Jetzt entscheidet sich, was nächstes Jahr wächst - Übers Feld g´redt
Nicht jede braune Stelle im Grünland ist tatsächlich abgestorben. Viele Gräser haben ihre Reservestoffe in die Stängel und Wurzeln zurückgezogen und werden bei ausreichend Feuchtigkeit auch wieder rasch grün. Wenn man der anhaltenden Trockenheit aus pflanzenbaulicher Sicht überhaupt etwas Positives abgewinnen möchte, dann hat sie vor allem den flachwurzelnden, unerwünschten Gräsern besonders stark zugesetzt. Flechtstraußgras und Gemeine Rispe haben auf vielen Flächen deutlich gelitten und sind teilweise total ausgefallen. In den Lücken findet man den verdorrten Narbenfilz. Allerdings besteht die Gefahr, dass sich diese und andere unerwünschte Arten aus dem vorhandenen Samenpotenzial des Bodens wieder etablieren.
Lückige Dauergrünlandbestände sollten daher heuer noch saniert werden. Dazu kann ein stärkeres Ausstriegeln sinnvoll sein, um abgestorbenes und unerwünschtes Pflanzenmaterial zu entfernen. Das ausgeriegelte Material sollte anschließend vom Bestand abtransportiert werden. Das Saatgut muss die Erde sehen, denn nur da können die Keimlinge auch anwachsen.
Nachsaat ist nicht gleich Nachsaat
Ein genauer Blick auf die Arten- und Sortenzusammensetzung einzelner Saatgutmischungen lohnt sich. Knaulgras kommt auch mit längeren Trockenheitsperioden gut zurecht. Timothe und Rotklee können ebenfalls wertvolle Mischungspartner sein. Bei der Sortenwahl sind mittlere bis späte, winterharte und ausdauernde Sorten zu bevorzugen.
Festulolium/Wiesenschweidel kann ebenfalls interessant sein. Allerdings ist Wiesenschweidel bei zu geringer Nutzungshäufigkeit, also bei weniger als fünf Nutzungen, besonders rohfaserreich. Bei rohrschwingelbetonten Sorten sinkt die Fresslust zusätzlich durch ihre Hartblättrigkeit. Das gilt auch weiterhin, obwohl in der Pflanzenzüchtung bereits viel in Richtung Weichblättrigkeit beim Rohrschwingel erreicht wurde. Diese Aspekte sollte man trotz der sehr guten Trockenheitstoleranz beachten.
Der Spätsommer bietet für die Nachsaat grundsätzlich günstige Bedingungen. Die Konkurrenz durch den Altbestand ist geringer als im Frühjahr und bei regelmäßigem Morgentau finden die Keimlinge gute Startbedingungen.
Auf sehr stark geschädigtem und umbruchsfähigem Grünland könnten bei Neuanlagen mit Fräse und Co. Deckfrüchte wie Grünschnittroggen, Hafer oder Triticale heuer in Gunstlagen oder zumindest zeitig im Frühjahr zusätzliche Erträge bringen.
Bei HBG-Betrieben gilt aktuell, dass ausschließlich Flächen mit Schädlingsbefall (z. B. Wühlmäuse, Engerlinge) nach entsprechender Fotodokumentation durch Umbruch (alle Geräte, die die Grasnarbe und den Wurzelhorizont zerstören) neu angelegt werden dürfen. Eine Meldung bei der AMA ist nicht notwendig.