Den Wert des Dauergrünlands erkennen
Ein grundlegender Wandel in der Bewirtschaftung ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Bedeutung des Dauergrünlands für den Klimaschutz, die Artenvielfalt und die Landwirtschaft zu erhalten. Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Friedhelm Taube in der Ende Mai veröffentlichten Studie „Dauergrünland für Lebensmittelerzeugung, Natur- und Klimaschutz in Wert setzen“, die der frühere Direktor des Kieler Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung im Auftrag des Wissenschaftlichen Beirats Natürlicher Klimaschutz (WBNK) beim Bundesumweltministerium erarbeitet hat.
Paradigmenwechsel in der Bewirtschaftung
Laut Taube geht es um einen Paradigmenwechsel in der Bewirtschaftung, der für den Erhalt von Grünlandböden als Kohlenstoffspeicher zentral sei. Nutztiere sollten wieder stärker auf der Weide und mit regional erzeugtem Grünlandfutter versorgt werden. Der Wissenschafter plädiert für eine „semi-intensive Dauergrünland-Milcherzeugung“ mit mindestens 70 % Grünlandfutter in der Ration. Eine solche Nutzung biete aufgrund späterer und weniger häufiger Schnitte sowie einer reduzierten Düngung Vorteile für die Biodiversität. Gleichzeitig werde die Landnutzungskonkurrenz um knappe Ackerflächen abgemildert.
Der Wissenschafter schlägt vor, die so produzierten Milcherzeugnisse über die Summe der Umwelt- und Klimavorteile inklusive der vermiedenen Landnutzungskonkurrenz in Wert zu setzen und ein entsprechendes Label im Handel jenseits des Product Carbon Footprints zu etablieren. Geboten sei zudem, den ordnungsrechtlichen Rahmen anzupassen. Ziel müsse es sein, die Umweltkosten zu reduzieren, die in spezialisierten Systemen der Milcherzeugung in Form hoher Stickstoff- und Phosphorüberschüsse entstünden.
Prof. Friedhelm Taube:
"Es geht um einen Paradigmenwechsel. Nutztiere sollten wieder stärker auf der Weide und mit regional erzeugtem Grünlandfutter versorgt werden."
Chancen für angepasste Fleischerzeugung
Die eher extensive Dauergrünland-Nutzung steht der Studie zufolge zunehmend unter Druck, weil sich die Fleischerzeugung auf diesen Standorten derzeit kaum rechne und vornehmlich über Transferzahlungen realisiert werde. Vor allem in Mittelgebirgsregionen werde die Dauergrünlandnutzung aufgrund des zu erwartenden weiter abnehmenden Rinderbestands zu einer Herausforderung. Gleichzeitig könnten sich aufgrund einer möglichen Wiedervernässung eines hohen Anteils organischer Böden sowie einer weiteren Reduktion der Milchviehbestände infolge von Leistungssteigerungen Potenziale für eine angepasste Fleischerzeugung vom Dauergrünland ergeben.
Wie Taube in dem Gutachten ausführt, unterscheiden sich solche Mastverfahren allerdings drastisch von aktuellen Mustern der Intensivmast mit Maissilage. Sie würden als reines Koppelprodukt der Milcherzeugung verstanden und beruhten auf multifunktionalen Hybridsystemen. Klimaschutz-, Tierwohl- und Biodiversitätsleistungen würden gleichermaßen erbracht.
Rinderhaltung hat enormen Wert
„Die Studie zeigt eindrucksvoll, welche enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung die heimische Rinderwirtschaft für Österreich hat“, so Rinderzucht Austria-Obmann Thomas Schweigl.