Wenn die Dürre geht, bleiben die Schäden
Aus den Augen, aus dem Sinn“ – während kaum ein Medium mehr darüber berichtet und die meisten Menschen die vergangene Dürre als abgeschlossen betrachten, sind die Folgen des Rekordsommers noch immer spürbar und beschäftigen die Landwirte weiterhin.
Ein Lokalaugenschein am Di, dem 15. September in St. Georgen bei Salzburg offenbarte nun die langfristigen Auswirkungen. Die Gemeinde im Nordwesten Salzburgs war von der lang anhaltenden Trockenheit besonders betroffen. Von Juli bis Anfang September fielen lediglich 154 mm Niederschlag. Der dreißigjährige Jahresniederschlagsdurchschnitt beträgt bis Ende August knapp 860 mm. In diesem Jahr fehlte fast die Hälfte der üblichen Regenmenge. Aufgrund des hohen Sandanteils im Boden neigen diese grundsätzlich günstigen Lagen zu geringer Wasserspeicherkraft und hoher Durchlässigkeit.
Viele Futtergräser sind verschwunden. Ausläufertreibende Unkräuter wie die Gundelrebe oder einjährige Hirsearten breiteten sich in den lückigen Beständen quadratmeterweise aus. Ohne Eingriff kann sich diese Grasnarbe nicht mehr von selbst erholen.
Oberboden gleicht „verbrannter Erde“
Wenn die Hauptgräser und deren Beschattung ausfallen, erwärmt sich der Oberboden um ein Vielfaches. „Messungen haben ergeben, dass die Temperaturen bei einem nicht mehr begrünten Boden an Hitzetagen auf über 45 °C ansteigen“, erklärt Matthias Greisberger, Grünlandreferent der LK Salzburg, und fügt hinzu: „Die Aktivität von Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen nimmt stark ab. Dadurch werden Nährstoff- und Kohlenstoffkreisläufe gestört.“ Die Oberbodenstruktur wird „mürbe“ – oftmals hilft nur noch eine Durchmischung, also eine Neuanlage.
Neuanlage oder Nachsaat?
„In den nördlichen Landesteilen sind nach Erfahrungsberichten der örtlichen Landwirte Neuanlagen noch möglich. Im restlichen Salzburg können in milden Lagen jetzt noch Nachsaaten durchgeführt werden. Es gilt, auf geschädigten Flächen im Herbst für das Frühjahr vorzusorgen, auch wenn das Risiko eines Schadens durch erste Fröste steigt“, appelliert Greisberger.
Neuanlage
Bei großen Dürreschäden oder Verunkrautungen und unter Berücksichtigung möglicher ÖPUL-Beschränkungen (HBG) können vor allem in den nördlichen Landesteilen noch in diesem Jahr Neuanlagen durchgeführt werden. Dabei sollten Mischungen mit trockenheitstoleranten Gräsern wie Knaulgras, Wiesenschweidel, Rohrschwingel oder Wiesenrispe sowie Mattenrotklee verwendet werden. Bei der Wiesenrispe ist zu beachten, dass sie ein wenig ausgeprägtes Jugendwachstum besitzt. Eine Deckfrucht wie 40 bis 60 kg Winterrogen kann ebenfalls mit eingesät werden. Das Getreide keimt und begrünt die Fläche rasch und bringt im Frühjahr zeitig Futter.
Bei HBG-Betrieben ist eine Neuanlage bei Schädlingsbefall möglich. Es ist aber unbedingt erforderlich, vor den Maßnahmen einige sogenannte „georeferenzierte“ Fotos des Schädlingsbefalls zu erstellen. Wichtig ist, dass auf den Fotos beispielsweise ein Gebäude oder ein nachvollziehbares Orthofoto vorhanden ist, das den Standort bezeugt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, für die Dokumentation direkt die AMA-Foto-App zu verwenden.
Nachsaat
Außerhalb des Flachgaus wird aufgrund der fortgeschrittenen Vegetationszeit zu keiner Neuanlage mehr geraten. Bevor eine Nachsaat vorgenommen wird, sollten die Unkräuter durch scharfes Ausstriegeln weitgehend entfernt werden. Nach dem Abtransport sollten je nach Lückigkeit 15 bis 20 kg einer standort- und nutzungsangepassten Nachsaatmischung oberflächlich eingesät werden. Ein Einschlitzen der Grünlandsämereien sollte keinesfalls tiefer als 1 cm erfolgen: „Bei zu tiefer Ablage bleibt ein Kümmerling immer ein Kümmerling, da der Keimling zu viel Energie schon im Jugendwachstum benötigt, bevor er – wenn überhaupt – die Erdoberfläche erreicht“, so Greisberger.
Umbau des Grünlandbestandes
Trockene, heiße Sommer werden voraussichtlich auch in Zukunft keine Seltenheit bleiben. Die Arten- und Sortenzusammensetzungen werden sich den neuen klimatischen Bedingungen anpassen müssen. Trockenheitstolerante Gräser sowie Feldfuttersämereien wie z. B. Rotklee-Luzerne-Mischungen werden künftig immer mehr an Bedeutung gewinnen, um die Erträge stabilisieren zu können.