Hohe Zustimmung für die Salzburger Milchlösung
Ende des Vorjahres gaben SalzburgMilch und Pinzgau Milch ihre Pläne für eine Fusion bekannt. Versucht wurde dies bekanntlich bereits vor 30 Jahren – damals scheiterte das Projekt an nur vier Gegenstimmen. Die historische Chance für eine Salzburger Milchlösung ließ man sich diesmal nicht nehmen. Ein halbes Jahr lang liefen die Vorbereitungen, vergangene Woche wurde die Verschmelzung im Rahmen der Generalversammlungen der PinzgauMilch und der Salzburger Alpenmilch Genossenschaft endgültig besiegelt. Mit jeweils nur einer Gegenstimme gaben die Mitglieder bzw. Delegierten ein deutliches Votum für diese Milchehe. „Die Bäuerinnen und Bauern blicken dem Zusammenschluss zuversichtlich entgegen“, bestätigt Robert Leitner, Obmann der Salzburger Alpenmilch Genossenschaft und Aufsichtsratsvorsitzender der SalzburgMilch, die allgemeine Stimmungslage: „In einem stark wettbewerbsgetriebenen Markt, der vielen Dynamiken unterliegt, ist es wichtig, auf dem stabilen Fundament einer breit aufgestellten bäuerlichen Eigentümerschaft zu stehen. Die Fusion ist definitiv der richtige Schritt, um unsere bäuerlichen Strukturen langfristig abzusichern und die Wertschöpfung in der Region auszubauen.“
Sehr begrüßt wurde der Beschluss zur Fusion der Genossenschaften auch von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Salzburgs Agrarlandesrat Maximilian Aigner und LK-Präsident Rupert Quehenberger. Sie bekräftigten, dass die Salzburger Milchlösung für Kontinuität, Zukunftsorientierung, regionale Identitätsstiftung und internationale Wettbewerbsfähigkeit stehe. Zusätzlich betonten sie die positiven Auswirkungen für die genossenschaftlich organisierte Bauernschaft, die durch die gestärkte Marktposition optimistisch in eine wirtschaftlich abgesicherte Zukunft blicken könne. Landesrat Aigner: „Bis dieser Schritt gelungen ist, war es viel Arbeit. Wir gehen aus diesem Prozess gestärkt und mit viel Zuversicht heraus. In einer Zeit, in der die Bäuerinnen und Bauern in der Gesellschaft eine Minderheit von 3 Prozent sind, ist dieser Zusammenhalt ein großartiges Zeichen.“
LK-Präsident, Rupert Quehenberger
Die Milchwirtschaft steht vor enormen Herausforderungen, es weht ein rauer Wind auf den internationalen Märkten. Unsere Milchverarbeiter müssen wettbewerbsfähig bleiben, das wissen auch unsere Bäuerinnen und Bauern. Durch den Zusammenschluss können Synergien genutzt werden, die dem neuen Unternehmen Kostenvorteile am Markt bringen werden. Das sind auch gute Voraussetzungen, um den Lieferanten konkurrenzfähige Milchpreise zahlen zu können. Die Mitglieder der SalzburgMilch und der Pinzgau Milch haben Mut bewiesen und damit den Grundstein gelegt, dass die Erfolgsgeschichte der Milchwirtschaft in Salzburg weitergeschrieben wird. Mit der SalzburgMilch und der Käserei Woerle gibt es in Salzburg gleich zwei führende Milchverarbeiter, die ihre Wurzeln in der Region haben und die Besonderheiten unserer bäuerlichen Landwirtschaft kennen. Das ist für unsere Bäuerinnen und Bauern ein großer Vorteil.
Integration geht bereits zügig voran
Andreas Gasteiger, Sprecher der Geschäftsführung der SalzburgMilch, freut sich über den bereits zügig fortschreitenden Integrationsprozess: „Wir befinden uns sehr gut im Zeitplan und werden die Zusammenführung mit den letzten notwendigen Schritten im September erfolgreich abschließen. Ab Oktober sind SalzburgMilch und Pinzgau Milch dann eine Firma.“ Dabei bringe die Fusion viele Vorteile mit sich, wie Gasteiger weiter ausführte: „Mit vier optimierten Unternehmensstandorten können wir künftig noch besser Synergien nutzen, egal ob in der Logistik, im Einkauf oder in der Produktionsplanung, und zudem die individuellen Stärken der Standorte für uns nutzen. Das ermöglicht es uns einerseits, noch effizienter zu wirtschaften, und andererseits, noch flexibler auf Marktbedürfnisse zu reagieren.“
Verschmelzung erfolgt rechtlich in mehreren Schritten, Was erwartet man sich vom Zusammenschluss?
