Zwischen Almerlebnis und Almleben – die tägliche Gratwanderung
Mitten in der Almenwelt Lofer, auf einer Seehöhe zwischen 1.490 und 1.700 Metern, liegt eine der größeren Gemeinschaftsalmen des Pinzgaus. Die Agrargemeinschaft Loferer Alm umfasst rund 550 Hektar Almfläche (inkl. Servitutsweiden 950 ha). Jeden Sommer werden hier rund 270 Milchkühe sowie etwa 240 Stück Jung- und Galtvieh gealpt. Insgesamt werden 20 Milchviehalmen und zwei Jungviehalmen bewirtschaftet. Die Loferer Alm ist eine historisch gewachsene Agrargemeinschaft. 21 Landwirte aus Lofer und St. Martin sind als sogenannte Urbarträger Grundeigentümer der Alm. Daneben gibt es 60 Berechtigte, teils mit oder ohne Kaserrecht.
Einer davon ist der Zassenbauer, dessen Kaser seit mehr als 150 Jahren fixer Bestandteil der weitläufigen Almlandschaft ist. Dass sich die Alm mitten im Wander- und Skigebiet der Almenwelt Lofer befindet, bringt besondere Rahmenbedingungen mit sich. Strom, Wasser, Kanal und Straßen sind vorhanden, dennoch bleibt der Alltag von den Arbeiten rund um das Vieh bestimmt. Während der Almsommer ganz der Bewirtschaftung gehört, kann der Zassenkaser nur außerhalb der Sommermonate als Selbstversorgerhütte gemietet werden.
Vier Jahrzehnte lang war Traudi Schmiderer das Herz des Zassenkasers. Sommer für Sommer stand sie frühmorgens im Stall, molk die Kühe und sorgte dafür, dass der Almbetrieb reibungslos funktionierte. Für viele gehört ihr Name untrennbar zur Alm. Heuer wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erstmals trägt ihre Enkelin Johanna die Verantwortung am Zassenkaser. Eigentlich hat sie Tischlerin gelernt, heute arbeitet sie in der Gastronomie. Wenn der Sommer beginnt, zieht es sie hinauf auf die Alm, mit der sie seit ihrer Kindheit eng verbunden ist. Der Tag beginnt für sie lange bevor die ersten Wanderer unterwegs sind. In den frühen Morgenstunden werden die acht Kühe gemolken, ehe sie anschließend im nahegelegenen Soderkaser arbeitet. Am Abend kehrt wieder Ruhe ein. Gerade diese Stunden sind es, die Hanna besonders schätzt. „Wenn der Tag erwacht oder langsam ausklingt, zeigt die Alm ihre schönste Seite“, erzählt sie.
Besonders freut sie, dass sie mit ihrer Begeisterung nicht allein ist. Auf vielen Nachbaralmen findet derzeit ebenfalls ein Generationenwechsel statt. Viele Sennerinnen und Senner sind in ihrem Alter. Diese Gemeinschaft macht für Hanna einen großen Teil des besonderen Almlebens aus. Am Zassenkaser gibt es keinen Ausschank. Hier stehen die Milchkühe im Mittelpunkt.
Für Hanna ist klar, dass zur modernen Almwirtschaft auch Information gehört. Immer wieder erlebt sie, dass Wanderer den Tieren zu nahe kommen oder deren Verhalten falsch einschätzen. „Unsere Kühe sind keine Streicheltiere. Sie brauchen Ruhe und Respekt“, sagt sie. Mit Gesprächen und Aufklärung versuchen die Almbauern, Verständnis für die Arbeit auf der Alm zu schaffen. Denn eine bewirtschaftete Alm ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, sondern vor allem Lebens- und Arbeitsraum für Menschen und Tiere.
Wegbeschreibung
Kontakt Zassenkaser:
Anton und Marion Schmiderer
Zassenbauer
Scheffsnoth 11
5090 Lofer
Tel. 0650/2803479