Die Meisterkurse in ganz Salzburg sind voll im Gange
Seit April 2024 ist das neue Land- und Forstwirtschaftliche Berufsausbildungsgesetz (LFBAG) in Kraft. Die Ausbildungsgesetze auf Landesebene wurden zu einem bundesweiten Gesetz zusammengeführt, wodurch es nun einheitliche Rahmenbedingungen für die Ausbildung gibt. Neben dem Entfall der Prüfungsgebühren für die Meisterprüfung wurde mit der Möglichkeit der Eintragung des Titels auch die berufliche Anerkennung in der Landwirtschaft gestärkt. Im Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) steht die Meisterqualifikation auf Stufe sechs. Ein Abschluss einer HBLA ist dem Level fünf zugeordnet. Seit dem neuen Gesetz können HBLA-Absolventinnen und Absolventen auch vor dem vollendeten 20. Lebensjahr zur Meisterprüfung antreten. Wenn die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind, wird geschaut, welche Prüfungsinhalte noch zu absolvieren sind. Je nach Schwerpunkt und Abschluss einer höheren Schule können die Anrechnungen sehr unterschiedlich sein. Die Anzahl der HBLA-Absolventen, die nach Abschluss der Matura noch ihren Meisterabschluss feiern, ist jährlich am Wachsen. Eine Ausbildungs- und Prüfungsverordnung vom Landwirtschaftsministerium mit Detailregelungen ist immer noch ausständig.
Regionale Kursangebote werden geschätzt
Der klassische Weg oder der, der am häufigsten in der Praxis zutrifft, ist eine Meisterausbildung nach vorheriger Facharbeiterprüfung. Die meisten Teilnehmer haben eine dreijährige landwirtschaftliche Fachschule abgeschlossen und anschließend eine Lehre oder weiterführende Schule absolviert. Nach ein paar Jahren im Berufsleben entscheiden sich viele zukünftige Betriebsführer dann für die berufsbegleitende Meisterausbildung in der Landwirtschaft. Anders als bei einigen Facharbeiterkursen wird die Meisterausbildung samt Prüfungen ausschließlich von der Lehrlings- und Fachausbildungsstelle organisiert und durchgeführt. Die regionalen Kursstandorte werden bei den Kursteilnehmern geschätzt und ermöglichen den Bäuerinnen und Bauern eine Teilnahme trotz Stallzeiten vor und nach Kursbesuch. Die Meisterausbildung wird nur in Tagesform angeboten. Abendkurse gibt es keine. Der neu gestartete Meisterkurs Landwirtschaft im Flachgau findet beim Joglbauer in Obertrum statt und ist mit 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgebucht. „Wir freuen uns, wenn viele junge Leute die Meisterausbildung machen und auf den Betrieben draußen nachrücken!“, so die Gastgeber Katharina und Robert Hofer, die selbst geprüfte Meister sind.
Grundlagen im ersten Ausbildungsteil
Der Meisterkurs Landwirtschaft im Lungau findet in bewährter Weise an der LFS Tamsweg statt. Hier sind 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Ausbildung. In der Woche vor Weihnachten stand die Lehrlingsausbildung am Programm. Der erste Kurstag steht im Zeichen der Persönlichkeitsbildung und des Kennenlernens.
Die organisatorischen Dinge werden erklärt und allfällige Fragen beantwortet, ehe der Unterricht für den Grundlagenteil startet. Im ersten Ausbildungswinter stehen die Module „Grundlagen Betriebs- und Unternehmensführung“, „Recht und Agrarpolitik“ sowie der „Ausbilderlehrgang“ im Kursplan. Der Ausbilderlehrgang ist eine berufspädagogische Qualifikation, mit der man die Berechtigung erhält, Lehrlinge auszubilden. Der erste Ausbildungsteil besteht aus 18 Kurstagen in den Monaten November bis Februar. Der Teil Betriebsbeurteilung und gesamtbetriebliche Aufzeichnungen fand zum Großteil noch im Jahr 2025 statt, damit die Teilnehmer für die Buchhaltung ab Jänner 2026 gerüstet sind.
Betriebsaufzeichnung über zwei Jahre
Die Aufzeichnungen am Betrieb werden zwei Geschäftsjahre lang geführt und ausgewertet. Sämtliche Kennzahlen werden über das Buchhaltungsprogramm errechnet und von den Teilnehmern interpretiert. Die Ergebnisse werden für die Meisterarbeit benötigt, die im Rahmen der Ausbildung zu verfassen ist und eine Hausarbeit darstellt. Die Wahl, welches Aufzeichnungsprogramm verwendet wird, steht den Teilnehmern frei. Oftmals werden ohnehin Aufzeichnungen für den „Grünen Bericht“ oder einen Arbeitskreis geführt, dann können diese Daten natürlich 1:1 für die Meisterausbildung verwendet werden. Ebenso verwendet werden können die Daten für den Aufzeichnungsbonus von 4.000 Euro bei der Niederlassungsprämie beim Bewirtschafterwechsel.
