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Spielregeln auf den Märkten ins Lot bringen

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21.01.2026

Im Rahmen der „Internationalen Grünen Woche“ in Berlin war die Neugestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2027 das große Thema. Als Ausgleich für das Mercosur-Abkommen wird der Ruf nach einer klaren Herkunftskennzeichnung immer lauter.

Herkunftskennzeichnung.jpg © AdobeStock
Gasthausteller sind in puncto Herkunftskennzeichnung ein blinder Fleck. Große Mengen importierter Lebensmittel gelangen anonym in die Gastronomie, ohne dass Gäste darüber informiert werden. © AdobeStock

Für Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, LK-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger und den Obmann des Landwirtschaftsausschusses, Georg Strasser, steht jetzt die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft am Spiel. Totschnig: „Sinkende Erzeugerpreise, steigender Wettbewerb und wachsende bürokratische Auflagen belasten Europas Bäuerinnen und Bauern zunehmend. Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch das neue Handelsabkommen Mercosur, das den Konkurrenzdruck durch ein Freihandelsabkommen mit einem agrarischen Billigproduzenten mit schlechteren Produktionsstandards weiter erhöht.“

Totschnig.jpg © Bundesministerium
© Bundesministerium

Herkunft klar kennzeichnen

Totschnig verlangt daher eine klare Herkunftskennzeichnung für einen fairen Wettbewerb: Wir stellen hochwertige Lebensmittel her. Wenn südamerikanische Ware mit österreichischen Qualitätsprodukten konkurriert, müssen Konsumentinnen und Konsumenten auf einen Blick erkennen können, woher ein Produkt stammt“, so der Minister. Daher fordert er eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der gesamten EU. „Herkunftskennzeichnung ist kein Detail, sondern ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Wer nach höchsten Standards produziert, muss im Regal auch sichtbar und wählbar sein“, ergänzt er.

Herkunftskennzeichnung.jpg © AdobeStock
61 Prozent des angebotenen Schweinefleisches kommen aus Spanien und anderen Ländern. Der Anteil von Qualitätsschweinefleisch mit AMA-Gütesiegel liegt bei nur mageren 20 Prozent © AdobeStock

Mehr Fairness bei Standards gefordert

„Versorgungssicherheit ist Sicherheit, was gerade in diesen weltpolitisch turbulenten Zeiten berücksichtigt werden sollte. Die EU-Kommission muss daher dringend handeln, um die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfitness der europäischen Landwirtschaft wieder zu verbessern. Derzeit sorgt sie nämlich verstärkt für minderqualitative und dadurch billigere Konkurrenzprodukte bei gleichzeitiger Verteuerung zent­raler Betriebsmittel wie Dünger. So geht es nicht weiter“, kritisiert LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger, der sich für vergleichbare Standards bei Importprodukten, echte Vereinfachungen statt kosmetischer Korrekturen und Zukunftsperspektiven für die bäuerlichen Familienbetriebe ausspricht.

Schleuderpreise gefährden Existenzen

Der Obmann des Landwirtschaftsausschusses, Dipl.-Ing. Georg Strasser: „Wenn der Handel weiter auf Schleuderpreise setzt, sperren Betriebe zu und die Produktion wandert ab. Für Konsumentinnen und Konsumenten sind das an der Kasse oft nur wenige Cent, für unsere Bauernfamilien geht es um Existenzen. Beste heimische Lebensmittel gibt es nicht zum Nulltarif. Es geht um einen fairen Anteil der Bäuerinnen und Bauern am Verkaufspreis. Wer täglich beste Qualität aus Österreich, kurze Wege und hohe Standards will, muss anerkennen, dass Lebensmittel einen Wert haben. Rabattschlachten bei Grundnahrungsmitteln dürfen nicht länger Geschäftsmodell sein.“

