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Wie begegnet man der weltweiten Milchschwemme?

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25.02.2026 | von Wolfgang Dürnberger

Weltweit ist deutlich zu viel Milch am Markt. Gute Rezepte, wie man der Milchschwemme entkommen könnte, fehlen. Hoffnung gibt die Situation bei Biomilch. Das geringe Angebot sorgt hier für hohe Zuschläge. Genau das könnte aber auch hier zur Gefahr werden.

Wie begegnet man der  weltweiten Milchschwemme?.png © AdobeStock
© AdobeStock

Angesichts dramatischer Preisrückgänge klammern sich viele in der Milchbranche selbst an kleine Strohhalme. „Im internationalen Handel mit Milchprodukten hat sich die freundliche Stimmung in der zweiten Februarhälfte fortgesetzt. Bereits zu Jahresbeginn konnten sich die Kurse stabilisieren und legten seither teils kräftig zu“, kommentierte der Verband der Milcherzeuger Bayern vergangenen Mittwoch die jüngste Auktion für Milchprodukte in Neuseeland. Und doch ist eine echte Trendwende zumindest im konventionellen Bereich nicht in Sicht. „Dafür ist schlichtweg zu viel Milch am Markt, nicht nur in Österreich, sondern weltweit“, so der Geschäftsführer der SalzburgMilch, Andreas Gasteiger. Trotz aller Hoffnungen werden wohl mit März wieder viele Verarbeiter quer über den Globus die Auszahlungspreise für Rohmilch senken (müssen). In einigen EU-Ländern haben die Erzeugerpreise seit Mitte des Vorjahres um mehr als ein Drittel nachgegeben. So lag laut European Milk Board (EMB) der Milchpreis in Irland im August 2025 bei 54 Cent/Liter – nun tendiere er Richtung 33 Cent. In Belgien sind die Preise innerhalb eines Jahres um 16 Cent auf aktuell nur 40 Cent gefallen, weitere Senkungen wurden bereits angekündigt. In Bayern wird für März die 40-Cent-Mindestmarke bei den meisten Molkereien halten – im Norden Deutschlands waren im Februar hingegen 37 Cent angesagt, in Westdeutschland 38 Cent (netto, jeweils bei 4 % Fett).

Wie begegnet man der  weltweiten Milchschwemme?.jpg © Archiv

Rupert Quehenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg

Wenn wir in Österreich derzeit höhere Erzeugerpreise haben als in anderen europäischen Ländern, dann kann unser System nicht ganz falsch sein.

In Österreich deutlich höhere Erzeugerpreise

In Österreich und Salzburg sieht die Erzeugerpreissituation besser aus. Die großen Molkereien haben laut AMA im Jänner den Auszahlungspreis im Schnitt um 3,6 ct/kg gesenkt. Die Agrarmarkt Aust­ria schätzt den Erzeugermilchpreis für Jänner 2026 auf 52,60 ct/kg (Durchschnitt aller Qualitäten und Inhaltsstoffe). Die SalzburgMilch hat im Februar den Bäuerinnen und Bauern 45 Cent je Kilogramm für gentechnikfreie Milch überwiesen, Woerle 48,6 Cent. Wesentlich höher liegen aktuell die Auszahlungspreise für Biomilch. Hier gibt es einen Zuschlag von mindestens 17 Cent je Kilogramm. Damit liegen beide Verarbeiter deutlich über dem Niveau, das aktuell den Bäuerinnen und Bauern in anderen EU-Ländern geboten wird.

„Natürlich ist der Ärger über die Senkung der Erzeugermilchpreise auch bei uns hoch und verständlich. Im internationalen Vergleich sieht man aber auch, dass unsere Verarbeiter keine radikalen Preisschnitte vorgenommen haben und sehr knapp kalkulieren, um möglichst viel auszahlen zu können“, so der Präsident der LK Salzburg, Rupert Quehenberger. Aktuell wieder aufgeflammte Forderungen nach einem freiwilligen Lieferverzicht oder der Einführung einer A-B-C-Quote nach Schweizer Modell begeistern ihn nicht: „Wenn wir in Österreich derzeit deutlich höhere Erzeugerpreise haben als in anderen europäischen Ländern, dann kann unser System nicht ganz falsch sein.“

Salzburg profitiert besonders auch davon, dass der Markt für Biomilch derzeit klar besser läuft. Die Gefahr, die hier manche sehen, ist, dass die Preisschere zwischen Bio- und konventioneller Milch immer weiter auseinanderklafft. Wird der Aufpreis für Bio zu hoch, dürfte dies die Nachfrage dämpfen – das hat sich auch in der Vergangenheit gezeigt. Dass es am Bio-Milchmarkt derzeit keine Überproduktion gibt, hängt wohl auch damit zusammen, dass in den vergangenen Jahren Betriebe aufgrund der restriktiven Weideauflagen ausgestiegen sind. In Deutschland könnte dieser Schritt 2027 bevorstehen. Die vom neuen EU-Agrarkommissar Christophe Hansen in Aussicht gestellten Erleichterungen für die Bio-Weidehaltung haben sich zerstreut.