Schwerpunkte der weiteren Ausbildung
Im zweiten und dritten Ausbildungsteil stehen die Fachgegenstände Tierhaltung, Pflanzenbau, Landtechnik, Baukunde und Milchwirtschaft im Kursplan. Da Salzburgs Landwirtschaft stark durch Rinderhaltung und Grünlandwirtschaft geprägt ist, liegt auch der Fokus auf diesen Schwerpunkten in der Ausbildung. Der Meisterkurs Landwirtschaft in der LFS Bruck befindet sich aktuell im zweiten Ausbildungsteil, ein weiterer Meisterkurs Landwirtschaft steht in Mittersill im dritten Ausbildungsteil. Dieser Kurs wird Anfang März seinen Abschluss finden. Bis dahin gibt es aber noch eine Menge zu tun. Neben einer schriftlichen Abschlussarbeit gibt es auch mündliche Prüfungsgegenstände sowie die Präsentation der Meisterarbeit zum Abschluss.
Forstwirtschaftsmeister
Zwölf Teilnehmer absolvieren aktuell den Meisterkurs Aufbaulehrgang Forstwirtschaft im Holztechnikum Kuchl. Diese qualifizierte Ausbildung kann in nur einem Ausbildungswinter absolviert werden. Eine abgelegte Forstfacharbeiterprüfung ist von Vorteil, jedoch keine Pflicht-Voraussetzung. Die forstliche Produktion und die Einführung in den Waldwirtschaftsplan bilden die ersten Unterrichtsinhalte. Die Praxistage sind aufgeteilt in Schwachholz und Starkholz und finden jeweils geblockt statt. In Kleingruppen wechseln die Teilnehmer alle Praxisstationen durch und vertiefen ihr Wissen von der Auszeige, Fällung und Rückung bis hin zur Ausformung und Klassifizierung der Sortimente. Auch das Thema Dickungspflege sowie ein Aufforstungskurs stehen im Kursplan.
Waldwirtschaftsplan als Meisterarbeit
Der Waldwirtschaftsplan ist die Meisterarbeit in der Forstwirtschaft. Für diese Hausarbeit ist eine Waldausstattung von mindestens 8 ha erforderlich. Nötige Maßnahmen zur Verbesserung der Stabilität und Qualität des Waldes werden sowohl im Theorieunterricht als auch in der Praxis aufgezeigt. Dazu werden alle Waldflächen eines Betriebes erfasst. Bei den Aufnahmen im Wald werden für jeden Bestand der Holzvorrat, der Baumartenanteil, der Bestockungsgrad, der jährliche Zuwachs und weitere Daten erhoben. Nach Abschluss der Außenaufnahmen werden die Daten ausgewertet und betriebliche Kenndaten errechnet. Daraus wird ein Nutzungsplan abgeleitet und der Hiebsatz festgesetzt. Die waldbauliche Planung wird gezielt mit der Festlegung der durchzuführenden Maßnahmen und deren Dringlichkeit vorgenommen. Neben waldbaulichen Zielen werden auch betriebswirtschaftliche Ziele für die nächsten zehn Jahre festgelegt. Der Waldwirtschaftsplan ist für alle Teilnehmer verpflichtend zu erstellen. Alle notwendigen Unterlagen werden im Unterricht besprochen.
Mathias Gappmair. Direktor der LFS Tamsweg: Ausbildung in Tamsweg stark nachgefragt
Wenn ich in die Runde schaue, sind im Meisterkurs hier bei uns viele Gesichter aus der Fachschulzeit dabei. Das freut mich besonders, wenn sich die nächste Generation auf den landwirtschaftlichen Betrieben freiwillig weiterbildet und den Meisterkurs besucht. Die Vernetzung mit der Kammer ist für die Schule wichtig und für beide Seite eine Win-win-Situation. Die zeitgemäße Infrastruktur hier am Schulstandort bietet viele Vorteile für die Ausbildung und wird dementsprechend stark nachgefragt. Unsere Räumlichkeiten sind auch von externen Partnern gut gebucht. Wir bieten den Teilnehmern vom Meisterkurs eine Mittagsverpflegung an. Da kommt man ins Gespräch und hat den Eindruck, dass auch der Spaß nicht zu kurz kommt. Nach vielen Jahren und teils sehr kreativen Bemühungen ist es gelungen, auch mit einem Facharbeiterkurs zu starten. Das Bestreben von Seiten der Kammer, zukünftig verstärkt Kurse in den Landwirtschaftsschulen abzuhalten, sehen wir sehr positiv. Ich wünsche den Teilnehmerinnen und Teilnehmern alles Gute in der Ausbildung.