Ernährungsbildung ist nicht ausreichend: Jedes dritte Kind ist übergewichtig
Ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in Österreich ist übergewichtig, bei den Erwachsenen sind es etwas mehr als die Hälfte – Tendenz steigend. Diese Entwicklung hat gesundheitliche Auswirkungen, denn Übergewicht und Adipositas erhöhen etwa das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder bestimmte Krebsarten. Laut dem Institut für Höhere Studien werden die gesamtwirtschaftlichen Kosten von Adipositas in Österreich auf rund 2,4 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Zudem lag Österreich laut Eurostat 2023 bei einem Europa-Vergleich der gesunden Lebensjahre lediglich im unteren Drittel. Maria Fanninger, Gründerin von „Land schafft Leben“, zeigt auf: „Österreich ist im Spitzenfeld jener Länder in Europa mit den höchsten Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben. Gezielt in Präventionsmaßnahmen wie Ernährungs- und Gesundheitsbildung zu investieren, reduziert Millionen von Euro an Gesundheitskosten.“ Oft fehlt das notwendige Wissen darüber, wie man ausgewogen isst. „Wenn ich nicht weiß, was mir und meinem Körper guttut, wie soll ich dann bewusst essen können? Dieses Unwissen beginnt bereits bei den Jüngsten.
Ernährung konsequent im Alltag integrieren
Ernährungsbildung muss konsequenter im Alltag von Kindern und Jugendlichen integriert sein – das ist ein wertvoller Hebel für langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit“, so Fanninger. Sie sieht die österreichischen Bildungseinrichtungen in der tragenden Rolle, der nächsten Generation Wissen zum Essen zu vermitteln. „Ernährungs- und Gesundheitsbildung ist kein ‚Nice-to-have‘, sondern eine zentrale Voraussetzung für ein langes, gutes Leben. Dass junge Menschen diese Lebenskompetenz bereits im Kindergarten oder in der Schule lernen, muss für unsere Gesellschaft absolute Priorität haben.“
Gesunde Entscheidungen
Neben Bildung braucht es auch ein Umfeld, das gesunde Entscheidungen erleichtert. Für Maria Fanninger ist gesundheitsbewusste Verpflegung in Bildungseinrichtungen eine Frage der Chancengleichheit. „Die Schule muss ein Ort sein, an dem jedes Kind Zugang zu leistbarer, ausgewogener und bedarfsgerechter Ernährung hat. Hier gibt es noch viel Aufholbedarf: Mit Schokocroissant, rosarotem Donut und zuckerhaltigen Limonaden am Schulbuffet bewegen wir uns definitiv in die falsche Richtung.“ Sie appelliert, die gesunde Schuljause weiter voranzutreiben, und nennt Skandinavien als Vorzeigebeispiel: In Finnland sei ein kostenloses, ausgewogenes Schulessen seit Jahrzehnten Teil des Bildungssystems und wird mit positiven Effekten auf Konzentration, Lernerfolg und Entwicklung in Verbindung gebracht.