Wie begegnet man der  weltweiten Milchschwemme?.jpg © Archiv

Andreas Gasteiger, Geschäftsführer SalzburgMilch: „Versandmilch fast schon geschenkt

Wir bewerten jeden Monat neu. Wenn die Entwicklung so anhält, dann werden wir die Milchpreise nicht auf diesem Niveau halten können. Derzeit hilft jeder nicht gelieferte Liter Milch, das verlustbringende Überschussgeschäft zu verringern und die Milchpreise zu stabilisieren. Wir müssen im Monat 2,5 Millionen Liter Milch zusätzlich verwerten. Das Problem dabei ist, dass europa- und weltweit mehr Milch produziert wird, als der Markt aufnehmen kann. Die Folge sind Versandmilchpreise von aktuell fünf bis sieben Cent je Liter Magermilch. Für ein Kilogramm Gouda erhält man als Erzeuger im freien Handel 2,70 Euro. Das schlägt deutlich auf die Erzeugerpreise durch.“ Im Februar hat die SalzburgMilch für gentechnikfreie Milch 45 Cent brutto bezahlt, für Biomilch gibt es Aufschläge von 17 bzw. 23 Cent brutto (Bio-Heumilch). Für März rechnet man erneut mit einer leichten Preisanpassung nach unten. 

„Durchtauchen“ als einzige Chance?

Wie es auf den konventionellen Milchmärkten weitergehen wird, ist hingegen völlig unklar. Der Milchversand ist weiterhin ein Minusgeschäft, für Magermilch sind derzeit nur zwischen fünf und sieben Cent je Liter zu erlösen. Manche Molkereien versuchen mit Tiefpreisangeboten etwa bei H-Milch, die Lager etws zu leeren. Deutsche H-Milch um 99 Cent je Liter bei Lidl Tirol ließ erst kürzlich die Bauernvertreter auf die Barrikaden steigen. Beinahe gleichzeitig kassierte eine österreichische Molkerei Schelte in Deutschland, weil sie H-Milch unter einer Handelseigenmarke um 79 Cent ins Regal stellte. 

Fazit: Spürbare Verbesserungen wird es wohl erst geben, wenn weltweit die Anlieferungsmengen sinken. Ein freiwilliger Lieferverzicht in einzelnen Ländern wird dafür allerdings nicht ausreichen.

Wie begegnet man der  weltweiten Milchschwemme?.jpg © Archiv

Gerrit Woerle, Inhaber der Käserei Woerle in Henndorf: Starker Euro und Zölle belasten

„Unsere Bäuerinnen und Bauern haben ebenfalls die Anlieferung gesteigert. Bei den Versammlungen in den vergangenen Wochen war dies ein wichtiges Thema. Die Lage auf den Märkten ist extrem angespannt, der Druck auf die Preise groß. Viele Mitbewerber versuchen ihre Lager mithilfe von Rabatten zu leeren. Es stimmt mich sehr nachdenklich, wenn jetzt vieles zu Billigstpreisen verramscht wird. Neben dem starken Euro erschweren uns auch Zölle den Export nach China oder in die USA. Im Biobereich gibt es grundsätzlich eine bessere Nachfrage und die Preise sind hier stabiler. Sollte der Preisunterschied zu konventionellen Produkten aber weiter steigen, so könnte das die Nachfrage dämpfen.“ Im Februar hat man bei Woerle für gentechnikfreie Milch 48,6 Cent brutto ausbezahlt, der Bioaufschlag beträgt 19 Cent. Mit März ist allerdings eine weitere Anpassung nach unten notwendig. 

Zu viel Milch auch in der Schweiz

In Österreich wird wieder einmal das Schweizer Milchmodell als möglicher Ausweg diskutiert. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, dass es den Schweizer Bäuerinnen und Bauern ebenfalls nicht gut geht. Erstmals seit Jahren handeln die Eidgenossen wieder sogenannte C-Milch. Das ist jene Milchmenge, die über die vertraglich vereinbarte Menge von A- und B-Milch hinaus produziert wird. Den Bäuerinnen und Bauern wird sie besonders gering vergütet, gleichzeitig muss die Milchbranche aus einem Fonds deutlich zuzahlen, um den Überschuss auf den weltweiten Märkten abzusetzen. Auch der Preis für A- und B-Milch gab zuletzt nach. Die sehr geringen Preise der C-Milch (im Jänner 23,36 Rappen) konnte laut Branchenorganisation Milch die Milchproduktion nicht eindämmen. Die Botschaft daher an die Schweizer Milchproduzenten: Produziert weniger Milch, die Verarbeitungskapazitäten sind ausgeschöpft! Das führte zuletzt sogar dazu, dass Betriebe ihre Milch entsorgen mussten, weil sie nicht mehr abgeholt wurde. Dass einige Schweizer Milchverarbeiter wie Mondelez weiterhin Milchpulver und Fett importieren, sorgt aktuell für Aufregung.

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