Preissenkungen: Die Marktsituation ist dramatisch
Die anhaltende Preisdebatte bei Lebensmitteln und aktuelle Preissenkungen setzen bäuerliche Familienbetriebe massiv unter Druck. „Was für Konsumenten auf den ersten Blick positiv erscheint, ist für viele Bauern existenzbedrohend“, warnt BB-Landesobmann Rupert Quehenberger. Sinkende Erzeugerpreise – etwa bei Milch oder zuletzt auch bei Kartoffeln – träfen Betriebe in einer Phase ohnehin hoher Kosten. „Unsere Bauernfamilien produzieren täglich hochwertige Lebensmittel, doch die Erlöse decken den Aufwand immer weniger“, so Quehenberger. Betriebsmittel, Energie, Arbeitszeit und Investitionen in Tierwohl, Umwelt- und Qualitätsstandards verursachen hohe Kosten. „Diese Standards werden von Kunden und Handel gefordert – aber sie müssen auch bezahlt werden.“ Hier sieht Quehenberger auch die Konsumenten bei jeder Kaufentscheidung in der Pflicht. Die aktuellen Preisentwicklungen verunsichern viele Land- und Forstwirte. „Keiner kann aktuell einschätzen, wohin die Reise der Preise noch geht. Viele verschieben daher Investitionsmaßnahmen wie Stallumbauten oder Investitionen in erneuerbare Energieträger etc. Das spürt bald die gesamte Wirtschaft.“ Besonders problematisch ist und bleibt auch die Verteilung entlang der Wertschöpfungskette. „Von 100 Euro, die für Lebensmittel ausgegeben werden, kommen nur rund vier Euro bei den Bauern an. Diese Schieflage ist nicht länger tragbar.“ Quehenbergers Appell ist klar: „Es muss ein zentrales Ziel der Politik sein, bäuerliche Betriebe zu erhalten und zu stärken. Qualität und Versorgungssicherheit gibt es nicht zum Nulltarif.“
Die Marktsituation ist dramatisch
- Die SalzburgMilch hat den Erzeugerpreis bei gentechnikfreier Milch mit Jänner um weitere 4 Cent gesenkt. War das nötig?
Nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa ist die Milchanlieferung in den vergangenen Monaten massiv angestiegen. Unsere Bäuerinnen und Bauern haben alleine im Dezember die Anlieferung um 10 % gesteigert. Gleichzeitig lässt sich dieser Überschuss kaum noch verwerten. Für Versandmilch nach Italien erhält man derzeit 3,5 Cent je Liter! Die Verwerfungen auf den Märkten durch Zölle usw. haben auch dazu geführt, dass es viele Absatzkanäle nicht mehr gibt. Die Situation ist wirklich dramatisch.
- Wie schätzen Sie die Aussichten für 2026 ein?
Leider nicht sehr optimistisch, wenn die Anlieferung nicht deutlich sinken wird – und dafür gibt es derzeit keine Hinweise. Es gab im Vorjahr eine außerordentlich gute Grundfutterernte, auch Kraftfutter ist günstig. Dazu kommt, dass momentan Milchfett in großen Mengen eingelagert wird und diese Lager den Markt noch längere Zeit belasten werden. Wir versuchen derzeit alles, um den Milchpreis konkurrenzfähig zu halten – eine nachhaltige Stabilisierung des Marktes wird es erst geben, wenn Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht kommen.