Krauternte beschließt trockene Gemüsesaison
Die Krauternte markiert den Abschluss eines Jahres, das den Gemüsebauern heuer einiges abverlangte. Derzeit wird am Betrieb von Sebastian Oberholzner, Stadlerbauer, das Walser Kraut geerntet. Die traditionsreiche Sorte wird hier seit Generationen vermehrt und weiterentwickelt. Insgesamt wachsen am Betrieb rund 50 verschiedene Gemüsearten und -sorten. „Es ist überall weniger Ernte, aber das, was wir haben, hat gute Qualitäten“, zieht Oberholzner Bilanz.
Bewässern war täglich Brot
Die größte Herausforderung war eindeutig die Trockenheit. Zwar verfügt der Betrieb bereits über eine gut ausgebaute Bewässerungsinfrastruktur, doch selbst diese stieß heuer zeitweise an ihre Grenzen. „Mit unserem Brunnen sind wir lange ausgekommen. Irgendwann war dieser aber auch leer“, berichtet Oberholzner. In weiterer Folge musste auf Gemeindewasser zurückgegriffen werden. Besonders bei Salaten zeigte sich die extreme Witterung. Trotz intensiver Beregnung konnten einzelne Pflanzsätze nicht ausreichend versorgt werden und fielen aus. Neben Ernte, Pflegearbeiten, Pflanzungen und Aussaaten beanspruchte die Bewässerung täglich viele zusätzliche Arbeitsstunden. „Der Arbeitseinsatz war heuer um ein Vielfaches höher. Die Bewässerung verursachte rund ein Drittel mehr Arbeitsaufwand als in normalen Jahren“, schildert Oberholzner. Für die Zukunft werde der Ausbau der Wasserversorgung zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Sebastian Oberholzner, Stadlerbauer in Wals:
Wetterdaten mit klarer Sprache
Mit Blick auf die Wetterdaten zeigt sich die außergewöhnliche Situation deutlich. Während in Wals normalerweise rund 1.014 Millimeter Niederschlag pro Jahr fallen, wurden heuer bislang lediglich
662 Millimeter gemessen. Gleichzeitig lag die Wärmesumme mit 2.368 deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 2.099. Die Kulturen waren damit einer doppelten Belastung ausgesetzt: weniger Wasser und höhere Verdunstung.
Kartoffeln deutlich unter den Erwartungen
Besonders spürbar waren die Auswirkungen bei den Kartoffeln. Die Erträge liegen vielfach rund ein Drittel unter dem langjährigen Durchschnitt. „Die Mengen fehlen eindeutig, die Qualitäten sind aber zufriedenstellend“, heißt es aus den Betrieben. Anders präsentiert sich die Situation bei der Süßkartoffel. Die wärmeliebende Kultur profitierte von den heißen Sommermonaten und entwickelte sich an vielen Standorten sehr gut. „Die Süßkartoffeln sind heuer ausgezeichnet gewachsen“, berichtet Bernhard Hauthaler vom Moahausbauer. Die Nachfrage nach dem Gemüse steigt seit Jahren kontinuierlich an.
Auch Sellerie reagierte empfindlich auf die Trockenheit. Für eine gute Knollenentwicklung benötigt die Kultur ausreichend Wasser. Entsprechend kleiner fielen die Knollen aus.
Positiv wirkte sich die trockene Witterung bei Pilzkrankheiten und Schneckenfraß aus. Sie spielten heuer eine deutlich geringere Rolle als in niederschlagsreichen Jahren. Aufmerksam bleiben mussten die Gemüsebauern dennoch. Vor allem Weiße Fliege, Blattläuse und Thripse traten stellenweise auf und machten Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich.
Die Situation bleibt angespannt
Die Trockenheit führte bei zahlreichen Kulturen zu Mindererträgen und verursachte einen enormen Arbeitsaufwand. Gleichzeitig können die Gemüsebauern mit den Qualitäten zufrieden sein. Ganz entspannt blickt man dennoch nicht auf die kommenden Monate. „Auch wenn es sich durch die kühleren Temperaturen nicht mehr so anfühlt: Wir brauchen jetzt dringend Niederschläge. Die Brunnen müssen sich wieder füllen. Die Trockenheit ist noch nicht vorbei“, betont Oberholzner. Zwar brachte der Herbst zuletzt etwas Entlastung, seit Anfang September fielen in Wals jedoch lediglich 118 mm Niederschlag. Für eine nachhaltige Entspannung der Situation reicht das nicht aus.
Mit der Krauternte endet die Saison auf den Feldern. Die Sorge um Wasser begleitet die Landwirte jedoch auch über den Winter hinaus.