Eine Alm, viele Menschen und ein gemeinsames Ziel
Als das Team die Alm übernahm, war zunächst viel Aufbauarbeit notwendig. Zäune gab es keine mehr, ebenso wenig Strom oder Warmwasser. Die Alm war zuvor viele Jahre ausschließlich als Jungviehalm genutzt worden. Heute weiden auf den rund 60 Hektar Almfutterflächen neben 26 Milchkühen auch 34 Mutterkühe, 108 Ziegen und drei Pferde. Fünf Schweine und sechs Hühner gehören auch noch zum Viehbestand. Die Milchkühe kommen als Zinsvieh von vier verschiedenen Bauern auf die Alm.
Aus der Milch entsteht direkt vor Ort eine erstaunliche Vielfalt. Rund 16 verschiedene Milchprodukte werden hergestellt – vom Bergkäse über Ricotta, Mozzarella und Grillkäse bis hin zu griechischem Joghurt, Sauerrahm und verschiedenen Frisch- und Streichkäsen.
Gekäst wird dabei nicht in einer fixen, neu errichteten Almkäserei, sondern in einem mobilen Container. Darin befindet sich die komplette Molkereieinrichtung, ein weiterer mobiler Container dient als Reiferaum. Das mobile Konzept ist ein wesentlicher Bestandteil der Philosophie vom Verein Alpinus. Mit flexiblen Strukturen soll auch dort wieder Almwirtschaft möglich werden, wo die notwendige Infrastruktur fehlt.
Auch beim Brot wird auf der Wildalm auf echtes Handwerk gesetzt. Vor der Hütte steht ein Holzofen, in der Hütte ist eine kleine Backstube eingerichtet. Unter der Woche gibt es eine Almjause mit möglichst vielen selbst erzeugten Lebensmitteln. Am Wochenende kommt zusätzlich ein Gericht aus dem Holzofen auf den Tisch. Die eigenen Produkte werden aber nicht nur auf der Alm angeboten, sondern auch am Bauernmarkt in Mittersill verkauft.
Hinter all dem steckt allerdings mehr als die Idee, eine besondere Jause auf den Tisch zu zaubern. Der Verein Alpinus möchte zeigen, wie Almwirtschaft unter veränderten Rahmenbedingungen funktionieren kann. Das beginnt bei der Infrastruktur und reicht bis zur Organisation der Arbeitskräfte.
Das Kernteam besteht aus vier Personen und geht mittlerweile in den dritten gemeinsamen Almsommer. Rund 80 Mitglieder zählt der Verein insgesamt. Sie können sich je nach Zeit und Möglichkeit in die Arbeit auf der Alm einbringen. Melken, käsen, backen, kochen, bewirten oder einfach bei den täglichen Arbeiten mithelfen – nicht jeder muss dafür gleich einen ganzen Sommer auf der Alm verbringen. Genau darin liegt einer der spannendsten Gedanken hinter dem Projekt. Viele Menschen interessieren sich für Almwirtschaft, können oder wollen aber nicht drei oder vier Monate durchgehend aus dem Job aussteigen. Gleichzeitig werden die verfügbaren Arbeitskräfte in der Almwirtschaft weniger. Alpinus versucht deshalb, beides zusammenzubringen: Menschen, die etwas beitragen möchten, und eine Alm, auf der helfende Hände gebraucht werden. Man könnte es als eine Art Jobsharing auf der Alm bezeichnen.
Dabei geht es nicht nur ums Mitarbeiten. Wer auf die Wildalm kommt, soll auch etwas lernen. In Workshops werden unter anderem Käsen und Brotbacken vermittelt. Der Verein versteht die Alm damit auch als Ort der Wissensweitergabe und des Austausches.
Die Wildalm will damit kein Gegenmodell zur bäuerlichen Almwirtschaft sein. Vielmehr sieht sich der Verein als Versuch, Möglichkeiten auszuloten und neue Menschen für die Alm zu begeistern. Denn eines wird auch hier deutlich: Eine Alm lebt nicht allein von ihrer Fläche. Sie braucht Tiere, Wissen, Arbeit – und Menschen, die bereit sind, dieses Leben weiterzutragen. Almwirtschaft bleibt hier Almwirtschaft – aber die Wege, wie Menschen dafür zusammenkommen, sind neu.
Wegbeschreibung
Kontakt Wildalm/Verein Alpinus:
Ronja Landvogt
Weyer 9
5733 Bramberg
Tel. 0664/1329215
www.wildalm.alpinus-verein.at
E-Mail wildalm@alpinus-verein.at
Die Wildalm ist diesen Sommer nur noch bis Sa, 5. September für Wanderer geöffnet.