Lebensfrage: Mein Kind ist mir wichtiger
Jetzt bin ich bald drei Jahre am Hof meines Mannes und unser erstes Kind ist jetzt vier Monate alt. Wir haben uns so gefreut, denn es hat etwas gedauert, bis ich schwanger wurde. Ich gehe voll und ganz in meiner Mutterrolle auf und möchte für die Kleine da sein. Mein Mann ist ein liebevoller Vater und wie es nur geht, verbringt er Zeit mit seiner Tochter.
Ein kleines Problem haben wir allerdings. Die Schwiegereltern erwarten von mir wieder die volle Mitarbeit am Hof. In den Augen meiner Schwiegermutter soll ich die Schlafzeiten des Kindes zur Arbeit nutzen.
Da ich eine komplizierte Schwangerschaft und Geburt hatte, bin ich noch recht mitgenommen und brauche meine Erholungszeiten. Ich möchte nicht als faul gelten, bin auch nicht arbeitsscheu – aber diese Vorstellung der Schwiegereltern geht mir zu weit. Wie soll ich mich denn da verhalten?
Grenzen achtsam setzen
Erst einmal – herzlichen Glückwunsch zu Ihrem ersehnten Kind! Schön, dass Sie und Ihr Mann die Elternschaft so ernst nehmen und für Ihr Kind da sein möchten. In welchem Ausmaß Sie Ihrem Kind Zeit widmen möchten, entscheiden ausschließlich Sie und Ihr Mann. Und die Dauer, die Sie zur Erholung nach Ihrer anstrengenden Schwangerschaft und Geburt brauchen – das entscheiden Sie. Dass die Schwiegereltern das anders sehen, mag wohl mit einer unterschiedlichen Wertehaltung der Generationen zu tun haben. Ich vermute, dass die Arbeit am Betrieb für die Eltern einen sehr hohen Stellenwert hat. Wahrscheinlich sind sie mit dem tief verinnerlichten Glaubenssatz aufgewachsen, dass der Hof immer an erster Stelle steht.
Für jemanden, der selbst jahrzehntelang unter Verzicht funktioniert hat, ist der Gedanke der Selbstfürsorge fremd. Vielleicht kennen Ihre Schwiegereltern keine andere Realität. Sie als junges Paar bringen damit neue Werte in das Familiensystem ein. Damit diese Veränderung für alle nachvollziehbar wird, braucht es das gemeinsame Gespräch, in dem Sie beide für das einstehen, was Ihnen wichtig ist. Bitten Sie Ihre Schwiegereltern zu einem Gespräch, in dem deren Sorgen wahrgenommen werden und gleichzeitig ein Weg dargestellt oder erarbeitet wird, wie in der näheren Zukunft die Arbeit bewältigt werden kann (zusätzliche Helfer, Betriebshelfer, Praktikant …). Wichtig ist dabei, auf die Belastungsgrenze aller zu achten. Vielleicht lernen die Schwiegereltern dadurch selbst zum ersten Mal, dass sie nicht nur funktionieren müssen, sondern auch ihre eigenen Grenzen achten dürfen. Bitte scheuen Sie sich nicht, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen, niemand muss alles allein bewältigen.
Schreiben Sie uns:
Lebensqualität Bauernhof,
Kennwort ,,Lebensfragen"
BBK Kleßheim
Tel. 0664/4105065
lebensfragen-bauernhof@lk-salzburg.at
Diese Form der Beratung ersetzt in keinster Weise ein persönliches Gespräch mit der Beraterin. Wir bitten um Verständnis, dass Karin Deutschmann-Hietl nicht alle Briefe persönlich beantworten kann.
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