Welche Wildtiere prägen die Alpen von morgen? - Berichte und Downloads WÖFA 2026
Die Alpen verändern sich und mit ihnen ihre tierischen Bewohner. Klimawandel, Krankheiten und die veränderte Nutzung unserer Kulturlandschaft stellen Wildtiere, aber auch Landwirte, Jäger und Naturschützer vor neue Herausforderungen. Die entscheidende Frage beim 14. Salzburger Wildökologischen Forum lautete daher nicht, ob Veränderungen stattfinden werden, sondern wie man damit umgehen kann. Anhand einiger Arten wie Schneehase, Schneehuhn, Wolf oder Auerwild zeichnete Klaus Hackländer von der Boku ein Bild über die Gewinner und Verlierer aktueller Entwicklungen im Alpenraum.
Jäger als Gesundheits-wächter im Revier
Besonders im Fokus von Anette Nigsch von der Ages stand die Tuberkulose bei Rotwild und Rindern. Die Forschung zeigt, dass Rotwild derzeit das größte Krankheitsreservoir ist. Solange Rotwild und Weidevieh in Kontakt stehen, wird es weiterhin in Tirol und Vorarlberg zu Fällen kommen. Erfolg in der Bekämpfung verspricht eine Kombination verschiedener Maßnahmen: lokale Reduktion hoher Rotwilddichten, revierübergreifende Zusammenarbeit sowie das rasche Entfernen kranker Tiere. Während Tuberkulose bereits Realität ist, bleibt Österreich bislang von der Afrikanischen Schweinepest verschont. Die Krankheit ist für Haus- und Wildschweine tödlich und kann über Monate in Fleischresten, Blut oder Knochen überdauern. Die Ausbreitung in Europa zeigt deutlich, dass nicht allein Wildschweine dafür verantwortlich sind. Zwar können diese die Krankheit regional verbreiten, die großen Sprünge über Hunderte Kilometer erfolgen jedoch meist durch achtlos entsorgte Lebensmittel. Aufklärung und Vorsorge bleiben daher entscheidend.
Die Bedeutung der Mitwirkung der Jägerschaft wurde im Zusammenhang mit dem Tiergesundheitsmonitoring besonders hervorgehoben. Durch ihre regelmäßige Präsenz im Revier erkennen Jäger Veränderungen im Wildbestand und auffällige oder kranke Tiere oft frühzeitig. Um Krankheiten zu entdecken und möglichst rasch wirksam zu bekämpfen, braucht es jedoch mehr als gute Beobachter: Wissenschaft, Landwirtschaft und Jägerschaft müssen eng zusammenarbeiten.
Gams unter Druck
Kaum ein Wildtier steht so sinnbildlich für die Alpen wie das Gamswild. Es benötigt hochwertige Nahrung, geeignete Rückzugsräume und Möglichkeiten zur Thermoregulation. Wetterextreme nehmen zu und die Lebensraumnutzung verändert unsere Berge. Pia Anderwald vom schweizerischen Nationalpark, einem Wildnisgebiet, berichtete, dass in manchen Regionen der Rotwildbestand oder die Schafhaltung die Verteilung der Gämsen stärker als der Klimawandel selbst beeinflussten. Gleichzeitig gewinnt der Wald als Rückzugsraum an Bedeutung. Er bietet kühlere Bedingungen, führt aber auch zu neuen Herausforderungen im Wald-Wild-Management.
Die Vogelwelt der Alpen im Umbruch
Besonders sensibel reagieren die alpinen Vogelarten auf Veränderungen. Arten wie Alpenschneehuhn, Schneesperling oder Bergpieper sind an die Bedingungen des Hochgebirges angepasst. Doch genau diese Spezialisierung wird nun oft zum Problem. Steigende Temperaturen drängen die Tiere immer weiter nach oben. Gleichzeitig rücken neue Konkurrenten, Fressfeinde und Parasiten nach. Irgendwann ist der Gipfel erreicht, im wahrsten Sinne des Wortes. Sabine Hille von der Boku führte aus, dass offene Lebensräume schrumpften, während die Waldgrenze langsam bergauf wanderte. Während manche Arten flexibel reagieren können, wird es für andere eng. Die Arealverschiebungen sorgen aber auch bei einigen Vogelarten für neue Chancen.
Die Alpen – mehr als Berge
Ein Schlüsselbegriff der Tagung war daher das „Refugium“: Rückzugsräume, die Arten auch künftig das Überleben ermöglichen. Viele dieser Flächen liegen außerhalb bestehender Schutzgebiete. Ihr Erhalt wird eine zentrale Aufgabe der Zukunft sein. Ebenso wichtig bleibt die Bewirtschaftung der Almen. Extensive Almwirtschaft schafft offene Lebensräume, von denen zahlreiche Tierarten profitieren. Gehen Auftriebszahlen zurück, breiten sich Zwergsträucher und Gehölze aus und wertvolle Lebensräume gehen verloren.
Die Botschaft der Tagung war daher eindeutig: Die Herausforderungen sind komplex und einfache Antworten gibt es nicht. Was es braucht, sind wissenschaftliche Grundlagen, funktionierendes Monitoring und vor allem mehr Zusammenarbeit. Denn Naturschutz, Landwirtschaft und Jagd verfolgen letztlich dasselbe Ziel: den Erhalt einer vielfältigen und lebenswerten Alpenlandschaft. Oder, wie es ein Diskussionsteilnehmer treffend formulierte: „Wir müssen nicht gegeneinander kämpfen, sondern miteinander, denn die Zukunft der Alpen kann nur gemeinsam gestaltet werden.“
Downloads zum Thema
- Auswirkungen des Klimawandels auf Gämsen Pia Anderwald PDF 2,38 MBVortrag: Auswirkungen des Klimawandels auf Gämsen_Pia Anderwald
- Auswirkungen des Klimawandels auf Gämsen Pia Anderwald PDF 2,38 MBVortrag: Auswirkungen des Klimawandels auf Gämsen_Pia Anderwald
- Klimawandel Butschek PDF 1,24 MBVortrag: Klimawandel_Butschek
- Rindertuberkulose und andere Krankheiten bei Schalenwild Annette PDF 2,84 MBVortrag: Rindertuberkulose und andere Krankheiten bei Schalenwild_Annette
- Wildtiere im Alpenraum Gewinner und Verlierer Klaus Hackländer PDF 10,66 MBVortrag: Wildtiere im Alpenraum_Gewinner und Verlierer_Klaus Hackländer