Wie kann Stroh Grundfutter ersetzen?
Stroh gezielt einsetzen: Grundfutter sinnvoll strecken
Stroh ist sehr energie-, protein- und mineralstoffarm. Deshalb muss die Ration deutlich abgeändert werden. Je höher der Strohanteil in der Ration ist, umso wichtiger wird die Vermeidung der Futterselektion - also die gezielte Nichtaufnahme von Stroh bzw. das Heraussuchen von Kraftfutter. Kurzer Schnitt wird bei höheren Einsatzmengen immer wichtiger. Hinsichtlich Futterhygiene (Verpilzung) gibt es heuer nur selten Probleme. Der erhöhte Wasserbedarf ist unbedingt zu bewerkstelligen.
Milchvieh: Stroh nur gezielt einsetzen
Hochleistende Kühe benötigen energiereiche und gut verdauliche Rationen. Zu hohe Strohmengen können die Futteraufnahme und Milchleistung beeinträchtigen. Stroh wird vielfach wegen seiner Strukturwirkung eingemischt, es eignet sich aber auch bedingt zur Futterstreckung. Eine Menge über 2,5 kg sollte vermieden werden.
Bei Kühen mit geringerer Leistung und in der ersten Hälfte der Trockenstehzeit sind deutlich höhere Mengen über 4 kg je Tag möglich.
Mutterkühe: Gute Einsatzmöglichkeiten
Bei Mutterkühen eignet sich Stroh aufgrund des geringeren Nährstoffbedarfs besser zur Streckung knapper Grundfuttervorräte. Einsatzmengen von 50% des Grundfutters sind einfach möglich, in der nichtlaktierenden Zeit ist sogar eine reine Stroh-Kraftfutterration möglich. In der Hochträchtigkeit und bei laktierenden Kühen ist aber unbedingt auf eine ausreichende Energie- und Proteinversorgung zu achten. Auch die Mineralstoffergänzung muss deutlich erhöht werden - auf ca. 15 dag je Tier und Tag.
Rindermast: Maisqualität entscheidet
Auch in der Rindermast kann Stroh zur Entlastung der Grundfuttervorräte beitragen. Stroh ist wertvoll zur Strukturergänzung und in allen Mastabschnitten. Häufig ist bei Strohzulage von 0,2 - 1,0 kg eine steigende Gesamtfutteraufnahme zu beachten. Überhöhte Strohmengen von über 1,5 kg können aber die Gesamtfutteraufnahme reduzieren.
Jungviehaufzucht: Eine interessante Möglichkeit
Bei der Jungviehaufzucht können Stroh und Kraftfutter die gesamte Grundfutterversorgung bewerkstelligen und ist bei den Aufzuchtrindern sogar einer Mischung mit anderem Grundfutter zu bevorzugen. Bei Jungvieh nach dem Absetzen ist auf den deutlich höheren Proteinbedarf zu achten. Bis zum 9. Monat ist deshalb eine separate Ration mit höherem Rohproteingehalt notwendig.
Kälber: Perfekt in der TMR
Stroh wird sehr gerne anstelle von Heu zur Erstellung von Kälber-TMR verwendet. Es ist hygienisch häufig besser und deshalb hinsichtlich Immunreaktion weniger riskant. Gerstenstroh wird lieber gefressen, es soll aber kurz gehäckselt sein - es gilt die Regel "halbe Maulbreite". Von der Geburt bis zum Absetzen kann man mit Stroh gänzlich das Heu ersetzen. Abgestimmte Energie- Protein und Mineralstoffversorgung muss unbedingt gegeben sein. Übliche Einmischraten von Stroh in die TMR sind 15 - 20%.
Futterhygiene entscheidet über Einsatzmöglichkeit
Die heurigen Witterungsbedingungen haben Verpilzungen und Toxinbildung gehemmt. Zu frühes Pressen oder Lagerung im Freien können leider trotzdem Verpilzungen verursacht haben. Es ist also trotzdem die Hygiene nicht immer unbedenklich. Zur Absicherung, bei Verdacht auf Mangel und zum Zweck der Reklamation können Futterproben gerne im Futtermittellabor Rosenau auf deren mikrobiologischen Zustand geprüft werden.
Rationsberechnung ist unumgänglich
Aufgrund der für unsere Gebiete untypischen Strohrationen fehlt das Gefühl der notwendigen Stroh-, Kraftfutter- und Mineralfuttermengen. Es sind Kraftfuttermengen von deutlich über 4 kg sowie Mineralfuttermengen von ca. 15 dag möglich bzw. oft notwendig. Rationsberechnungen können selbst mit Rationsberechnungsprogrammen wie z.B. dem Triesdorfer Rationsprogramm oder durch Fütterungsberater der Landwirtschaftskammern oder Futtermittelunternehmen durchgeführt werden. Ohne genaue Abstimmung der Komponenten sind mittelfristige Schäden zu erwarten.