Mit Mut und Überzeugung zurück zur Milch
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Die Betriebsausrichtungen beim Unterholzbauer haben sich in den vergangenen 25 Jahren stets verändert. Matthias und Renate Winkler blicken auf ereignis- und lehrreiche Jahre zurück. Die Gegenwart und die künftige Ausrichtung des Betriebs haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit.
Die Betriebsführer übernahmen 1997 den elterlichen Hof von Matthias. Aufgrund der Betriebsgröße wurde er schon damals im Nebenerwerb geführt. Die Milchviehzucht im alten, sanierungsbedürftigen Stall verlangte großen Aufwand. Deshalb stellte man zunächst auf Mutterkuhhaltung um. 2002 verließ die letzte Kuh den Betrieb und man stieg auf Schafhaltung um. Nachdem Sohn Samuel seine Lehre als Landmaschinenmechaniker und den Präsenzdienst abgeschlossen hatte, kam er kurz nach dem Abrüsten nach Hause: „So, jetzt bin ich da – wir packen an. Wir werden wieder Milchbauern.“ Das war die Geburtsstunde der Neuausrichtung des Betriebes.
Nach 20 Jahren Schafhaltung wurden im März 2022 20 Jersey-Kälber gekauft, die 2024 in den neuen Stall einzogen. „Die kleinrahmige Rasse, die mit ihren Milchinhaltsstoffen punktet, überzeugte uns von Anfang an“, so Matthias. Knapp 27 Monate später leitete die erste Kalbung das neue Zeitalter am Unterholzhof ein. Bei der Auswahl der Stiere setzt man auf genetische Hornlosigkeit und gesextes Sperma. Die Kälber werden drei Monate mit Milch getränkt.
In der Planungsphase des Stalles standen „Erschwinglichkeit“ und „Tierwohl“ ganz oben. Eine einfache Pultdachbauweise schafft eine große Dachfläche für die Dachabsaugung der 7,5-kW-Rundballen-Heubelüftung. Zugleich nutzt man das Altgebäude weiter: Dort befinden sich der 2x3er-Fischgrätenmelkstand und die Jungviehaufzucht. Schiebefenster und Curtains sorgen für gute Luftzufuhr und Helligkeit in den Stallungen.
Kleine Eier mit alternativem Eiweiß
Weil Renate und Tochter Tanja Hühnereiweiß nicht vertragen und ein befreundeter Arzt die Vorteile von Wachteleiern hervorhob, kam 2019 ein weiterer Betriebszweig hinzu.
Rund 150 Tiere werden in drei Gruppen gehalten. Die Vermarktung erfolgt ab Hof und in ausgewählten Bio-Läden in der Umgebung. „Jetzt dürfen wir behaupten, dass es ein Selbstläufer ist – aber am Beginn war die Vermarktung wirklich eine Herausforderung“, sagt Renate, die beim Geflügel ihre Leidenschaft fand. Wachteleier gelten als verträglicher und decken einen großen Teil der essenziellen Aminosäuren ab. Zudem produzieren die Tiere hochwertigen Geflügelmist.
„Unser Antrieb ist, alternative Lebensmittel zu erzeugen, die für die Leute leicht verträglich sind, und zugleich die natürlichen Kreisläufe zu schätzen“, beschreiben die Bauersleute und fügen hinzu: „Ein einfaches ‘Danke’ an die Tiere, sobald wir den Stall verlassen, übermittelt ihnen unsere Wertschätzung.“
Jungbauer Samuel steht erst am Anfang und ist voller Tatendrang: „Mit dem Stallbau und der Neuausrichtung wurde der erste Eckpfeiler gesetzt. Früher oder später werden eine Maschinenhalle und ein neues Wohnhaus realisiert werden.“
Betriebsspiegel
Familie: Matthias Winkler (52), Betriebsführer, Landwirtschaftsmeister; Renate (50), gel. Drogistin, Kräuter- und Erlebnispädagogin; Samuel (23), Landmaschinenmechaniker; Tanja (28), Medizinstudentin; Rafael (11); Ehrentraud Mühltaler (22), Freundin von Samuel, Volksschullehrerin; Altbäuerin Stephanie (84)
Betrieb: Bio-Milchviehzucht mit Wachteleiervermarktung; 13 ha mehrmähdiges Grünland, 2 ha Feldfutter; 2,5 ha Wald; Vieh: 22 Milchkühe (6.000 kg Durchschnitt, 5,6 Fett und 4,2 Eiweiß) mit Nachzucht, 7 Kalbinnen, 150 Wachteln; Mitglied bei LKV, Naturland und BioAustria
Adresse: Familie Winkler, Halberstätten 16, 5201 Seekirchen, Tel. 0699/11060627, E-Mail: underwood.samuel.sw@gmail.com