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Späte Sorten gezielt etablieren und die „Kuh-KI“ nützen

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15.07.2026 | von Michael Hatheier

Die Qualität des Grundfutters ist ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit in der Milchviehhaltung. Beim Grünlandworkshop des Arbeitskreises Milch zeigte Grünlandexperte Hans Koch auf, wie Betriebe durch gezieltes Grünlandmanagement und die richtige Bestandsführung Erträge und Futterqualität nachhaltig verbessern können.

Späte Sorten gezielt etablieren und die  Kuh-KI  nützen.jpg © Pfuner
Die Flächen im Blick: Den Bestand und den Boden bestimmen und bewerten zu können, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, gilt als Nährboden für eine positive Entwicklung des Grünlandes und des Betriebes. © Pfuner

Grundfutterleistung und -qualität sind die Basis der Wirtschaftlichkeit in der Milchvieh-
haltung. „Das Grundfutter ist die einzige beeinflussbare Größe am eigenen Betrieb! Jeder hat es selbst in der Hand und kann seinen Fokus auf 7.000 bis 8.000 l Milch aus Grundfutter mit zusätzlich hoher Futtereffizienz legen“, macht der Grünlandexperte die Teilnehmer des Grünlandworkshops des Arbeitskreises Milch nachdenklich. Eine Einkommenssteigerung durch die Verbesserung des Grünlandes ist keine Frage von Bio oder konventionell, es ist die Entscheidung eines jeden Einzelnen, die gute landwirtschaftliche Praxis, wie es sie seit mehr als hundert Jahren gibt, umzusetzen und anzuwenden. 

Späte Sorten gezielt etablieren und die  Kuh-KI  nützen.jpg © Pfuner
Der Boden braucht eine gute Struktur (Krümelbildung), damit Humus aufgebaut werden kann. © Pfuner

Die „Ist-Situation“ ist die Basis

Den Ausgangspunkt bildet die Frage: Wo steht mein Betrieb mit seinem Boden, den Inhaltsstoffen des Futters und mit der Düngung? Eine Antwort erhält nur, wer über eine Analyse von Boden, Futter und Dünger verfügt, denn nur dann kann objektiv beurteilt werden, wie die Nährstoffe verteilt sind, ob sie im richtigen Verhältnis
zueinander zur Verfügung stehen, wo Defizite sind oder ob es einen Überhang gibt. Dies zeigt lediglich die Ist-Situation an. 
„Eine Nachsaat ist nur sinnvoll, wenn der pH-Wert des Bodens im neutralen Bereich ist! Die Nachsaat läuft zwar mit Sicherheit auf, kann sich aber nur auf neutralem Boden etablieren.“ Maßnahmen auf das Geratewohl zu setzen, hilft nicht, sondern schadet im Gegenteil dem Geldbeutel. 
Der Zustand des Bodens ist die Grundlage jeder Leistung im landwirtschaftlichen Betrieb. Gezielte Maßnahmen können nur mit Hilfe von Bodenuntersuchungen, Gülleanalysen und Futteranalysen gesetzt werden. 
Der Boden braucht eine gute Struktur (Krümelbildung), damit Humus aufgebaut werden kann, der Wasserhaushalt funktioniert und so ein aktives Bodenleben geschaffen wird. Die Aufgabe des Landwirts ist, Wurzelmasse in den Boden zu bringen, und hier schließt sich der Kreis: Humusbildung erfolgt durch Ertrag und Nutzung! Mittlerweile hat sich die Nutzung des Grünlands weiter ins Frühjahr verschoben und es ist vor allem für die Futterqualität entscheidend, sich auf die geänderten Verhältnisse durch einen angepassten Erntezeitpunkt einzustellen. Aber nur wenn Boden, Bestand und Düngung stimmen, können stabile Erträge und Futterqualität gesichert werden. Auch dazu hat der Grünlandexperte eine eindeutige Meinung: „Zwei Schnitte müssen innerhalb von 65 Tagen erfolgen. Machen wir das nicht, arbeiten wir gegen das Tierwohl!“ Überständiges Gras füllt zwar den Pansen, ist aber in keiner Weise wirksam, sondern nimmt dem Futter Platz im Pansen weg, welches tatsächlich zur Milchproduktion und zur Gesunderhaltung der Milchkuh dient. 

