Die Debatte über Raubtiere wird intensiver
Der Angriff eines Wolfes auf eine Frau mitten in Hamburg hat erwartungsgemäß für hohe mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Das Raubtier hat sich seit mehreren Tagen in der Stadt aufgehalten und wollte sogar in einen Supermarkt eindringen. Der Wolf biss in einer Einkaufspassage einer Passantin ins Gesicht. Anschließend sprang er in die Binnenalster, wo er mit einer Schlinge aus dem Wasser gezogen wurde und in ein Tiergehege verbracht wurde.
Es war der erste direkte Angriff eines Wolfes auf einen Menschen in Deutschland seit der erneuten Ausbreitung nach dem Mauerfall. Hitzige Debatten gibt es nun darüber, was mit dem Wolf, der sich derzeit in einer Wildtierauffangstation befindet, passieren soll. In diesem Zusammenhang sind auch die Äußerungen des Salzburger Landesjägermeisters Max Mayr-Melnhof am Vorarlberger Grundeigentümertag Ende März nicht nur sehr aktuell, sondern differenziert zu betrachten. Mayr-Melnhof sprach dort über das verfassungsmäßige Recht, sein Leib, Leben und Eigentum zu schützen. In diesem Zusammenhang sah er seine Schafe als jenes Eigentum, das er vor einem Wolfsübergriff effizient durch Abschüsse schützen können muss, was durch die aktuell zwar gegenüber früher deutlich beschleunigten Verfahren bei den Bezirkshauptmannschaften immer noch unbefriedigend möglich ist. In einem Interview sprach er sich wenige Tage später darüber hinaus für eine klare Zonierung der Kulturlandschaft im Sinne einer wildökologischen Raumordnung aus. Diese Forderung greift die Weiterentwicklung des Wolfsmanagements auf, die durch die Landwirtschaftskammer Salzburg ebenso vertreten wird. Ausgehend von der Einrichtung von Weideschutzgebieten sind auch aufgrund der Herabsetzung des Schutzstatus des Wolfes weitere Schritte angebracht. Hier steht insbesondere die FFH-Richtlinie in der Kritik, da diese fast ausschließlich auf biologisch/ökologische Umstände beim Raubtier Wolf abstellt, die Kulturlandschaft und die darin lebenden Menschen aber stark zurückreiht. Die Folge ist eine Behandlung dieser Tierart, wie wenn sie bei uns in unberührter Natur leben würde.
Die LK Salzburg fordert daher einmal mehr, dass der Wolf in das Jagdrecht aufgenommen wird und wie jede andere Tierart regulär bejagt werden kann. LK-Präsident Rupert Quehenberger: „Wir warnen seit vielen Jahren, dass es bei uns für diese Raubtiere den Lebensraum nicht mehr gibt und Vorfälle wie in Hamburg die logische Folge sind, wenn wir hier nicht kontrollierend eingreifen können.“
Wild oder kultiviert? Wiesen, Almen und Wälder brauchen unseren Schutz
Die tragischen Ereignisse in Hamburg und die hitzigen Debatten rund um eine Rede von Max Mayr-Melnhof legen den Kern zur Causa Wolf frei. Es geht um die tiefgründige Frage: Wildnis und Natur oder Kulturlandschaft? Während viele NGOs und Parteien links der Mitte die unberührte Natur als Ziel ausloben, wo der Wolf zweifelsfrei dazugehört, ist die Realität bei uns eine völlig andere. Wir leben beinahe in ganz Europa in einer Kulturlandschaft, die allen (!) Menschen als Lebensgrundlage dient. Erst durch die nachhaltige Bewirtschaftung der Wiesen, Weiden, Almen und Wälder durch unsere Bäuerinnen und Bauern entstehen unverzichtbare Leistungen für die gesamte Bevölkerung: hochwertige Lebensmittel, Rohstoffe, Energie, Erholung, Landschaft, sauberes Wasser und der so wichtige Schutz vor Naturgefahren.
Nicht alles ist perfekt, darüber kann und muss man diskutieren. Es braucht Regeln, das ist klar! Doch wildromantische Vorstellungen, man könne durch Verordnungen und Gesetze Natur einfach so wiederherstellen, sind naiv und utopisch. So zwingt uns der Klimawandel regelrecht zu Eingriffen in Flora und Fauna, um diese langfristig erhalten zu können. Ein Beispiel sind unsere Schutzwälder: Wenn es uns nicht gelingt, sie klimafit zu machen, dann drohen massive Naturkatastrophen.
Was in Österreich viele für „Natur“ halten, sind in Wahrheit über Jahrhunderte sorgsam bewirtschaftete Wiesen, Almen und Wälder. Um diese zu erhalten, braucht es nicht eigentumsfeindliche Gesetze, sondern den Dialog mit den Grundbesitzern auf Augenhöhe und deren Unterstützung. Beim Thema Wolf haben das manche „Naturschützer“ leider bis heute noch immer nicht erkannt.