Grünlandbestände rechtzeitig weiterentwickeln
Längere Trockenphasen stellen Grünlandbestände zunehmend auf die Probe. Für Grünlandbetriebe ist es deshalb entscheidend, Lücken frühzeitig zu erkennen und den Pflanzenbestand standortgerecht weiterzuentwickeln. Eine gezielte Nachsaat kann die Ertragsstabilität und Futterqualität unterstützen. Voraussetzungen dafür sind die passende Saatgutmischung, eine sorgfältige Vorbereitung und ausreichend Bodenfeuchtigkeit.
Trockenheit zeigt Schwächen im Bestand
Besonders auf Wiesen mit hoher Nutzungsintensität werden die Folgen trockener Sommer rasch sichtbar. Weniger anpassungsfähige Gräser gehen zurück, Lücken entstehen und unerwünschte Pflanzen können sich ausbreiten. Damit sinkt nicht nur die Leistungsfähigkeit des Bestandes. Auch die Zusammensetzung und Qualität des Grundfutters können sich verändern.
Eine Nachsaat sollte jedoch nicht als Einzelmaßnahme betrachtet werden. Vor der Auswahl des Saatguts ist zu klären, warum der Bestand lückig geworden ist. Mögliche Ursachen sind Trockenheit, Auswinterung, Fahr- und Trittschäden, eine zu tiefe Nutzung oder Bodenverdichtungen. Werden diese Ursachen nicht beseitigt, bleibt der Erfolg einer Nachsaat meist begrenzt.
Gräserarten gezielt kombinieren
Bei der Zusammenstellung einer Saatgutmischung kommt es nicht nur auf einen raschen Aufgang an. Gefragt sind Pflanzenarten, die zur Nutzungsintensität, zur Wasserversorgung und zum Standort passen.
Wiesenschweidel und spät schossendes Knaulgras können mit trockeneren Sommerphasen vergleichsweise gut umgehen und wertvollen Aufwuchs liefern. Deutsche Weidelgräser unterstützen eine rasche Bestandesentwicklung und tragen zu einem schmackhaften, hochwertigen Grundfutter bei. Ein entsprechender Rotkleeanteil ergänzt die Gräser und bringt zusätzliches Eiweiß in das Futter.
Durch seine tieferen Wurzeln kann Rotklee Wasser- und Nährstoffreserven aus tieferen Bodenschichten erschließen. Gleichzeitig bindet er Luftstickstoff. Damit kann er einen wertvollen Beitrag in leistungsfähigen Grünlandbeständen leisten.
Nutzung mit Mischung abstimmen
Eine trockenheitsverträglichere Mischung ist keine Garantie für stabile Erträge bei ausbleibendem Niederschlag. Sie kann jedoch die Sicherheitsreserve eines Bestandes erhöhen. „Trockenheitsverträglich bedeutet eine höhere Sicherheitsreserve, aber nicht Unabhängigkeit vom Niederschlag. Bei trockenheitsverträglichen Mischungen muss ein gewisser Kompromiss zwischen Futterwert und Trockenheit gefunden werden“, so Maximilian Hirscher vom MR-Flachgau. Entscheidend bleibt das Zusammenspiel von Saatgut, Standort und Bewirtschaftung.
Gerade bei vier bis sechs Schnitten pro Jahr müssen Wasserversorgung, Düngung und Nutzungsführung aufei-
nander abgestimmt sein. Wird ein Bestand sehr häufig oder zu tief genutzt, geraten auch ausdauernde Arten unter Druck. Eine angepasste Schnitthöhe, eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung und das Vermeiden von Bodenverdichtungen sind deshalb wesentliche Bestandteile einer langfristigen Grünlandstrategie.
Nachsaat braucht offene Bestände
Saatgut benötigt Licht, Wasser, Platz und direkten Bodenkontakt. In einer dichten oder stark verfilzten Altnarbe haben junge Keimlinge kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Eine Nachsaat ist daher vor allem dort sinnvoll, wo tatsächlich Lücken vorhanden sind und wertvolle Futtergräser fehlen.
Vor der Saat sollte der Altbestand kurz genutzt werden. Filz und abgestorbenes Material sind zu entfernen oder mit geeigneter Technik zu öffnen. Das Saatgut wird flach abgelegt und muss einen sicheren Bodenschluss erhalten. Abhängig vom eingesetzten Verfahren kann anschließendes Walzen den Bodenkontakt verbessern.
Nach dem Auflaufen darf die bestehende Narbe die jungen Pflanzen nicht überwachsen. Ein rechtzeitiger Schröpfschnitt beziehungsweise eine frühe Folgenutzung verringern den Konkurrenzdruck. Auch übermäßige Stickstoffgaben unmittelbar nach der Saat sind zu vermeiden, da sie vor allem das Wachstum der Altnarbe fördern können.
Bodenfeuchtigkeit ist der Faktor
Ende August und im September bieten sich häufig geeignete Bedingungen für die Nachsaat. Zunehmend taunasse Nächte können die Keimung unterstützen. Entscheidend ist jedoch nicht ein fixes Datum, sondern die tatsächlich vorhandene Bodenfeuchtigkeit.
Die Saat sollte möglichst vor einer verlässlichen Niederschlagsphase erfolgen. In vollständig ausgetrockneten Boden zu säen, erhöht das Risiko, dass das Saatgut nicht oder nur ungleichmäßig keimt. Je nach Standort, Witterung und Zustand des Bestandes kann auch das Frühjahr ein geeignetes Zeitfenster darstellen.
Standortgerechte Mischungen
Mit „MR-Klimafit-intensiv“ und „MR-Klimafit-mittelintensiv“ hat der Maschinenring Flachgau zwei Saatgutmischungen für leistungsfähige Grünlandflächen zusammengestellt. Die Mischungen berücksichtigen unterschiedliche Nutzungsintensitäten und verbinden ausdauernde Gräser mit einem erhöhten Rotkleeanteil.
Welche Mischung für eine Fläche geeignet ist, sollte immer anhand des Standorts, des bestehenden Pflanzenbestandes und der geplanten Nutzung beurteilt werden. Bei besonderen Anforderungen können auch individuelle Mischungen sinnvoll sein.
Stabile Grünlandbestände entstehen nicht durch eine einzelne Maßnahme. Entscheidend ist die Kombination aus standortgerechter Nachsaat, angepasster Nutzung, bedarfsgerechter Düngung und bodenschonender Bewirtschaftung.
Wer Lücken rechtzeitig erkennt, ihre Ursachen beseitigt und die Nachsaat fachgerecht durchführt, verbessert die Voraussetzungen für dichte Bestände und hochwertiges Grundfutter. Damit wird das Grünland Schritt für Schritt widerstandsfähiger gegenüber heißen und trockenen Sommerphasen.