Wo vor 440 Jahren die Salzburger Pferdezucht begann
Wer sich vom Nordwesten dem Universitäts- und Landessportzentrum des Landes Salzburg in Hallein/Taxach nähert, kommt bei einem alten steinernen Tor vorbei. Dieses Tor, das anschließende kleine Pförtnerstöckl und Reste einer steinernen Mauer sind Relikte aus einer Zeit, als Rif ein Gestüt der Fürsterzbischöfe von Salzburg war. Wo heute Spitzensportler trainieren, war vor 440 Jahren der Beginn und das Zentrum der gezielten Salzburger Pferdezucht. 1560 erwarb Fürsterzbischof Johann Jakob Kuen von Belasy den Besitz Rif und ließ ihn zu einer Sommerresidenz mit Wasserspielen umgestalten und das schon lange bestehende Anwesen in ein Renaissanceschloss umbauen. Aus dieser Zeit stammen auch das steinerne Tor, das in die Schlossallee führt, und die heute nicht mehr vollständige Einfriedungsmauer.
Vom Jagdschloss zum Pferdezentrum
1586, also vor 440 Jahren, wurde in Rif ein Gestüt für die erzbischöfliche Pferdezucht eingerichtet. Im Westtrakt des Schlosses erfolgte der Einbau von Pferdestallungen und verschiedenen für die Pferdehaltung notwendigen Wirtschaftsbereichen wie einem Futterlager. Im erzbischöflichen Betrieb in Rif wurde ein völlig neuartiges Konzept eingeführt, nämlich die Integration der Pferdezucht in einen Gestütsbetrieb. Zur Verbesserung der Zucht im gesamten Erzstift wurden aus dem Gestüt mehrere spanisch-neapolitanische Hengste („Hofbeschäler“) in die Gebirgsgaue gebracht. Die Nachzucht wurde vom Gestütspersonal gemustert und bei den verschiedenen Rossmärkten angekauft. Die fürsterzbischöfliche Pferdezucht erreichte damit eine weit über das Erzstift hinausgehende anerkannt hohe Qualität. Zur Sicherung des Zuchterfolgs in Salzburg wurden in weiterer Folge auch die Stutenmusterung und Pferdepässe eingeführt und die erste Körordnung erlassen. Damit wertvolles Zuchtmaterial dem Erzstift jedenfalls erhalten blieb, wurde den Bauern der Verkauf von Pferden in das Ausland verboten.
Farben mit besonderer Bedeutung
Die Zucht erfolgte nach dem Gebrauch für den Wagen oder für das Reiten und wurde genau nach Farben getrennt. Die wichtigsten Noriker-Linien waren die Rappen (morellos) und die Mohrenköpfe (capo moros). Farblich zu den jeweiligen Wägen und Kutschen passend, gab es etwa auch Falben, Braune und Perlinos, also Pferde mit einem weißen bis leicht cremefarbenen Fell. Sehr typisch für den Salzburger Hof waren noch die Schecken und die Tiger.
Die Geschichte von Schloss Rif
Im Westtrakt des Schlosses waren nach Gründung des Gestüts Rif die Pferdestallungen untergebracht. Diese Räume sind teilweise noch vorhanden und man kann ihre damalige Funktion noch erahnen. Heute werden sie im besten Zustand als Vorlesungs- und Veranstaltungsräume des Universitäts- und Landessportzentrums genutzt. Das Gut in Rif hatte schon eine lange Geschichte, bevor es von Fürsterzbischof Johann Jakob Kuen von Belasy im Jahre 1560 erworben wurde. Der Name „Rif“ leitet sich vom lateinisch „ripa“, also Ufer, ab. Eigentümer war das Salzburger Domkapitel. Nach langem Streit wurde 1250 das Geschlecht der Guetrater mit Rif belehnt. Es folgte eine Reihe von Besitzwechseln, bis 1539 schließlich der Gewerke Christoph Perner von Rettenwörth das Gut kaufte und zu einem Edelsitz ausbaute. Perner war auch der Namensgeber für die heutige Pernerinsel in Hallein. Nach seinem Konkurs musste Christoph Perner das Gut Rif aufgeben, das am 18. September 1560 schließlich erzbischöfliches Eigentum wurde und vor allem für die Jagd genutzt wurde.
