Wie sehr die Milchproduktion unter Hitze leidet
Die vergangenen Sommer haben gezeigt, dass Hitzeperioden häufiger, länger und intensiver werden. Besonders hochleistende Milchkühe reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen, da bei der Verdauung und Milchbildung große Mengen an Wärme entstehen. Kann diese Wärme nicht ausreichend an die Umgebung abgegeben werden, kommt es zu Hitzestress. Die Folgen reichen von Leistungseinbußen bis hin zu gesundheitlichen Problemen und wirtschaftlichen Verlusten.
Ab wann Hitzestress beginnt
Ob eine Kuh unter Hitzestress leidet, hängt nicht nur von der Lufttemperatur ab. Entscheidend ist auch die Luftfeuchtigkeit. Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto schlechter können die Tiere Wärme abgeben. Zur Beurteilung der Belastung wird der sogenannte THI-Wert (Temperatur-Luftfeuchtigkeits-Index) herangezogen. Als kritische Grenze gilt ein THI-Wert von 68. Dieser kann bereits bei rund 22 °C
und einer Luftfeuchtigkeit von 50 bis 60 % erreicht werden. Besonders gefährdet sind hochleistende Kühe sowie Tiere in der Frühlaktation. Durch ihre hohe Stoffwechselaktivität produzieren sie zusätzliche Wärme und reagieren daher empfindlicher auf hohe Temperaturen.
Diese Signale senden Milchkühe
Kühe zeigen bei steigenden Temperaturen verschiedene Verhaltensänderungen. Die Atemfrequenz steigt an und die Tiere versuchen verstärkt Wärme über die Atmung und die Körperoberfläche abzugeben. Typische Anzeichen sind:
- erhöhte Atemfrequenz
- vermehrtes Stehen statt Liegen
- Ansammlungen bei Tränken oder zugigen Stallbereichen
- sinkende Futteraufnahme
- steigende Wasseraufnahme
Die reduzierte Futteraufnahme ist dabei ein Schutzmechanismus der Tiere. Durch die Verdauung entsteht zusätzliche Wärme, weshalb die Kühe bei Hitze weniger fressen. Dies führt jedoch zu einer geringeren Versorgung mit Energie und Nährstoffen.
Auswirkung auf Tiere und Leistung
Die Folgen von Hitzestress werden oft unterschätzt. Bereits wenige heiße Tage können zu deutlichen Leistungseinbußen führen. Durch die geringere Futteraufnahme sinkt die Milchleistung. Gleichzeitig gehen häufig die Fett- und Eiweißgehalte zurück. Auch das Risiko für Stoffwechselstörungen wie Pansenübersäuerungen steigt. Darüber hinaus hat Hitzestress Auswirkungen auf viele weitere Bereiche:
- schlechtere Fruchtbarkeit
- höhere Zellzahlen
- erhöhtes Risiko für Eutererkrankungen
- geschwächte Immunabwehr
- höhere Anfälligkeit für Klauen- und Stoffwechselprobleme
- Oft zeigen sich diese erst ein bis zwei Tage nach der eigentlichen Hitzebelastung.
Ausreichender Luftwechsel essenziell
Die wichtigste Maßnahme gegen Hitzestress ist ein gutes Stallklima. Ziel muss es sein, Wärme und Feuchtigkeit möglichst rasch aus dem Stall zu entfernen und gleichzeitig die Wärmeabgabe der Tiere zu fördern. Bereits bei der Stallplanung spielen große Wandöffnungen, ausreichend dimensionierte Firstöffnungen und die Hauptwindrichtung eine wichtige Rolle. In bestehenden Ställen gewinnen technische Lösungen zunehmend an Bedeutung. Entscheidend ist dabei weniger die Lufttemperatur als vielmehr die Luftgeschwindigkeit direkt an der Kuh. Je höher die Luftbewegung, desto besser können die Tiere Wärme an die Umgebung abgeben.
Webinar zum Thema Hitzestress
Das Online-Seminar „Milderung von Hitzestress im Rinderstall“ mit Ignaz Lintschinger, BEd gibt einen Überblick über verschiedene Möglichkeiten, wie Kühe durch Hitzeperioden gebracht werden können, um so das Mastitisrisiko, Leistungseinbußen und Probleme in der Trockenstehzeit zu verringern. Die Anmeldung erfolgt über das LFI Salzburg.
