Grüner Daumen wurde vererbt
„Gartenschläuche gesucht“, lautete kürzlich ein Aufruf des Obst- und Gartenbauvereins Saalfelden. Der Verein hat eine Streuobstwiese mit alten Obstbäumen gepachtet und dort zehn junge Bäume gepflanzt. Diese brauchen an heißen Tagen viel Wasser, weshalb Schläuche zum Befüllen der Wassersäcke benötigt wurden. „So eine Wiese bietet eine hohe biologische Vielfalt und uns ist es ein Anliegen, die alten Obstbäume zu erhalten“, betont Obfrau Anneliese Reiffenstuhl.
Paradies für Tiere
Die Diplomkrankenschwester hat ihre Leidenschaft fürs Gärtnern vom Vater geerbt. Er war ihr Vor-Vorgänger im Verein und Gemeindegärtner in Saalfelden. Schon als Kind durfte sie in eigenen Gartenbereichen experimentieren. Heute betreuen sie und ihr Mann Michael einen eigenen schönen Garten mit Naturteich. Hier tummeln sich nicht nur Fische und Kröten, sondern auch Ringelnattern, die sehr willkommen sind.
„Der ganze Garten ist ein Paradies für unzählige Tierarten, das jedes Jahr mehr verwildert“, freut sich Anneliese. Biologische Bewirtschaftung ist ihr besonders wichtig. Sie engagiert sich für die Stärkung natürlicher Stoffkreisläufe, etwa durch die Verwendung von eigenem Kompost, das Häckseln von Strauchschnitt zum Mulchen der Beete sowie den Einsatz effektiver Mikroorganismen und Schafwolle als organische Dünger.
„Der ganze Garten ist ein Paradies für unzählige Tierarten, das jedes Jahr mehr verwildert“, freut sich Anneliese. Biologische Bewirtschaftung ist ihr besonders wichtig. Sie engagiert sich für die Stärkung natürlicher Stoffkreisläufe, etwa durch die Verwendung von eigenem Kompost, das Häckseln von Strauchschnitt zum Mulchen der Beete sowie den Einsatz effektiver Mikroorganismen und Schafwolle als organische Dünger.
Umdenken im Verein
Der Obst- und Gartenbauverein in Saalfelden hat eine lange Tradition: Gegründet 1902, gibt es heute mehr als tausend Mitglieder, Anneliese ist seit sieben Jahren die Obfrau. Die Naturliebhaberin konnte seither bei den Mitgliedern ein Umdenken beobachten. „Ihre Einstellung hat sich geändert. Viele merken etwa, dass die ökologisch wertlosen Thujen die Hitze nicht vertragen, während heimischer Liguster eine schöne, natürliche Hecke bildet. Immer mehr Gartenbesitzer lassen jetzt auch wilde Ecken stehen.“ Zudem könne man von den Jüngeren lernen. „Die lösen vieles praktischer. Sie nutzen etwa Bewässerungssysteme, ich bin noch die Generation Gießkanne.“
Interessante Projekte
Ein besonderes Projekt setzte der Verein dieses Jahr mit einer Volksschule um. „Für jedes Kind wurde ein kleines Holzkisterl gebaut. Gemeinsam mit unserem Baumwart wurde es mit Erde und Schafwolle gefüllt. Dann haben sie je nach Wunsch Radieschen gesät, Erdbeeren gepflanzt etc.“, erzählt die 60-Jährige. Es laufen auch bereits die Vorbereitungen für das 125-Jahr-Jubiläum. „Im Museum Schloss Ritzen wird es eine große Obstschau geben. Wer seine Sorten nicht kennt, kann sie dort von Pomologen bestimmen lassen.“
Geduld lernen
Anneliese ist eine aktive Frau, die gern neue Ideen umsetzt. Seit zwei Jahren muss sie ihren Elan aber einbremsen, denn nach einem fatalen Unfall mit einer Motorsäge ist ihre linke Hand stark eingeschränkt. Eine harte Umstellung, die Arbeit im Tauernklinikum Zell am See musste sie deswegen aufgeben. „Bei vielen Tätigkeiten brauche ich jetzt Unterstützung, aber ich musste erst lernen geduldig zu sein und um Hilfe zu bitten.“ Dennoch ist sie vor allem froh, dass die Hand erhalten blieb, und meint: „Zum Glück schaffe ich es trotz des Handicaps noch, meinen Vater zu pflegen. Manches kann er aber inzwischen besser als ich, Knöpfe schließen zum Beispiel.“