Schlechte Zeit traf auch den Hammerwirt
Der Hammerwirt in Untertauern war die letzte Station am Fuße des Tauernüberganges, als der Weg mit Fuhrwerken und zu Fuß noch eine Tagesreise war.
Beliebte Einkehrstation
Der Gasthof war Poststation und Herberge zugleich. Hier hielt jeder Postwagen. Die Post hielt auch dann noch, als sie motorisiert über die Anhöhe fuhr. Für die Viehhändler war der Wirt eine beliebte Einkehrstation, weil hier die Tiere gefüttert und getränkt werden mussten, bevor es den 30 Kilometer langen Weg zwischen Untertauern und Tweng wieder weiterging.
Herberge für Arbeitsuchende
Als die schlechte Zeit über das Land kam, wurde das Stallgebäude geteilt und die Landesregierung mietete es als Herberge an für die vielen Arbeitsuchenden, die über das Land wanderten. Im Stall wurden 30 Strohsäcke und Decken eingerichtet und es gab auch eine Heizgelegenheit. Der Wirt war zugleich Herbergvater. Für jeden, der hier ankam und Papiere vorweisen konnte, gab es eine Knödelsuppe mit einem großen Knödel, zwei Stück Schwarzbrot und Kaffee. Nach einem Tag musste der Wanderer wieder weiterziehen, so war es vorgeschrieben.
Tüchtiger Vater
Rupert Kocher, der nachmalige Altwirt, war eines von zehn Kindern der Familie. Aus der ersten Ehe stammen fünf Kinder; die Mutter ist während des Ersten Weltkrieges gestorben und so musste der Witwer ein zweites Mal heiraten; es kamen wieder fünf Kinder zur Welt. Der Vater von Rupert Kocher war tüchtig. Neben dem ursprünglichen Hof kam ein weiterer und der Gasthof dazu. Bewirtschaftet wurden alle drei. Dabei mussten die Kinder bereits kräftig zupacken und auch im Winter eine Stunde Fußmarsch hinnehmen. Später kamen noch zwei Almen dazu.
Hartes Los alter Dienstboten
Hatte ein Bauer Dienstboten, so kamen diese natürlich auch in eine bestimmtes Alter, in dem sie nicht mehr so arbeitsfähig waren, und sie mussten sich umsehen, wie sie weiter zu leben hatten, ohne viel zu arbeiten. Die Dienstboten hatten im Alter so lange zu arbeiten, bis sie nicht mehr konnten. Pension gab es keine. Oft kam es auch vor, dass sich ein alter Dienstbote mit seinem Ersparten bei einem Bauern einkaufte. Der Bauer hatte ihn dann bis zu seinem Tod zu verpflegen und erbte dessen weniges Hab und Gut. Es soll auch vorgekommen sein, dass die alten Dienstboten mit sehr fettem Essen verköstigte wurden. Die alten Menschen hatten zeit ihres Lebens nicht so fett gegessen, erkrankten und starben.
"Umgeher" durften nicht am Tisch mitessen
Auch das sogenannte Umgehen oder Anlegen war der Brauch. Die alten Dienstboten wechselten von Hof zu Hof, wo sie immer für einige Wochen versorgt werden mussten. Die Umgeher durften nicht am Tisch mit den anderen essen, sondern hatten alleine an einem Klapptisch zu essen. Auch ein extra Besteck und ein separates Bett gab es für die Umgeher an jedem Hof.