Zitronenmelisse: Sanfte Kraft mit Zitronenduft
„Gentle balm“, „zarter Balsam“, heißt die Zitronenmelisse im Englischen. Ihre Heilkraft und Wirkung verdankt sie genau diesem zarten, balsamischen Wesen. Sie duftet fein nach Zitrusfrüchten, wirkt dabei aber warm und vertraut, weich im Charakter, nicht kühlend wie die Zitrusfrucht selbst. Ihr Duft erinnert an sonnige Gärten und warme Sommertage, an eine stille, wohltuende Sanftheit, die sich behutsam entfaltet.
Bereits in der Antike wurde die im Mittelmeerraum heimische Zitronenmelisse, die im Altgriechischen „Melissa-Phyllon“, also „Bienenblatt“, genannt wird, in ihrer Heilkraft verehrt. Ihr Name verweist auf die besondere Anziehungskraft für Bienen. Über Jahrhunderte hinweg fand sie ihren festen Platz in Klostergärten und Kräutersammlungen, bevor sie sich auch als Küchenkraut etablierte.
Sanftes Zitronenaroma
Heute wird sie vor allem für süße Gerichte und Desserts, Digestifs und überall dort verwendet, wo ein sanftes Zitronenaroma gewünscht wird. Sie verfeinert Obstsalate, Cremes, Sorbets und sommerliche Getränke, ohne deren Aromen zu überdecken. Besonders harmonisch verbindet sie sich mit Erdbeeren, Pfirsichen, Honig und Vanille. Anders als Zitrone bringt sie kaum Säure mit, sondern ein mildes, rundes Aroma.
In der Volksmedizin wird ihre positive Wirkung bei nervös bedingten Herzstörungen und Erschöpfungszuständen geschätzt. Als „Herzkraut“ wird sie traditionell mit Ruhe und innerem Ausgleich verbunden. Auch bei krampfartigen Beschwerden findet sie Anwendung. Ihre antibakteriellen und antiviralen Eigenschaften werden vor allem in wissenschaftlichen Untersuchungen beschrieben; viele traditionelle Anwendungen sind jedoch nicht ausreichend klinisch belegt.
Am aromatischsten ist sie frisch aus dem Garten. Die zarten Blätter entfalten ihr feines Aroma besonders schön, wenn sie erst kurz vor dem Servieren verwendet werden. Im Garten oder Topf wächst die Zitronenmelisse unkompliziert und treibt nach dem Rückschnitt immer wieder neu aus.
So ist sie eine dankbare Begleiterin, die mit ihrem sanften Zitronenduft und ihrer vielseitigen Verwendung ein wenig Leichtigkeit in den Alltag bringt.
Resistenztropfen
- Je zwei Handvoll Blätter von Spitzwegerich (als pflanzliches Antibiotikum), Kapuzinerkresse (als pflanzliches Antibiotikum für die Atemwege) und Blüten von Sonnenhut (zur Resistenzsteigerung), Zitronenmelisse, Holunder und Mädesüß (zur Immunsystemsteigerung), Gundelrebenkraut (zur Lymphdrüsenstärkung und -anregung)
Zubereitung
Von Mai (beginnend mit den Hollerblüten) bis September werden die Pflanzen bei sonnigem Wetter geerntet, etwas zerkleinert und in ein Glas mit Schraubverschluss, in klaren, neutral schmeckenden Obstschnaps, Wodka oder Korn gelegt. Das Glas verschlossen halten. Wenn alle Pflanzen im Glas gelandet sind, vier bis sechs Wochen in der Sonne stehen lassen, dabei die reifende Tinktur oft schütteln. Dann durch ein Teesieb abschütten, filtern und zum Aufbewahren in braune Tropferfläschchen füllen und kühl lagern. Einige Tropfen pur genießen oder in einem Drink verarbeiten.
Süßes Melissenpesto
3 Handvoll Zitronenmelissenblättchen, 125 g geröstete Mandeln, je 1 EL Zitronen- und Orangensaft,
2 EL Honig, einige Spritzer Bio-Sonnenblumenöl werden im Mörser gut miteinander verarbeitet, sodass eine sämige Paste entsteht. Das süße Melissenpesto passt gut zu Eis, Sorbets, Fruchtsalaten und Fruchttorten, aber auch zu Panna Cotta, Waffeln und Cremetorten.
Melissengeist hausgemacht
- 2 Handvoll Melissenblätter
- ein 3 cm langes Stückchen Engelwurzwurzel
- Schale von ½ Bio-Zitrone
- etwas gemahlene Muskatnuss
- je 1 TL Koriander
- Zimt und Nelken
- 0,5 l 70%igen Alkohol
Zubereitung
Alle Zutaten in eine Flasche mit breiter Öffnung füllen, den Alkohol darübergießen und darauf achten, dass alle Pflanzenteile damit bedeckt sind. Den Ansatz vier Wochen im Schatten ziehen lassen, dann kann er abgeseiht werden. Den Melissengeist in kleine dunkle Flaschen mit Tropfer füllen. Übrigens kann man Melissengeist auch äußerlich als Einreibung bei Muskelverspannungen, Muskelkater und zur Durchblutungsförderung anwenden, aber auch bei Übermüdung, Abgespanntheit und Nervenschwäche. Innerlich angewandt hilft er als nervenstärkendes Antistress-Mittel, indem er kurmäßig über vier bis sechs Wochen eingenommen wird.
Zitronenmelisse-Likör
- Ergibt ca. 1,3 Liter
- 5 große Handvoll Blätter der Zitronenmelisse
- Schale von 3 unbehandelten Bio-Zitronen
- 1 l Wodka, 40 Vol.-% Alkohol
- 400 g Feinkristallzucker
Zubereitung
Die Zitronenmelissenblätter leicht drücken, um das ätherische Öl freizusetzen, mit den Zitronenschalen in das sterilisierte Einmachglas füllen, den Zucker dazugeben und sofort mit dem Wodka aufgießen, damit das Aroma nicht verraucht. Das Glas verschließen und mehrmals vorsichtig schwenken. Einen Monat an die Sonne stellen und von Zeit zu Zeit schwenken. Dann die Flüssigkeit in einen Krug mit weiter Öffnung abseihen. Sollte man den Likör süßer wünschen, stellt man einen einfachen Sirup her. Dazu extrafeinen Zucker und Wasser zu gleichen Teilen erhitzen, abkühlen lassen und so viel zum Likör geben, bis die gewünschte Süße erreicht ist. In sterilisierte Vorratsflaschen abfüllen. Auch diesen Likör kann man sehr gut kühl bis zu ein Jahr lagern.