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Landwirtschaft und Imkerei – gewachsene Symbiose

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18.03.2026 | von Dr. Elisabeth Thurner und Prof. Dr. Elke Genersch

Honig- und Wildbienen – wie Lebensräume verlorengehen und Debatten verschoben werden.

Distel.jpg © LK Kärnten/Thurner
Honigbiene und Wildbienen gemeinsam auf einer Distelblüte. © LK Kärnten/Thurner
Vor mehr als 20 Jahren rückte die Honigbiene plötzlich stark in den Fokus. Erhöhte Verluste im Winter 2002/​2003 in Deutschland und 2006/​2007 in den USA wurden als Anzeichen eines europaweiten und später dann sogar globalen Bienensterbens interpretiert. In den Medien wurde regelmäßig über ein angebliches Aussterben der Honigbienen berichtet. Forschungsgruppen wurden großzügig gefördert. In Sophia Antipolis (Frankreich) wurde ein europäisches Referenzlabor für Bienenkrankheiten eingerichtet, das sich speziell mit den Ursachen des Bienensterbens beschäftigen sollte. Auch die Imkereibranche erhielt viel Aufmerksamkeit sowie finanzielle Unterstützung. In Österreich war bereits in den 1990er-Jahren ein Rückgang an Imkereibetrieben zu beobachten, welcher unter anderem auch auf die damalige Altersstruktur zurückzuführen war. Durch Maßnahmen der Landesverbände wie Kursangebote und Presseauftritte wurde die Imkerei zunehmend auch für weitere Bevölkerungsschichten interessant, jünger und weiblicher.

Gefahr für Wildbienen

Um das Jahr 2018 herum setzte sich dann in der Wissenschaft und auch in den Medien die Erkenntnis durch, dass die Honigbienen zwar durchaus erhebliche Gesundheitsprobleme haben, die auch regelmäßig zu Völkerverlusten vor allem im Winter führen, ein Aussterben der Honigbienen aber nie gedroht hatte. Anders sieht es bei den Wildbienen aus, deren Lebensraum durch die unterschiedlichen Formen der menschlichen Landnutzung gefährdet ist, sodass sie weniger Futterpflanzen und keine Nistplätze mehr finden. In den letzten Jahren wurde zunehmend auch die Honigbienenhaltung als Gefahr für die Wildbienen dargestellt. Immer häufiger wird Imkereibetrieben vorgehalten, dass Honigbienen landwirtschaftliche Nutztiere sind und ihre Betriebsweise als Massentierhaltung gelten könne. Auch heißt es plötzlich, dass es ein Überangebot an Honigbienen in naturnahen Landschaften gibt, was zu massiver Nahrungskonkurrenz mit und Krankheitsübertragung auf Wildbienen führt. Es gibt mittlerweile mehrere wissenschaftliche Studien, die „deutliche Hinweise“ oder „klare Nachweise“ für Konkurrenzwirkungen von Honigbienen auf Wildbienen liefern – vor allem in Bezug auf verringerte Blütenverfügbarkeit, verändertes Sammelverhalten und teilweise auch geringere Reproduktionsraten. Der Verlust des Lebensraums durch die verschiedenen Formen der menschlichen Landnutzung, vor allem die Versiegelung von Flächen, wird bei der medialen Berichterstattung schon fast nur mehr am Rande erwähnt.
Hummel.png © LK Kärnten/Thurner
Auch das kommt vor: eine Hummel zu Besuch im Bienenstock. © LK Kärnten/Thurner

Überträger von Krankheiten

Auch gibt es einige Studien, die das Überleben der Wildbienen durch die Übertragung von Krankheitserregern von Honigbienen auf Hummeln gefährdet sehen. Hier werden vor allem Viren und der Darmparasit Nosema ceranae genannt. Die sogenannten Bienenviren sind tatsächlich auch bei Wildbienen weit verbreitet, haben also ein breites Wirtsspektrum, verursachen aber bis auf wenige Ausnahmen keine Symptome. Nosema ceranae befällt den Mitteldarm der erwachsenen Honigbiene, zerstört dort die Darmzellen und führt dadurch zu einer schleichenden, aber massiven Schwächung des gesamten Bienenvolkes. In mehreren korrelativen Studien waren Daten präsentiert worden, die nahelegten, dass der Verursacher der Nosemose bei Honigbienen eine tödliche Gefahr für Hummeln ist. Durch eine erst kürzlich publizierte experimentelle Studie (Gisder et al., Appl. Environ. Microbiol. 2020) konnte aber Entwarnung gegeben werden. Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler konnten mit aufwendigen Infektionsversuchen zeigen, dass, selbst wenn Hummeln die infektiösen Sporen von N. ceranae in großen Mengen aufnehmen, diese nicht im Darm auskeimen und es daher nicht zu einer Infektion der Darmzellen und zum Ausbruch der Krankheit kommen kann. Falls es in der Natur überhaupt zur Aufnahme dieser Sporen durch Hummeln kommt, werden sie einfach wieder abgekotet. Als Fazit bleibt die nicht allzu neue Erkenntnis, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint. Wir dürfen und müssen auch hinterfragen, denn vor Jahren, als die Honigbienen in Gefahr galten und die Imkereibetriebe als Lebensretter gefeiert wurden – wer wurde an den Pranger gestellt? In erster Linie wurde die Landwirtschaft für „das Bienensterben“ verantwortlich gemacht. Wohl wissend, dass Imkerei und Landwirtschaft schon seit jeher eine gewachsene Symbiose waren. Heute wird die Honigbiene für den Rückgang der Bestäubervielfalt (mit) verantwortlich gemacht. 100 Mio. Jahre Co-Evolution von Wild- und Honigbienen, 10.000 Jahre Bienenhaltung, und nun sollen Honigbienen eine Gefahr für Wildbienen sein?
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