Späte Sorten gezielt etablieren und die  Kuh-KI  nützen.jpg © Koch
© Koch

Gesetz vom Minimum

Der Nährstoff im Minimum begrenzt den Ertrag. Wichtig sind eine ausgewogene Versorgung und korrekte Nährstoffverhältnisse. Sich auf Standardwerte zu verlassen, ist wenig hilfreich und sehr ungenau, da die Nährstoffgehalte zum Beispiel in der Gülle stark variieren (z. B. Stickstoff 1,7 bis 8,3). Optimale Nährstoffverhältnisse im Futter sind folgende: 

  • Stickstoff zu Schwefel: 7 bis 12:1    
  • Kalium zu Natrium: 10 bis 20:1
  • Kalzium zu Phosphor: 1 bis 3,5:1    
  • Kalium zu Magnesium: 10:1

Diese sind entscheidend für die Tiergesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere, egal ob Milch oder Fleisch produziert wird. Ist das Kalium-Magnesium-Verhältnis weiter, wird es Kühe in der Herde geben, die einen latenten Muskelkater entwickeln, und sie bewegen sich nicht gerne. Für den Boden selbst gilt: Wenn die Kalziumwerte stimmen und das Verhältnis zu Magnesium, kommt automatisch mehr Wasser in den Boden. Bei den Pflanzen wirkt sich das richtige Verhältnis zum Beispiel auf die Gemeine Rispe aus. Sie ist ein Kalzium- und Natrium-Flüchter. Der Ampfer keimt ab 90 g Kalzium im Boden nicht mehr – ein beachtenswerter positiver Seiteneffekt. 

Späte Sorten etablieren lassen

Mit hochwertigem Gras lässt sich die Grundfutterleistung steigern: eine Tonne Trockenmasse kann bis zu 1.785 kg Milch erzeugen und ersetzt zusätzlich Kraftfutter. Jeder kann die richtigen Gräser für seinen Betrieb im Bestand etablieren. „Alles unter Futterwertzahl 7 gehört nicht in die Ration einer Milchkuh!“,  ist für Koch ganz klar. Man sollte auf den Futterwert der Gräser schauen und vor allem auf den Blühbeginn! Späte Sorten können vor dem Rispenschieben geerntet werden. Sie bleiben mit der optimalen Nährstoffrückführung durch Düngung auf einem optimal versorgten Boden. Die Befürchtung, auf diese Weise keine Struktur im Futter zu haben, kann durch das Wissen, wie sich Kalzium in der Pflanze einlagert, genommen werden: Kalzium dient der Blattzelle zur Stabilisation und ist innerhalb der Pflanze schwer beweglich, es bleibt hauptsächlich im ersten Blatt. Kalzium ist zwar für die Struktur nicht relevant, aber für die Pansenmotorik. Aus diesem Grund funktioniert die Kurzrasenweide. 

Späte Sorten gezielt etablieren und die  Kuh-KI  nützen.jpg © Hatheier
Rinder selektieren unliebsame Gräser. © Hatheier

Die „Kuh-Intelligenz“ ist ein Indikator

Konsequente Maßnahmen im Grünlandmanagement entscheiden auf lange Sicht über den wirtschaftlichen Erfolg. Boden, Nährstoffe, Pflanzen und Tiere müssen im Gleichgewicht sein. Mit den Ergebnissen kann es allerdings dauern! Hier ist Geduld gefragt! Was in 30 Jahren verabsäumt wurde, kann nicht in einem Jahr
wiedergutgemacht werden!

Ein Tipp von Hans Koch: „Zukünftig für eine bessere Produktion auf KI setzen!“ Damit meint der Experte allerdings nicht die künstliche Intelligenz, sondern die „Kuh-Intelligenz“. „Schaut euren Kühen beim Grasen zu und findet heraus, was sie ausselektieren. Das sind Gräser, die sie nicht mögen, und die sollten dann auch aus dem Bestand verschwinden! Wer lässt sich schon gerne Nahrungsmittel täglich ins Mittagessen mischen, die er nicht mag? Die Kühe bekommen, was wächst.“ Sollte es dann nicht so aussehen, dass sie alles mit Vorliebe fressen?

Späte Sorten gezielt etablieren und die  Kuh-KI  nützen.jpg © Pfuner

Martina Mühlbauer und Josef Leitner, aus Piesendorf Mitglieder AK Milch

"Die eigenen Zahlen zu kennen und jährlich Rückschau sowie Ausblick zu halten ist unsere Motivation als AK-Mitglieder. Die Veranstaltungen sind jedes Mal ein Gewinn! Wir können uns immer etwas mitnehmen. Vor allem der Austausch mit den Berufskollegen ist sehr wertvoll, auch abseits der fachlichen Fragen. Es herrscht Verständnis und Vertrauen untereinander. Der Blickwinkel wird erweitert, man kommt raus aus seinem Betrieb und kann eine kleine Auszeit genießen. Die Mitgliedschaft beim AK Milch können wir nur empfehlen!"

Kontakt

Eine Teilnahme beim Arbeitskreis Milch ist jederzeit möglich. Mehr Informationen unter Tel. 050/2595-3253 oder per E-Mail unter klara.lankmayer@lk-salzburg.at. 

Kontakt

  • Klara Lankmayer
    Klara Lankmayer
    klara.lankmayer@lk-salzburg.at
    T 050/2595-3253
  • Sandra Pfuner
    LWOI Dipl.-Ing. (FH) Sandra Pfuner, ABL
    sandra.pfuner@lk-salzburg.at
    T 050/2595-3596
    M 0664/6025954596

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