Aigner.jpg © Dürnberger

Landesrat, Maximilian Aigner: „Es braucht faire Spielregeln“

„Der Austausch mit meinen österreichischen und europäischen Amtskollegen auf der „Grünen Woche“ in Berlin zeigt klar: 2026 ist ein Jahr der Weichenstellungen und der Chancen für die europäische Landwirtschaft. Jetzt wird entschieden, wie die nächste Gemeinsame Agrarpolitik aussieht und wie das EU-Budget gestaltet wird“, so der neue Salzburger Agrarlandesrat Max Aigner. Er will sich auf EU-Ebene konsequent für ein ausreichend dotiertes und zweckgebundenes Agrarbudget, den Erhalt der ländlichen Entwicklung sowie für verlässliche Rahmenbedingungen und Stabilität für unsere bäuerlichen Familienbetriebe einsetzen. Gleichzeitig gelte: Fairer Wettbewerb braucht klare Regeln. Aigner: „Wenn südamerikanische Ware mit österreichischen Qualitätsprodukten konkurriert, müssen Konsumentinnen und Konsumenten auf einen Blick erkennen können, woher ein Produkt stammt. Darum fordere ich eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung. Denn wer sich bewusst für regionale Qualität entscheidet, stärkt unsere Landwirtschaft und den ländlichen Raum.“

Quehenberger_Rupert_2025@Horn.jpg © Archiv

Präsident der LK Salzburg, Rupert Quehenberger: Wissen, wo‘s herkommt - Herkunftskennzeichnung bringt Transparenz

„Konsumenten wollen wissen, was auf ihrem Teller liegt“, betont Rupert Quehenberger, Präsident der LK Salzburg, und fügt hinzu: „Herkunftskennzeichnung darf in der Gastronomie nicht die Kür sein, sie muss zur Pflicht werden.“ Große Mengen importierter Lebensmittel gelangen anonym in die Gastronomie, ohne dass Gäste darüber informiert werden. „Viele Menschen gehen davon aus, heimische Qualität zu bekommen. Hier fehlt es an Transparenz“, so Quehenberger. Österreichs Landwirte produzieren nach höchsten Standards bei Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz. Diese Qualität hat ihren Preis, gerät aber durch steigende Importe und internationale Handelsabkommen wie Mercosur zunehmend unter Druck. „Wer nach strengsten Standards produziert, muss für Konsumenten sichtbar und wählbar sein“, unterstreicht Quehenberger.  

Nur mit transparenter Kennzeichnung können Gäste bewusst zu heimischer Qualität greifen. Quehenberger verweist dabei auf positive Beispiele, wie etwa das SalzburgerLand-Herkunftszertifikat. „Hier gehen viele Betriebe mit gutem Beispiel voran und verwenden regionale Produkte. Das stärkt die Wertschöpfung, sichert Arbeitsplätze und gibt bäuerlichen Familienbetrieben eine Perspektive. Gleichzeitig profitieren jene Gastronomen, die bereits heute offen kommunizieren.“

Präsident der LK Steiermark, Andreas Steinegger: Wissen, wo‘s herkommt - Herkunftskennzeichnung bringt Transparenz

61 Prozent des angebotenen Schweinefleisches kommen aus Spanien und anderen Ländern. Der Anteil von Qualitätsschweinefleisch mit AMA-Gütesiegel liegt bei nur 20 Prozent. Bei Andreas Steinegger (Präsident LK Steiermark) schrillen die Alarmglocken: „Wer sein Schweinernes in der Gastronomie bestellt, muss damit rechnen,  ausländisch zu essen. Es ist zu hinterfragen, was es mit der Anonymität auf sich hat.“ Lückenlose Herkunftskennzeichnung ist der Schlüssel für mehr heimisches Schweinefleisch auf den Tellern und bei verarbeiteten Fleischprodukten.

„Für Bauern, Schlachthöfe und Zerlegebetriebe ist die 100-prozentige Kennzeichnung gängige Praxis. Bei den nachfolgenden Akteuren in der Lebensmittel-Wertschöpfungskette tut sich die große Lücke auf, die zu schließen ist“, so Steinegger. Die verpflichtende Herkunftskennzeichnung ist auch eine
zentrale Forderung im Mercosur-Schutzprogramm. Laut Europäischer Arzneimittelagentur haben die spanischen Schweinehalter einen sehr hohen präventiven Antibiotikaeinsatz im Vergleich zu Österreich. Ausdrücklich lobt Steinegger jene Gastrobetriebe, die die Herkunft bereits jetzt auf der Speisekarte ausloben. Die massiven Billigstimporte setzen die heimischen Schweinebauern unter Druck. 

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