Kirschen: Die rote Verführung aus heimischen Gärten
Die Magie beginnt bereits im Frühling, wenn sich die Bäume in einen weißen Blütenschleier hüllen. Sobald die ersten reifen Kirschen leuchten, ist eindeutig der Sommer angekommen. Die Kirsche zählt zu den ältesten und beliebtesten Kulturfrüchten der Menschheit. Wildkirschen existierten bereits in der Jungsteinzeit. Schon Griechen und Römer schätzten die aromatischen Früchte und förderten ihren Anbau. Bis ins ausgehende Mittelalter wurden Kirschbäume hauptsächlich nur in den Gärten von Adeligen, Fürsten und Klöstern kultiviert. Heute gehören Kirschen weltweit zu den beliebtesten Steinobstarten.
In Japan wird die Kirschblüte alljährlich mit großen Festen gefeiert, da sie als Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens gesehen wird. Auch der traditionelle „Barbarazweig“, der am 4. Dezember geschnitten wird und bis Weihnachten aufblühen soll, ist ein Kirschzweig und gilt als Glücksbringer. Zudem wird die Kirsche in zahlreichen Mythen, Legenden, Liedern und Gedichten wegen ihrer Sinnlichkeit und ihres besonderen Aromas gepriesen. Kirschen gehören zur Familie der Rosengewächse, zählen zum Steinobst und sind in unseren Breiten beliebte Obstbäume im Garten oder als landwirtschaftliche Obstkultur weit verbreitet. Ihr exklusiver Geschmack macht sie zu einer einzigartigen Frucht, die auf allgemeine Wertschätzung stößt und jedes Jahr ungeduldig erwartet wird. Die Palette der süßen Pracht reicht von groß, prall und fast schwarz bis hin zu ganz hell und leuchtendem Rot. Erst seit Ende des 18. Jahrhunderts unterscheidet man zwischen Süß- und Sauerkirschen. Süßkirschen werden wiederum in Herz- und Knorpelkirschen unterteilt. Sie sind wegen ihres geringeren Säuregehaltes ein beliebtes Tafelobst und am besten zum Rohessen geeignet. Sauerkirschen hingegen werden in Weichseln und Morellen unterteilt. Weichseln lassen sich vielseitig verwenden und harmonieren als i-Tüpfelchen zu Enten-, Leber- und Wildgerichten. Die berühmteste Sauerkirsche ist wohl die rubinrote Schattenmorelle, die einen viel höheren Säuregehalt als ihre süße Schwester aufweist.
Kleine Früchte mit großem Wert
Die leuchtend roten bis dunkelvioletten Früchte sind nicht nur optisch attraktiv, sondern auch ernährungsphysiologisch wertvoll. Sonnengereifte delikate Früchte aus heimischem Anbau bestehen zum Großteil aus Wasser, sind kalorienarm und enthalten wertvolle Nährstoffe. Neben Vitamin C liefern sie Kalium, Kalzium, Eisen, eine gehörige Portion an Folsäure und viele sekundäre Pflanzenstoffe.
Egal ob man Kirschen selber pflückt oder am Markt kauft, es sollte immer darauf geachtet werden, dass die Stiele noch an der Frucht sind, ansonsten bluten sie aus und verderben rasch. Da Kirschen nur am Baum vollständig ausreifen, entwickeln sie dort ihr volles Aroma. Kurzfristig lassen sich Kirschen gekühlt aufbewahren. Für eine längere Haltbarkeit eignen sich diese Sommerfrüchte gut zum Einfrieren und Einkochen.
Ein echter Allrounder
Nicht nur gesundheitlich kann die Kirsche punkten, auch die Vielzahl der Verwendungsmöglichkeiten überzeugt. Sehr delikat munden Mehlspeisen mit Sauerkirschen im Belag oder in der Fülle. Feinschmecker haben hochprozentigen Kirschen- und Weichselschnaps, Sekt und Likör aus diesen Früchten für sich entdeckt. Was wäre mancher Cocktail ohne kandierte Kirschen? Kirschen, angesetzt in Essig oder Öl, werten jeden Salat auf. Letztendlich findet sich die Kirsche natürlich als Geschmacksstoff in verschiedensten Lebensmitteln wieder, angefangen in Pasteten, Speiseeis, Fruchtjoghurts bis hin zu Süßwaren. Nicht nur die Frucht selbst findet Verwendung, auch Kirschkerne haben ihre Berechtigung. Sie speichern Wärme besonders gut und werden im Kirschkern-Sackerl genutzt. Ein Tee aus den Stielen der Kirschen kann Husten lindern. Auch das Holz der Kirsche erfreut sich in der Möbelindustrie, bei Bildhauern und im Instrumentenbau großer Beliebtheit.
Kirschenmichel
- 250 g altbackenes Brot oder Brioche
- 400 ml Milch
- 500 g Kirschen
- 100 g Butter
- 100 g Zucker, Zitronenschale
- Vanillezucker
- 4 Dotter/Schnee
- Zimt
- gehobelte Mandeln zum Bestreuen
Zubereitung
Das Backrohr auf 180 Grad vorheizen. Die Milch in einem kleinen Topf erwärmen, bis sie lauwarm ist. Das Brot oder Brioche in kleine Stücke schneiden, mit der warmen Milch übergießen und kurz ziehen lassen. Butter mit Zucker und den Aromaten schaumig rühren. Das eingeweichte Brot gut ausdrücken und die Kirschen untermischen. Eiklar zu steifem Schnee schlagen und unterheben. Die Masse in eine feuerfeste Auflaufform geben und ca. 30 Minuten backen. Vor dem Servieren mit etwas Staubzucker bestreuen und am besten noch lauwarm genießen.
Reisauflauf mit Kirschen
- 200 g Risottoreis
- 200 ml Wasser
- Abrieb einer Bio-Zitrone
- 2 EL Vanillezucker
- 1 EL Zucker
- ½ TL Zimt
- 300 ml Milch
- 1 Becher Sauerrahm
- 3 Eier, 2 EL Vanillepuddingpulver
- etwas Backpulver
- evtl. gehackte Mandeln
- 500 g Kirschen
- 1 TL Butter
- Staubzucker zum Bestreuen
Zubereitung
Den Reis waschen und mit Wasser und Milch, Zitronenabrieb, Vanillezucker, Zucker, Zimt und einer Prise Muskat zum Kochen bringen und zugedeckt 20 Minuten köcheln und anschließend den Reis ca. 30 Minuten zugedeckt ohne Hitze weichziehen lassen. Währenddessen eine Auflaufform mit Butter ausstreichen. Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen. Sauerrahm und Dotter gut verrühren und den Reis mit dieser Masse mischen. Steifen Eischnee, Puddingpulver mit Backpulver mischen und Kirschen unter die Masse heben. Den Teig in die Form geben, mit Mandelblättern bestreuen und den Auflauf bei 180 Grad ca. 45 Minuten backen. Am besten mit Staubzucker bestreut servieren.
Fruchtiger Salat mit Kirschenessig
Blattsalate nach Belieben, Paradeiser, Melone, Kirschen, Gurke und einige Heidelbeeren mittig auf einem Teller schön anrichten. Mit einem Dressing aus Kirschessig, Kräutersalz, Öl und Honig beträufeln und mit Olivenöl abschmecken. Dazu passt eingelegter Käse besonders gut.