Wiederherstellung der Natur: Jetzt ist Zeit zum Handeln!
Der Beschluss der EU zur Wiederherstellung der Natur schwebt derzeit wie ein Damoklesschwert über der Land- und Forstwirtschaft und vielen anderen Bereichen wie Wasserwirtschaft oder Gemeinden. Was die Verordnung konkret bringen wird, ist nach wie vor relativ unklar. Beim Flachgauer Bauerntag vergangenen Sonntag in Anthering gab Dipl.-Ing. Gregor Grill einen Einblick, was uns allen blühen könnte: Wenn sich an den Bestimmungen nichts mehr ändert, dann wird die Umsetzung wohl richtig teuer und aufwendig werden. Konkret verlangen die Vorgaben der EU, dass auf Basis des Ist-Zustandes Maßnahmen zur Verbesserung in zig verschiedenen Lebensraumtypen zu machen sind. Referenz ist dabei das Jahr 1995. Allein der Klimawandel hat in dieser Zeit aber die Rahmenbedingungen zum Teil drastisch verändert. „Basis ist der aktuelle Artikel-17-Bericht, den das Umweltbundesamt im Auftrag der Bundesländer alle sechs Jahre erstellt. Bislang hatte dieser Bericht wenig praktische Bedeutung, doch nun ist er Basis für die Maßnahmen zur Erreichung der Ziele der Verordnung.“ Und dieser Bericht hat es in sich. Gregor Grill: „Der Bericht stellt aktuell fest, dass rund 80 % der bewerteten Lebensräume, die rund ein Drittel der Landesfläche abdecken, in Österreich in einem schlechten Zustand sind. Im Vergleich dazu ist z. B. in Rumänien der überwiegende Teil der Lebensräume in einem sehr guten Zustand. Man darf sich also die Frage stellen, nach welchen Kriterien diese Bewertung gemacht wurde, und gibt es hier nicht doch zwischen den Mitgliedsstaaten massive Unterschiede? In Österreich liegt der Verdacht nahe, dass beispielsweise land- und forstwirtschaftliche Flächen schlechter dargestellt werden, als sie tatsächlich sind.“ Das Bundesforschungszentrum für Wald nimmt nun im Auftrag der Agrarlandesräte die Bewertung der Waldflächen unter die Lupe, um einen Vergleich machen zu können. Tatsache ist aber, dass die Mitgliedsstaaten bereits bis September einen Vorschlag abgeben müssen, wie sie die Ziele zur Wiederherstellung der Natur erreichen wollen.
Thema in Öffentlichkeit nicht angekommen
„Das Thema der Renaturierung ist in der Öffentlichkeit noch nicht angekommen, weil es extrem vielfältig und komplex ist. Jeder, der mit dem Thema konkret beschäftigt ist, greift sich aber einfach nur auf den Kopf, was hier gefordert wird“, so Agrarlandesrat Max Aigner beim Bauerntag. Was ihm besonders sauer aufstößt, ist auch die Tatsache, dass sich die ehemalige Umweltministerin für einen Beschluss feiern lässt, der Brüssel wesentliche Entscheidungsgewalt über Grund und Boden gibt. „Man fühlt sich bei diesen Methoden zurückversetzt ins Mittelalter und wir müssen gemeinsam aufstehen und uns zur Wehr setzen, weil es so einfach nicht gehen kann“, gab sich Aigner kämpferisch.
Auch Rupert Quehenberger, der Präsident der LK Salzburg, bläst ins gleiche Horn: „Wir müssen jetzt die Frage diskutieren, welche Form der Landwirtschaft in Österreich künftig noch möglich sein soll. Wenn die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln scheinbar allen so wichtig ist, muss man den Bäuerinnen und Bauern auch die Möglichkeit geben, dass sie ihr Land auch tatsächlich bewirtschaften können. Wenn wir in Salzburg die teils seit Hunderten Jahren trockengelegten Feuchtgebiete wieder vernässen müssen, dann können wir die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln vergessen.“
Gregor Grill - Landwirtschaftskammer Salzburg
"Laut Bericht des Umweltbundesamtes sind 80 % der Lebensräume in Österreich in einem schlechten Zustand. Die Kriterien dieser Bewertung sind für uns nicht nachvollziehbar."
GAP-Gelder abzweigen ist unakzeptabel
Für Quehenberger ist es wichtig, dass in der künftigen GAP die finanziellen Mittel für die Bäuerinnen und Bauern zweckgebunden werden. „Es ist nicht entscheidend, ob es künftig eine oder zwei Säulen gibt. Wenn manche aber glauben, dass sie die Gelder der Landwirtschaft für die Wiederherstellung der Natur abzweigen können, dann werden wir in Brüssel erneut aufmarschieren und lautstark klar machen, dass man mit den Bäuerinnen und Bauern so nicht umgehen kann.“
Bezirksbauernkammerobmann Michael Schmidhuber führte am Sonntag gekonnt durch das Programm des Bauerntages und zog bereits zu Beginn eine Bilanz über das vergangene Jahr. Im Flachgau beschäftigte das Seuchengeschehen dabei ebenso die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie die vielen Beratungen und Fördermaßnahmen. Vor allem der Förderstopp in der LE-Investförderung sei bitter, aber auch abzusehen gewesen. Schmidhuber: „Wir haben in den vergangenen drei Jahren rund 1.000 Anträge in der LE und 70 in der Landes-Investförderung abgewickelt. Alleine an diesen Zahlen wird sichtbar, dass die Bäuerinnen und Bauern im Flachgau bereit sind, in die Zukunft der Betriebe zu investieren.“ In der Interessenvertretung reichten die Themen vom Verfahren des ÖBB-Bahntunnels über das REK in der Stadt Salzburg bis hin zu Problemen mit Biber, Graugänsen und Schwänen. Schmidhuber: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten hier sehr gute Arbeit.“
Bezirksbäuerin Nicole Leitner gab einen kurzen Einblick in die vielen Aktivitäten zum Jahr der Bäuerin. Ein besonderes Anliegen ist ihr, die bäuerlichen Familien widerstandsfähiger gegen Krisen zu machen. Leitner: „Es ist ungemein wichtig vorbereitet zu sein, wenn was passiert. Oft haben nur einzelne Personen am Betrieb die wesentlichen Informationen zu Betriebsabläufen. Wenn diese ausfallen, dann hat das enorme Auswirkungen.“ In den kommenden Monaten soll über das Vorsorgeprojekt informiert werden. Mit einbinden will sie hier die Schulen, die aus Sicht von Leitner eine ganz wichtig Säule sind, um die Betriebe für die Zukunft gut aufzustellen.