- Di, 6. Oktober,
- 19.30 bis 22 Uhr
- 1 TGD-Stunde, Fortbildungsmaßnahme Qplus Kuh
Ventilatoren bringen die Kühlung im Stall
Die Erfahrungen der letzten Jahre und zahlreiche Versuche zeigen eindeutig, dass Ventilatoren die wirksamste Maßnahme gegen Hitzestress darstellen. Durch die höhere Luftgeschwindigkeit wird die Wärmeabgabe über die Haut verbessert und die natürliche Kühlung der Tiere unterstützt. Besonders im Bereich der Liegeboxen sollten Luftgeschwindigkeiten von mindestens 2 bis 3 m pro Sekunde erreicht werden. Kühe suchen gezielt Bereiche mit höherer Luftbewegung auf. Dort liegen sie länger und verbringen mehr Zeit mit Wiederkauen. Dies wirkt sich positiv auf Tierwohl, Futteraufnahme, Klauengesundheit und Milchleistung aus. Ein großer Vorteil von Ventilatoren besteht darin, dass keine zusätzliche Feuchtigkeit, wie zum Beispiel bei einer Kuhdusche, in den Stall eingebracht wird. Dadurch bleibt die Kühlwirkung auch bei höheren Luftfeuchtigkeiten erhalten. Außerdem sind Ventilatoren technisch einfach, verursachen vergleichsweise geringe Betriebskosten und bergen kaum Risiken für Eutergesundheit oder Stallhygiene. Für eine optimale Wirkung müssen die Ventilatoren so platziert werden, dass die Luftbewegung direkt bei den Kühen ankommt. Die richtige Anordnung und Ausrichtung ist daher entscheidend. Aus heutiger Sicht bilden Ventilatoren die Grundlage jeder erfolgreichen Hitzestressstrategie. Alle weiteren Kühlsysteme können nur als Ergänzung betrachtet werden.
Wassereinsatz nur mit guter Ventilation
Neben Ventilatoren können auch Wasserkühlsysteme eingesetzt werden. Dabei wird zwischen Kuhduschen und Hochdruckvernebelungsanlagen unterschieden. Bevor jedoch über den Einsatz von Wasser nachgedacht wird, muss sichergestellt werden, dass der Luftwechsel im Stall ausreichend funktioniert. Ansonsten steigt die Luftfeuchtigkeit an und die Situation kann sich sogar verschlechtern. Besonders kritisch sind Luftfeuchtigkeiten über 70 %. Dann verliert die Verdunstungskühlung deutlich an Wirkung. Zusätzlich kann es durch nasse Liegeflächen zu Problemen mit der Eutergesundheit kommen.
Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigt sich, dass in unseren Breitengraden die Kühlung der Kühe in vielen Fällen bereits durch eine gute Ventilation erreicht werden kann. Wassersysteme sollten daher nur gezielt und in Kombination mit einer leistungsfähigen Lüftung eingesetzt werden. Eine einfache Beregnung im Auslauf stellt hingegen meist kein Problem dar. Die Tiere können selbst entscheiden, ob sie das Angebot nutzen möchten oder nicht.
Auch Management macht den Unterschied
Neben baulichen und technischen Maßnahmen trägt auch das tägliche Management wesentlich dazu bei, Hitzestress zu reduzieren:
- ständiger Zugang zu frischem Wasser
- ausreichend viele Tränkeplätze
- Futtervorlage in den kühleren Tagesstunden
- Vermeidung zusätzlicher Belastungen während heißer Nachmittage
- Schattenplätze auf der Weide oder Nachtweide
An heißen Sommertagen kann eine hochleistende Milchkuh deutlich mehr als 150 Liter Wasser pro Tag aufnehmen. Eine ausreichende Wasserversorgung ist daher Grundvoraussetzung für Gesundheit und Leistung.
Kühlstrategie mit System
Hitzestress zählt mittlerweile zu den größten Herausforderungen in der Milchviehhaltung. Die Kombination aus steigenden Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit und hohen Milchleistungen erhöht das Risiko für Leistungsrückgänge und Gesundheitsprobleme deutlich.
Die wichtigste Maßnahme gegen Hitzestress ist eine hohe Luftgeschwindigkeit direkt im Tierbereich. Ventilatoren stellen daher die Grundlage jeder erfolgreichen Kühlstrategie dar. Wassersysteme können ergänzend eingesetzt werden, entfalten ihre Wirkung jedoch nur bei ausreichender Ventilation. Durch eine Kombination aus guter Stalllüftung, richtig eingesetzten Ventilatoren, ausreichender Wasserversorgung und angepasstem Management können die negativen Auswirkungen sommerlicher Hitze deutlich reduziert werden.