Zwei Almhütten und seit Jahrzehnten ein gutes Miteinander
Am Fuß des Faistenauer Schafbergs liegt die Agrargemeinschaft mit rund 150 Hektar. 14 Bauern halten insgesamt 21 Anteile, drei Hütten werden bewirtschaftet. Zwei davon stehen unmittelbar nebeneinander: die Lanznhütte von Hans und Barbara Kloiber und die Döllererhütte von Mathilde und Hans Klaushofer. Was heute wie selbstverständlich wirkt, hat als Jugendtraum begonnen. „Gema auf de Alm“, haben sich die beiden Cousins als Jungbauern vorgenommen. Sie haben den Traum in die Tat umgesetzt – und sind geblieben.
Auf der Lanznhütte wurde das alte Tred wieder aufgebaut, auf der Döllererhütte entstand eine neue Hütte. Gleichzeitig wurde die Milchwirtschaft auf der Alm wieder aufgenommen. „Dass die Almmilch beim Kontingent frei war, war für uns schon ein Anreiz“, erzählt Hans. Ganz ideal ist die Weide für Milchkühe allerdings nicht. Zu viel Borstgras macht den beiden Bauern zu schaffen. Trotzdem wurde bis zum vergangenen Sommer auf beiden Almen gemolken.
Heuer hat sich die Situation verändert. Die Döllererhütte bekommt nun auch so viel Milch wie notwendig der sieben Milchkühe von der Lanznhütte. Auf der Döllererhütte wurde auf Ochsenmast umgestellt. Für die Bewirtschaftung der Döllererhütte bedeutet das, dass weiterhin ausreichend Milch für die Verarbeitung vorhanden ist. Frischkäse, Schnittkäse, Butter und Hipfkas werden auf beiden Almen hergestellt und auf beiden Hütten angeboten. Auch kulinarisch gehen die beiden Betriebe einen gemeinsamen Weg. Besonders bekannt sind die Krapfen und Pofesen, die täglich frisch herausgebacken werden.
Dass sich die beiden Hüttenbetriebe so gut ergänzen, hat über die Jahre viele Vorteile gebracht. „Wenn einer etwas braucht, ist der andere da“, lässt sich das Verhältnis wohl am einfachsten zusammenfassen. Fast 40 Jahre nebeneinander zu wirtschaften, ohne dass daraus Streit entsteht, ist schließlich keine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil: Man hilft sich, ist froh, jemanden in unmittelbarer Nähe zu haben, wenn es notwendig ist. Auch die technischen Voraussetzungen auf der Alm haben sich verändert.
Photovoltaikanlagen sichern inzwischen die Stromversorgung. Beim Wasser zeigte sich heuer allerdings einmal mehr, wie abhängig die Almbewirtschaftung von den natürlichen Voraussetzungen ist. Über mehrere Wochen war die Situation massiv angespannt. Wasser musste vom Tal auf die Alm gebracht werden – für den Hüttenbetrieb ebenso wie für die Tiere.
Über allem steht für beiden Familien aber die Freude an ihrer Arbeit. „Der Tourismus ist für die Region von großer Bedeutung, und die Almwirtschaft bildet dabei eine unmittelbare Verbindung zwischen Landwirtschaft und Tourismus, das darf nicht abreißen. Die Menschen kommen auf die Alm, suchen die Ruhe, die gepflegte Landschaft und eine gute Jause – und bekommen gleichzeitig einen Einblick in die bäuerliche Arbeit“, ist Hans überzeugt, der jahrelang als Ortsbauer tätig war. Nicht die Größe eines Betriebes entscheidet darüber, was aus ihm wird. Entscheidend ist, was die Menschen daraus machen. Und dazu braucht es neben Arbeit und Ideen vor allem eine positive Einstellung. „Wenn man zufrieden ist mit dem, was man macht, dann passt es“, sind sich die Almbauern einig.
Wegbeschreibung
Kontakte:
Döllererhütte: Mathilde, Tel. 0664/6397776
Lanznhütte: Barbara, Tel. 0664/9487791