Kalbinnenaufzucht gepaart mit Pferdestärken: Voglfranzlgut in Salzburg
„Die Rinderhaltung am Hof sollte weiter Bestand haben und im Nebenerwerb alleine bewältigbar sein. Eine hohe Investitionssumme für einen großen Um- oder Neubau in die Hand zu nehmen, kam nicht infrage. Nachdem wir die verschiedenen Optionen sondiert hatten, entschieden wir uns für die Kalbinnenaufzucht – und das hat sich ausgezahlt!“, resümieren Katharina und Wolfgang Bartik ihre Entscheidungsfindung rund um den Fortbestand der aktiven Landwirtschaft am elterlichen Hof von Wolfgang. Aufgrund der beengten Hoflage, direkt an der Moosstraße in der Stadt Salzburg, und des nur mit großem Aufwand bewältigbaren Umbaues der alten Stallungen entschieden sich die Landwirte 2019 für die Umstellung von Milch- auf Mastvieh.
Mitten in der Coronazeit entstand im bestehenden Stall eine große Tiefstrohfläche, die für zwei Jungviehgruppen abgeteilt werden kann. Die Eckpfeiler in der Planungsphase galt der dauernden Bewegungsfreiheit im Stall und im Auslauf bzw. eines hohen Liegekomforts. „Mit viel Eigenleistung, Familienzusammenhalt und geringem Wareneinsatz beziffert sich der Umbau auf rund 20.000 Euro“, beschreibt Wolfgang.
Anstatt Einzeltiere von verschiedensten Betrieben zusammenzuholen, kommen die Kälber von nahe gelegenen Betrieben. Da sich die Kälber bereits im Heimatbetrieb zusammengewöhnt haben, ist das Gruppenverhalten von Beginn an harmonischer und homogener, wodurch auch der Krankheitsdruck (Stichwort: Kälberflechte) geringer ist. „Seit unserer Neuausrichtung brauchten wir erst zweimal den Tierarzt“, berichtet Katharina stolz, die bei der Aufzucht viel auf Homöopathie setzt, und fügt hinzu: „Das ist der Beweis, dass wir den Umbau tierwohlgerecht umgesetzt haben und fitte, vitale Jungtiere aufziehen! “
Die kurzen Transportwege des Viehs spiegeln sich auch bei der Fütterung wider. Neben Grassilage und Heu erhalten die Tiere gehäckselte Kartoffeln, Karotten und Rote Rüben. Das frische Gemüse, das nicht für den Marktverkauf bestimmt ist, kommt direkt von Katharinas Geschwistern, die beide einen Gemüsebaubetrieb führen.
Im Alter von ca. 22 Monaten verlassen die Jungrinder den Betrieb. Jährlich werden drei Jungrinder direktvermarktet, die restlichen werden an einen Metzger verkauft. „Aufgrund der Stadtnähe bot sich die Direktvermarktung mit Frischfleisch bei uns sehr gut an. In den meisten Fällen ist das gesamte Fleisch schon vor der Schlachtung reserviert“, erklärt Katharina.
Überbetriebliche Lohnarbeit über dem Maschinenring stellt die zweite Einkommenssäule dar. Wolfgang verbringt jährlich hunderte Stunden mit Mähen, Schwaden, Ballenpressen und dem Winterdienst auf seinen Traktoren.
„Alleine schafft man nichts – nur gemeinsam kann man Erfolg erreichen“, lautet die Philosophie, die die beiden Landwirte verfolgen. So hilft man sich gegenseitig sowohl arbeitstechnisch als auch betriebswirtschaftlich innerhalb der Familie.
Betriebsspiegel
Familie: Wolfgang Bartik (46), Betriebsführer, landw. Facharbeiter, überbetriebliche Lohnarbeit über Maschinenring, gel. Schlosser; Katharina (44), hauswirtschaftliche Facharbeiterin, Angestellte
bei Gemüsebau Kracherbauer (Heimatbetrieb), gel. Gärtnerin; Laura (17); Wolfgang jun. (14); Altbauern Renate (72), Günter (73) und Marianne (94)
Betrieb: Kalbinnenaufzucht/ -mast im Nebenerwerb mit Direktvermarktung und Lohnunternehmung; Fläche: 5,5 ha mehrmähdiges Grünland (davon 2 ha gepachtet), 0,4 ha Streuwiese; Vieh: 10 Kalbinnen (Fleckvieh, und Fleckvieh x Rotbunt)