsstelle des Nationalparks Berchtesgaden am Hintersee in Ramsau. Auch für Mountainbiker und E-Biker ist die Bindalm ein beliebtes Ziel. Auf der Straße durch das Klausbachtal erreicht man vom Hintersee aus kurz nach dem Mitterberg die Abzweigung zur Bindalm, von hier führt der Almweg bis zur Bindalm. Zu beachten: Die direkte Weiterfahrt mit dem Rad über den Fußweg zum Hirschbichl ist nicht erlaubt! Man kann auch mit dem Almerlebnisbus bis zur Haltestelle Bindalm oder Hirschbichl fahren, dann beträgt der Fußweg nur wenige Minuten. Der Bus fährt bis Oktober.