Kräuter ernten, trocknen und zubereiten
Die einjährigen Kräuter werden 10 cm über dem Boden abgeschnitten, als Büschel zusammengebunden und zum Trocknen aufgehängt oder auf ein Tuch gelegt. Der Ort sollte luftig, schattig und sauber sein. Mehrjährige Kräuter werden etwa 20 cm über dem Boden so geschnitten, dass die Pflanze dabei geschont wird, und ebenso weiterbehandelt wie gerade beschrieben. Blüten und einzelne Blätter können vorsichtig ausgezupft und dann auf Geschirrtüchern, Papier oder Holzbrettern zum Trocknen aufgelegt werden, dabei sollte man immer wieder die Pflanzen wenden und auflockern. Die Dauer des Trocknungsvorgangs hängt von Raumtemperatur und Witterung ab, als trocken gelten Pflanzen dann, wenn sie wie Herbstlaub rascheln. Dann werden sie luftdicht, kühl und trocken gelagert, am besten in Gläsern mit Schraubverschluss. Mehr dazu habe ich schon sehr genau in meinen vorliegenden Büchern beschrieben, besonders im Buch „Wildfrüchte, -gemüse, -kräuter. Erkennen, Sammeln und Genießen“ sind einige Kapitel diesem Thema gewidmet. Daher darf ich zu diesem Thema dahin verweisen.
Frische und getrocknete Pflanzen
Heimische Pflanzen werden anders behandelt als fermentierter Tee, zum Beispiel müssen sie nicht kochend heiß aufgebrüht werden. Immer wieder wird mir die Frage gestellt, ob Tee aus frischen Pflanzen oder aus getrockneten gemacht wird.
Man kann einmal folgenden, ganz einfachen Versuch machen: Von einer Blüten-Kräuter-Teemischung, die man gerne hat, jeweils eine gleich große Portion nehmen und daraus einen Aufguss mit kochendem, badewannenheißem und lauwarmem Wasser sowie einen Kaltansatz machen, alle Ansätze zehn Minuten ziehen lassen und abgießen. Nun die Getränke in Geschmack, Nachgeschmack und Farbe vergleichen und man wird sehen, dass man aus demselben Ausgangsprodukt nur durch verschiedene Wassertemperatur ganz unterschiedliche Inhaltsstoffe herauslösen kann.
Noch krasser ist der Unterschied, wenn man frische und trockene Pflanzen miteinander vergleicht. Aus diesen Überlegungen empfehle ich persönlich, so lange es die Vegetationsperiode zulässt, frische Pflanzen den getrockneten vorzuziehen. Die klassische Methode zur Teezubereitung mit kochendem Wasser kommt meiner Meinung nach aus England, bei der bis zur Unkenntlichkeit fermentierte und getrocknete Pflanzenteile verwendet werden, das lässt sich nicht vergleichen mit sanft getrockneten Kräutern oder Frischpflanzen.
Ich verwende zum Aufgießen nur Wasser, das maximal Badewannentemperatur hat, denn ich möchte auch die feinen Inhaltsstoffe schmecken.
Kräftiger Haustee
Je 2 Teile Gierschblätter und
Brennnesselblätter, je 1 Teil Gundelrebe und Tannenwipfel
und etwas Ingwerwurzel in Scheiben.
Dieser Tee ist so belebend und wohltuend wie eine heiße Suppe.
Schlaftee
Je 20 g Baldrianwurzel, Kamillenblüten und Rosenblüten, Hopfenzapfen und Melissenblättchen.
1 TL reicht für eine Tasse. Diese Mischung mit heißem Wasser übergießen und anschließend zehn Minuten ziehen lassen.
Blüten-Tee
Je 3 Teile Brombeer-, Minz- und Himbeerblätter, je 2 Teile Ringelblumen-, Schafgarben- und Rosenblüten, Ysop und Walderdbeerblätter, gut getrocknet und vermischt, ergeben einen stimulierenden Tee, der die Lebensgeister weckt.
Bunter Blütentee
20 g Malvenblüten, 20 g Kornblumenblüten, 20 g Ringelblumenblüten, 40 g Pfingstrosenblüten, 100 g Holunderblüten sowie 100 g Zitronenmelisse oder Zitronenverbene. 2 bis 3 TL der bunten Mischung mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und 5 bis 7 Minuten ziehen lassen, anschließend abseihen. Den Duft dieser besonderen Blütenmischung genießen, bevor man sie aufbrüht: Duftendes, frisches Heu wird einem in den Sinn kommen.
Kräuter-Haustee
Je 4 Teile Fichtenwipfel, Himbeerblatt, Spitzwegerich und Gundelrebe, 1 Teil Thymian, 2 Scheiben von einer Bio-Zitrone. Diese Pflanzen frisch verwenden und mit handwarmem Wasser aufgießen, den Ansatz dafür gute 30 Minuten ziehen lassen. Ich liebe diese leicht säuerliche Teemischung, die sehr erfrischend und bekömmlich mit ihren vielfältigen Aromen ist.