Warum Rif zum Gestüt wurde
Erzbischof Kuen-Belasy erlitt 1579 einen Schlaganfall, sodass er kaum mehr regierungsfähig war. Daher wurde im Jahre 1580 Dompropst Georg von Kuenburg als Koadjutor gewählt, der ihm 1586 auch als Erzbischof nachfolgte. Dieser hatte wenig Interesse an einem Lustschluss und daher wurde Rif in diesem Jahr in ein Gestüt umgewandelt, das der erzbischöflichen Pferdezucht diente. Das Gestüt Rif blieb für ein Jahrhundert das Zentrum der Salzburger Pferdehaltung und Pferdezucht. 1687 wurde es durch Fürsterzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein in das Gestüt Nonntal übersiedelt, das direkt vor der Stadt Salzburg lag.
Vom Gestüt zum Sportzentrum
Nach der Verlegung des Gestüts wechselte das Schloss Rif mehrfach den Besitzer, wurde verschiedenartig verwendet, durch einen Brand 1831 massiv beschädigt und danach nicht mehr vollständig aufgebaut. 2003 zog schließlich das Universitäts- und Landessportzentrum ein. Wie in Rif begründete auch im Nonntal Erzbischof Kuen-Belasy die Pferdehaltung. Die erste Stallung im Nonntal wurde in seinem Auftrag bereits 1579 errichtet. Der zwölfjochige Stall mit mächtigen Konglomerat-Säulen ist noch erhalten und wird heute als Wohn- und Bürogebäude genutzt. Das Gut im Nonntal wurde in Laufe der Zeit immer weiter vergrößert und zum hochfürstlichen „Gestütthof“ ausgebaut.
Das große Gestüt im Nonntal
Im heute dicht verbauten Stadtgebiet zwischen der Fürstenallee, der Hofhaymer Allee und der Nonntaler Hauptstraße tummelten sich die Pferde und ihre Weiden reichten bis zur heutigen Alpenstraße. Der Chronist Lorenz Hübner berichtete am Ende des 18. Jahrhunderts über die Pferdezucht in Nonntal. So gab es im Gestüt unter anderem ein Gebäude für Mutterstuten mit 40 Ständen, in dem das Wasser in Rinnen aus Marmor mitten durch den Stall durchgeleitet werden konnte. Ein Stall für 14 Beschälhengste, Stallungen für Dienstpferde und Maulesel, eine Reitschule, Remisen und Scheunen befanden sich ebenfalls auf dem Gestütsgelände, genauso wie die Wohnungen für den Gestütshofmeier und die Rosswärter. Das schönste Wohngebäude des Gutshofes war das des Gestütsmeisters und des Gestütsschmiedes. Das dreigeschoßige Gebäude ist erhalten und trägt heute die Bezeichnung Nonntaler Hauptstraße 58. Nach Ende des souveränen Salzburgs wurde das Gestüt 1806 aufgelassen und diente noch kurz als Kavalleriekaserne, bis auch diese im August 1809 einem Brand zum Opfer fiel.
Das Erbe der Gestüte wirkt bis heute fort
Es gibt heute zwar keine durchgehenden Hengstlinien direkt aus den Gestüten Rif oder Nonntal und keine eigenen Rassen aus rein erzbischöflicher Zucht. Auch haben die damaligen Gestüte keine direkten Nachfolger. Trotzdem prägt die gezielte erzbischöfliche Zucht insbesondere das Noriker-Pferd bis heute ganz entscheidend. Sie entwickelte den Typ, den Körperbau, den Charakter und die Nutzung. Auch die Farben und deren Bezeichnungen stammen aus der Zeit der Erzbischöfe. So etwa die Farbbezeichnung für die Noriker-Rasse „Mohrenkopf“, die die wörtliche Übersetzung des italienischen „capo moro“ ist. So sind auch heute noch die Auswirkungen der Salzburger Zucht in den erzbischöflichen Gestüten besonders bei den Noriker-Pferden zu sehen.