Die sanften Hof-Revolutionärinnen
Im Jahre 1995 begann eine sanfte Revolution, welche vorerst jene Bauernhöfe erreichte, die organisierten Tourismus anboten, in Form der Zimmervermietung, später auch als Ferienwohnungen. Es waren nicht nur die „Hotspots“ in Gunstlagen an den Seen, sondern auch Bauernhöfe erfasst. Abseits, einsam. Das war die Grundlage für ein breites Wachsen des Tourismus. Sozusagen die Hardware einer Entwicklung, die von den Bäuerinnen getragen wurde, die zu sanften Revolutionärinnen mutierten. Sie selbst, die weit über sich hinauswuchsen, waren die Software. Und es gab ständig ein neues Update. Obwohl sie auf den Höfen in vollem Einsatz standen, zwickten sie sich Zeit aus ihrem Arbeitspensum, um Seminare zur Fortbildung zu besuchen.
Eu-Regio-Programme ermöglichten grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Als Österreich nach 1995 zur EU kam, eröffneten sich viele neue Möglichkeiten, über EuRegio- oder InterReg-Programme Neues zu entwickeln und die Seminare organisiert und günstig grenzüberschreitend mit den Bayern abzuwickeln. Als Erster gab Dir. Johann Staffl von der Landwirtschaftskammer den Anstoß und bat Gaby Stadler-Bauer, sich der Sache anzunehmen. Daraus wurde eine große Erfolgsgeschichte. Anna Gutmann, damals Leiterin der Abteilungen Hauswirtschaft der Landwirtschaftsschule Laufen, erinnert sich: „Ich habe gleich am Anfang meiner Tätigkeit einen großen Wandel auf den Bauernhöfen miterlebt. Dieser betraf vor allem die Stellung der Frau auf den Bauernhöfen! Ich durfte in meiner Dienstzeit in Laufen diesen Wandel erleben und mitgestalten.“ Das bayerische Landwirtschaftsministerium wollte, dass die Bäuerin Unternehmerin wird. Das bedeutete für sie, notwendiges zusätzliches Wissen zu erarbeiten. Die Bäuerinnen lernten und sie statteten ihre Höfe mit modernen Küchen und Esszimmern aus. Später wurden es großzügig gestaltete Ferienwohnungen, oft gleich Fitnesshotels. Die sanften Hof-Revolutionärinnen trugen auch viel dazu bei, das Selbstbewusstsein des gesamten Bauernstandes zu heben.
Vorzeigemodell Rupertiwinkel-Salzburg
Das Beispiel Rupertiwinkel-Salzburg wurde zum Vorzeigemodell. Alleine zwischen 1995 und 2007 qualifizierten sich mit dem Programm „Kompetenzoffene Betriebe“ 1.500 bäuerliche Vermieterinnen auf beiden Seiten der Salzach. Es erfolgte ein enormer Investitions- und Qualitätsschwung auf den Ferienbauernhöfen im EuRegio-Gebiet. Steffen Rubach, Geschäftsführer der EuRegio und der InterReg-Geschäftsstelle Freilassing, war Kontakt- und Bürgerservicestelle, Informationsquelle und Projektentwickler für das „System Bauernhofurlaub“. Die EuRegio ermöglichte die zahlreichen Seminare.
3.500 Arbeitsplätze durch Bauernhofurlaub
Bauernhofurlaub sichert im EuRegio-Gebiet ca. 3.500 Arbeitsplätze auf den Höfen. Bauernhofgäste lassen alleine in der Salzburger Hälfte der Region zwischen 140 und 180 Mio. Euro jährlich an Tagesausgaben. Etwa die Hälfte bleibt auf den Höfen, die weiteren 50 % gehen in die Region.
Uab-Pioniere trafen sich in Fridolfing
Kürzlich trafen sich jene Pioniere, welche das breite Bildungsangebot damals zuerst entwickelten und steuerten, am Thomahof der Familie Reiter in Fridolfing: Johann Träg, GF Tourismusverband Chiemgau; Albert Krahbichler, Landesobmann UaB Salzburg; Hans Embacher, GF UaB Österreich, Evi Reiter, Thomahof Fridolfing; Gaby Buchöster, UaB-Vorsitzende Chiemgau; Gaby Bauer-Stadler, GF UaB Salzburg in der LK; Steffen Rubach, GF EuRegio-Team der Geschäftsstelle Freilassing; Rosmarie Reiter, Vorsitzende UaB Rupertiwinkel-Berchtesgaden; Franz Pölzleitner, SLT; Anna Gutmann, Direktorin Hauswirtschaft, Landwirtschaftsschule Laufen; Herbert Galler, MR BGL und UaB Rupertiwinkel; Josef A. Standl, Medien (im Bild v. l.)