Entscheidungen nicht anderen überlassen
Der Tennengauer Bezirksbauerntag am vergangenen Donnerstag drehte sich um die Zukunft der Landwirtschaft in der EU, die Milchpreise und die Rolle der Bauernkammern.
BBK-Obmann Florian Brunauer betonte die Wichtigkeit und die Leistung der Bezirksbauernkammern mit deren Mitarbeitern und Funktionären: „Die neu gewählten Funktionäre der 13 Ortsbauernschaften und die BBK-Vollversammlung bringen frische Ideen und starke Meinungen ein. Eine stabile Funktionärsstruktur ist unser Rückgrat.“ In der BBK Hallein werden bis nach Ostern etwa 1.155 Mehrfachanträge bearbeitet. In der letzten LE-Invest-Förderperiode wurden rund 115 Anträge mit einem Gesamtfördervolumen von 19,5 Millionen Euro abgewickelt.
Präsident Rupert Quehenberger sprach die Milchpreisdebatte an: „Im vergangenen Jahr blieben wir von Dürren, Naturkatastrophen und größeren Seuchen verschont. 2025 war ein gutes Jahr für Produktion und Einkommen. Dieses Jahr sieht es vor allem bei der Milch anders aus. Klar ist, dass hochwertige Lebensmittel nicht zum Schleuderpreis produziert werden können. Bäuerinnen und Bauern brauchen verlässliche Rahmenbedingungen“, so Quehenberger und ermutigte die Landwirte: „Es wird der Tag kommen, an dem wieder Milch gebraucht wird.“
Wir Salzburger sind Europäer
Agrarlandesrat Maximilian Aigner betonte die Bedeutung des Zusammenhalts: „Wir sind Salzburger, Österreicher und Europäer. Im Hinblick auf die neue GAP müssen wir eine starke gemeinsame Stimme nach Brüssel bringen, um unsere Interessen im neuen mehrjährigen Finanzrahmen zu vertreten. Alleingänge führen nicht zum Erfolg.“ Vortragender Robert Pichler vom Österreichischen Raiffeisenverband stimmte Aigner zu. Er betonte, dass Österreich seine Chancen mit dem EU-Beitritt gut genutzt habe. Unter dem bekannten Zitat von Franz Fischler, „dem Feinkostladen Österreich“, verstehe sich die heimische Landwirtschaft richtig. Man habe erkannt, dass nur die Qualität der heimischen Produkte am offenen Markt überzeugen könne. Pichler wies darauf hin, dass seit den letzten Wahlen zum Europäischen Parlament neue Mehrheitsvarianten möglich seien, was für die Landwirtschaft vorteilhaft sei. „Die Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes wäre in der vorherigen Legislaturperiode des EU-Parlaments niemals durchgegangen“, erklärte er.
Rupert Quehenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg
Klar ist, dass hochwertige Lebensmittel nicht zum Schleuderpreis produziert werden können. Bäuerinnen und Bauern brauchen verlässliche Rahmenbedingungen.
Handelsabkommen als Lebensader
Mit einem Wert von rund 235 Milliarden Euro ist die EU der größte Exporteur von Agrar und Lebensmitteln weltweit. Derzeit sind rund 40 Handelsabkommen in Kraft. Diese Abkommen sind für die EU wichtig, da traditionelle Abnehmer wie die USA oder China nicht mehr so verlässlich agieren wie zuvor. „Wenn sie fair ausverhandelt sind, trägt der Agrarsektor Handelsabkommen mit. Diese ermöglichen den Export unserer Produkte. Im Jänner haben die EU und Indien einen Handelsdeal geschlossen, der sensible Agrarprodukte wie Rindfleisch und Zucker ausklammert.“
Den möglichen EU-Beitritt der Ukraine sieht Pichler jedoch kritischer. Mit rund 32,5 Mio. Hektar Ackerfläche umfasst die Ukraine ein Viertel der Ackerfläche der EU. 21 % der Fläche werden von Agrar-Holdings bewirtschaftet, die jeweils über 10.000 ha bewirtschaften. Pichler konkretisierte: „Diese Betriebe haben den Hebel zur Bestimmung der Preise in der Hand. Die Diskussion über eine Annäherung zur EU wird kommen, daher sollte die europäische Landwirtschaft schon jetzt eine Strategie dafür vorbereiten. Wir müssen aktiv mitgestalten, sonst entscheiden andere über die Preise und die Zukunft.“