Alte Totenkultur der bäuerlichen Familien
Das Thema „Sterben und Tod“ ist in den vergangenen Jahren aus seiner gesellschaftlichen Isolation getreten und auch als bedeutendes Thema in der Bildung erkannt worden. Der Tod hat viele Gesichter. Auch durch brutale Krimis im Fernsehen gekennzeichnet.
Totenbretter im Alpenvorland
Im bäuerlichen Brauchtum nördlich der Alpen, besonders im Flachgau und im Rupertiwinkel, sind die „Totenbetter“ von historischer Bedeutung. Die an Feldkreuzen oder abseits gelegenen Waldkapellen lehnenden Gedenkbretter im Salzburger Alpenvorland und im Rupertiwinkel tragen unter dem Kreuz oft noch eine Jahreszahl. Damit hat diese am Land einzigartige Sitte ein längeres Überleben bewiesen als die von den Bäuerinnen zum Dank für ein Gebet an die armen Seelen ausgeteilten Wecken.
Es gab aber ein wesentlich persönlicheres Gedenken, das seinen Ursprung im noch von Heiden geschriebenen bajuwarischen Gesetz hatte. In den Einödgegenden von Lofer, Unken, Saalfelden oder Leogang blieb der Verschiedene noch auf einem über zwei Schragen gelegten Holzbrett bis zum Begräbnistermin liegen. Man legte sich am Hof zur ewigen Ruhe. Wurde der Leichnam dann abgeholt, um am Ortsfriedhof beigesetzt zu werden, kam der Tischler ins Haus. Er hobelte das Brett ab. Das eine Ende in Kopfform trug darunter die Initialen des Namens, gefolgt vom IHS oder drei Kreuzen. Aber auch wirklich Trost spendende Reime, die versprachen, „auch herüben noch gute Eltern sein zu wollen“, machten den Hallwangern und Seekirchenern wie den Lamprechtshausenern in zwei Generationen den Abschied etwas erträglicher.
Es gab aber ein wesentlich persönlicheres Gedenken, das seinen Ursprung im noch von Heiden geschriebenen bajuwarischen Gesetz hatte. In den Einödgegenden von Lofer, Unken, Saalfelden oder Leogang blieb der Verschiedene noch auf einem über zwei Schragen gelegten Holzbrett bis zum Begräbnistermin liegen. Man legte sich am Hof zur ewigen Ruhe. Wurde der Leichnam dann abgeholt, um am Ortsfriedhof beigesetzt zu werden, kam der Tischler ins Haus. Er hobelte das Brett ab. Das eine Ende in Kopfform trug darunter die Initialen des Namens, gefolgt vom IHS oder drei Kreuzen. Aber auch wirklich Trost spendende Reime, die versprachen, „auch herüben noch gute Eltern sein zu wollen“, machten den Hallwangern und Seekirchenern wie den Lamprechtshausenern in zwei Generationen den Abschied etwas erträglicher.
Leichladen sollte wie der Sarg verwittern
Die nahe Beziehung des Bauern zum Hof, der seinen ganzen Lebenskreis umfasste, zeigt sich auch im Anlehnen der grün, braun oder blau bemalten Bretter an Scheunen- und Hauswände. Der Leichladen, wie man ihn im Pinzgau nannte, lehnte nicht selten an schmalen Kirchsteigen oder einem Weg durch das geheimnisvolle Leopoldskroner Moor. So wie der Sarg selbst sollte er über der Erde verwittern und zerfallen.
Im Frühmittelalter musste er gemäß dem noch primitiven Bestattungsritus dem Leichnam Schutz vor Verletzungen durch Steine beim Zuwerfen der Grube oder eventuellen Grabschändungen bieten.
Im Frühmittelalter musste er gemäß dem noch primitiven Bestattungsritus dem Leichnam Schutz vor Verletzungen durch Steine beim Zuwerfen der Grube oder eventuellen Grabschändungen bieten.
Unheil abhaltende Seelbrote
Aus uraltem heidnischem Glauben kommt auch die Sitte der Seelbrote. Schließlich ist der 30. Oktober der einzige Tag des Jahres, wo die im Fegefeuer zur Läuterung leidende Seele ihre „Pein“ verlassen darf. Sie soll sogar körperlich anwesend sein. Was liegt näher, als dass sie auch genährt werden muss – so glaubte man in Lofer und Lamprechtshausen.
Für die Patenkinder war es natürlich eine Freude, die „Zopfen“ und „Heiligenstücke“ in größeren Mengen zu sammeln. Manchmal schickte sie der Taufpate auch zu. Dass die gedrehte Form des Zopfes nach antikem Glauben Unheil über Fürbitte der nächsten verstorbenen Angehörigen von ihren Lieben abhalten soll, ist freilich nur wenigen Kunden bekannt.
Für die Patenkinder war es natürlich eine Freude, die „Zopfen“ und „Heiligenstücke“ in größeren Mengen zu sammeln. Manchmal schickte sie der Taufpate auch zu. Dass die gedrehte Form des Zopfes nach antikem Glauben Unheil über Fürbitte der nächsten verstorbenen Angehörigen von ihren Lieben abhalten soll, ist freilich nur wenigen Kunden bekannt.
Weizenmehl nur an hohen Feiertagen
Kennzeichnend für die Salzburger Bäcker sind die Flachgauer „Zeilenbrote“. Aus je vier bis acht Zentimeter langen Wecken zusammengesetzt, waren sie schon ein paar „Vaterunser“ wert. Nur selten bekamen die Armen solches aus feinem, weißem Weizenmehl Gebackenes zu kosten. Es war aus Ehrfurcht den hohen Feiertagen vorbehalten. Wurde das „Seelenstuck“ für die Verteilung an viele Bedürftige hergestellt, so griff die Salzburger Bauersfrau, gewohnt sparsam zu wirtschaften, freilich auch zum Mischmehl.
Brotkrumen auf dem letzten Weg
Das Brot des Lebens für die zum ewigen Leben Bestimmten zu backen als Verbindung zwischen unserer und der Welt „drüben“ – ein solch schöner Gedanke kann nur aus unserer Bauernschaft stammen. Wie keine andere Bevölkerungsschicht lebt sie gelenkt und in vollem Einklang mit dem unsichtbaren Walten Gottes in seiner Schöpfung. Die Beziehung des Brotes zum Toten ging in Salzburg so weit, dass Krumen auf den letzten Weg gestreut wurden. Sie sollten nicht nur den Pfad ins „Totenreich“ weisen, sondern gleichzeitig auch das Haus vor Unglück schützen. Ließen die Kinder die Brösel unter den Tisch fallen, so mussten sie über „Distel und Dorn“ diese im Jenseits auflesen – so herrschte der Volksglaube. In Hallein wurden als Mahnung daran die Seelenbrezeln an den Friedhofssteinen und Kreuzen aufgehängt. Schlussendlich galt das Mittelstück des in den mittelalterlichen Klöstern hergestellten Armengebäcks als christliches Erlösungssymbol.