Noch nie war es im Frühling so trocken
Vergangene Woche wurden im Salzburger Flachgau heuer erstmals die Mähwerke für die Silage- und Heuernte gestartet. Die Bilanz fällt allerdings ernüchternd aus, wie der Vizepräsident der LK Salzburg, Josef Braunwieser, bestätigt: „Die Trockenheit hat dazu geführt, dass die Bestände weniger dicht sind. In den vergangenen Tagen hat auch das Wachstum nachgelassen, was viele Betriebe dazu bewogen hat, die Mahd vorzuziehen.“ Der Betrieb von Braunwieser liegt nördlich der Stadt Salzburg, so wie ihm wird es aber heuer vielen Betrieben im gesamten Bundesland gehen. Laut GeoSphere Austria war der April, vom Pongau bis zum Flachgau, in Oberösterreich, in der nördlichen Obersteiermark und im Mostviertel sowie in Osttirol und Oberkärnten um 50 bis 70 % niederschlagsärmer.
„Im Rheintal, dem Tiroler Unterland, im Pinzgau, Lungau, in Unterkärnten, in der Steiermark entlang und südlich von Mur und Mürz, im Burgenland sowie in Wien und weiten Teilen Niederösterreichs waren die Niederschlagsdefizite mit –70 bis –85 % besonders hoch“, bilanziert Klimatologe Alexander Orlik. An manchen Orten fielen nicht einmal 15 % der Regenmenge, die in einem April im Mittel zusammenkommt.
Starkes Hochdruckgebiet
Der Grund dafür ist ein dominierendes Hochdruckgebiet, das sich im April sowohl gegen atlantische Tiefdrucksysteme als auch Mittelmeertiefs durchsetzte, und so fiel landesweit sehr wenig Regen und Schnee. Da von Salzburg bis zum westlichen Niederösterreich sowie von Osttirol bis ins Südburgenland bereits im März kaum Niederschlag fiel, hat sich hier die Trockenheit durch die milden Temperaturen und die niedrige Luftfeuchtigkeit nochmals deutlich verschärft. Im Österreichmittel summierte sich in den ersten beiden Frühlingsmonaten des Jahres 2026 gegenüber dem Klimamittel 1991 bis 2020 um 63 % weniger Niederschlag. Seit dem Beginn der historischen Niederschlagsmessreihe im Jahr 1858 fiel in diesen beiden Monaten zusammen noch nie so wenig Niederschlag.
Die Hoffnung auf ergiebige Niederschläge ist derzeit gering. Sollte es weiterhin so trocken bleiben, müssten sich die Landwirte auf deutliche Ertragseinbußen einstellen, schildert LK-Vizepräsident Josef Braunwieser im „Salzburg-heute“-Interview.
Hitzewellen nehmen zu
Extreme Hitzeereignisse haben in den letzten fünfzig Jahren deutlich an Häufigkeit, Intensität und Dauer zugenommen. Das bedroht weltweit Ernteerträge und Tierbestände und damit die Lebensgrundlage und Gesundheit von über einer Milliarde Menschen. Zu diesem Befund kommt ein aktueller Bericht, der jetzt von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) vorgelegt wurde.
Intensive Hitzeereignisse verengten die „thermische Sicherheitsmarge“, auf die Arten für biologische Prozesse angewiesen seien, beispielsweise die Photosynthese oder die zelluläre Regeneration, heißt es in der Studie. Bei den häufigsten Nutztierarten beginne der Stress bei über 25 ° Celsius, bei Hühnern und Schweinen sogar etwas früher. Oberhalb dieser Schwelle begännen Tiere zu leiden. Extreme Hitze fordere aber auch den Menschen, insbesondere landwirtschaftliche Arbeitskräfte. Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit, mit wirksamen Instrumenten gegen Hitzebelastungen vorzugehen.