Der nun beschlossenen Verschmelzung der beiden Molkereien liegt ein durchaus komplexes Vertragswerk zugrunde, in dem Rechte und Pflichten geregelt sind. Die Pinzgau Milch Produktions GmbH war seit 2007 zu 80 Prozent im Eigentum von Dr. Hans Michel Piech und Ulrich Schröder und zu 20 Prozent in bäuerlicher Hand (Pinzgau Milch Liefer- und Besitzgenossenschaft).
Im ersten Schritt übernahm die SalzburgMilch GmbH 40 Prozent der Pinzgau Milch Produktions GmbH. Mit den Generalversammlungen verschmolzen nun die Genossenschaften von Pinzgau Milch und SalzburgMilch. Damit hält aktuell die SalzburgMilch GmbH 60 Prozent Anteile an der PinzgauMilch Produktions GmbH. In einem abschließenden Schritt werden am 1. Oktober die operativen Unternehmen fusioniert, die HMP Immobilien Holding von Hans Michel Piëch erhält dafür 10 Prozent an der SalzburgMilch. Die restlichen 90 Prozent sind dann im Besitz der Salzburger Alpenmilch Holding GmbH – deren Eigentümer die Genossenschaft ist. Ein Optionsvertrag gibt die Möglichkeit des Ausstieges von Piëch bis zum Jahr 2035.
Nach der Verschmelzung der Genossenschaften und der Zusammenführung der operativen Unternehmen werden rund 3.200 landwirtschaftliche Betriebe die SalzburgMilch beliefern. Mit einer jährlichen Milchanlieferung von mehr als 460 Mio. kg, die an den vier Standorten in Salzburg, Maishofen, Lamprechtshausen und Kössen verarbeitet werden, ist die SalzburgMilch die größte Spezialmilchmolkerei in Mitteleuropa. Durch die Verschmelzung entsteht eine der größten Biomilchmolkereien in Europa. 465 Mio. kg Milch werden heuer verarbeitet, 220 Mio. kg davon sind Biomilch. Für das heurige Jahr wird ein Gesamtumsatz von 600 Millionen Euro erwartet. Ca. 40 Prozent des Umsatzes werden im Export erlöst, an den vier Standorten werden ca. 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.
Die rechtlichen Beschlüsse der Fusion wurden nun gefasst, die operative Zusammenlegung der beiden Unternehmen werden in den kommenden Monaten „herausfordernd“, betonten Obmann und Geschäftsführer bei der Versammlung am Samstag. Dazu wurde ein Fahrplan ausgearbeitet, der eine Umsetzung wesentlicher Punkte bis Februar 2027 vorsieht.
Die Zusammenlegung betrifft die EDV, die Fakturierung, den Einkauf, den Verkauf und die Produktion – somit beinahe alle Geschäftsbereiche. Schon jetzt ist man dabei, die Milchabholung zu optimieren. Eine eigene Arbeitsgruppe befasst sich mit der Sammlung im Berggebiet. Für die Lieferanten der Pinzgau Milch wird die Milchgeldabrechnung ab Jänner 2027 neu werden.
Mit dem Zusammenschluss will man 4 bis 5 Prozent Synergiekosten heben, das sind jährlich rund 8 Millionen Euro. Die individuelle Spezialisierung der jeweiligen Standorte auf unterschiedliche Produktsegmente soll beibehalten werden. Schon jetzt ist die Produktion an allen Standorten voll ausgelastet. Magermilch, die bislang in den Versand musste, soll mit Hilfe neuer Produkte künftig besser verwertet werden. Hier will man den „enormen“ Eiweiß-Trend nützen und zusätzliche High-Protein-Produkte anbieten. Die modernen Abfüllanlagen der PinzgauMilch sind hier gefragt. Auch dass man wieder eine eigene Butterei im Unternehmen hat, freut die Salzburger.
„Wir wollen die führenden und wegweisenden Spezialmilchprofis im Alpenraum werden“, lautet die Vision. Mit der Fusion ist man diesem Schritt nun deutlich näher gekommen. Obmann Robert Leitner: „Es ist angerichtet, die Köche stehen bereit. Nun liegt es an uns, daraus einen Erfolg zu machen – packen wir es an!“