Lebensfrage: Zwischen Übergabe und Loslassen
Vor sechs Monaten haben wir den Hof an unseren Sohn und unsere Schwiegertochter übergeben. Rechtlich ist alles geregelt, demnächst ziehen wir in unsere neu gestaltete Austragswohnung, auf die wir uns schon sehr freuen.
Nach außen hin ist alles bestens, aber innerlich komme ich nicht zur Ruhe. Ich erwische mich täglich dabei, wie ich alles kontrolliere und ungefragt Ratschläge gebe. Mein Sohn reagiert zunehmend genervt und ich ziehe mich gekränkt zurück. Ich weiß, ich muss loslassen und vertrauen, nur weiß ich nicht so recht, wie das gehen soll.
Das, was Sie beschreiben, ist typisch für den Prozess der Übergabe. Rechtlich ist der Hof übergeben, aber emotional ist die „innere“ Übergabe noch im vollen Gange. Und erfahrungsgemäß braucht jede Veränderung Zeit – Zeit, die jeder der Beteiligten braucht, um sich in seine neue Rolle einzufinden – Sie als Übergeber in Ihrer neuen Rolle als Unterstützer und Ihr Sohn und Ihre Schwiegertochter als Verantwortliche für den Hof.
Manchmal fühlt sich dieser Prozess wie ein Abschied an. Und deshalb ist es völlig normal, dass zwei Herzen in Ihrer Brust schlagen, das eine, das sich auf den wohlverdienten Ruhestand und die Austragswohnung freut, und das andere, das sich um Ihr Lebenswerk sorgt. Wenn Sie wieder merken, dass Sie sich wieder ungefragt einmischen, halten Sie kurz inne. Es ist Ihre vertraute Gewohnheit, aus der heraus Sie sich zuständig fühlen, und nicht der fehlende Glaube an die Fähigkeit Ihres Sohnes. Wenn Sie sich das verdeutlichen, können Sie kurz durchatmen und sich daran erinnern, dass das jetzt nicht mehr Ihre Aufgabe ist. Sie dürfen Unterstützer sein. Wie können Sie hilfreich sein? Falls Sie merken, dass die Stimmung schon recht angespannt ist und zu eskalieren droht, unterbrechen Sie das Gespräch. Ein kurzer Spaziergang wirkt oft Wunder für das Nervensystem aller Beteiligten. Schaffen Sie neue Regeln der Zusammenarbeit. Ungefragte Ratschläge werden fast immer als Kritik empfunden. Versuchen Sie sich darauf zu konzentrieren, nur dann Ihr Wissen weiterzugeben, wenn Sie aktiv gefragt werden. Das wertet Ihre Erfahrung auf, statt zum Kontrolleur werden Sie zum Experten. Vereinbaren Sie feste Zeiten zum Austausch, um über Betriebliches zu reden. So bleibt der restliche Alltag frei von ständigen Fachdiskussionen und bietet Raum für ein entspannteres Miteinander als Familie.
Loslassen bedeutet nicht, dass Ihr Wissen wertlos geworden ist. Es bedeutet, dass Sie Ihrem Nachfolger den Raum geben, den Sie selbst früher gebraucht haben, um zu wachsen. Der Hof gedeiht am besten, wenn der Senior das Fundament bildet, auf dem der Junior aufbauen darf.
Schreiben Sie uns:
Lebensqualität Bauernhof,
Kennwort ,,Lebensfragen"
BBK Kleßheim
Tel. 0664/4105065
lebensfragen-bauernhof@lk-salzburg.at
Diese Form der Beratung ersetzt in keinster Weise ein persönliches Gespräch mit der Beraterin. Wir bitten um Verständnis, dass Karin Deutschmann-Hietl nicht alle Briefe persönlich beantworten kann.
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