Hightech ersetzt mühsames Ampferstechen
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„Rumex obtusifolius“, auf Deutsch Stumpfblättriger (Sauer-)Ampfer oder umgangssprachlich auch „Kia“ –
die krautige Pflanze zählt zu den unerwünschten und schwer zu bekämpfenden Unkräutern im Grünland. Ihre Bekämpfung ist seit jeher eine ungeliebte, zeitraubende Arbeit. Die Samen überleben jahrelang im Boden. Mit ihrer tiefen Pfahlwurzel übersteht die Pflanze lange Trockenphasen. Lange galt nur zweierlei als wirksam: das händische, mühsame Ausstechen oder das gezielte Benetzen mit Herbizid per Dochtstreichgerät oder Rückenspritze.
Schlagkräftig, punktgenau und mit einer 98-prozentigen Trefferquote gelingt die Ampferbekämpfung mit dem „Rumex“ von Christian Frohnwieser aus Faistenau. Hochauflösende Kameras erkennen das Unkraut, das Gerät behandelt den Ampfer gezielt. Seit heuer bearbeitet der Landwirt und Lohnunternehmer Grünlandflächen im Flach- und Tennengau sowie im Salzkammergut. „Ich bin seit über zehn Jahren überbetrieblich mit der Presse unterwegs. Das Ampfer-Thema hat viele Landwirte beschäftigt. So bin ich Schritt für Schritt zum Entschluss für die Investition gekommen.“ Entwickelt und produziert wird das Gerät von einem Unternehmen aus dem Allgäu. Weltweit laufen bereits über 170 Geräte dieses Herstellers. Die Investitionskosten liegen im hohen fünfstelligen Bereich.
Multispektralkameras erkennen Ampfer
Herzstück des Geräts sind die hochauflösenden Kameras. Auf einer Arbeitsbreite von sechs Metern bzw. drei Spritzbalken detektieren insgesamt drei Multispektralkameras den Bestand auf Ampfer. Mithilfe Tausender Vergleichsbilder in einer hinterlegten Bilddatenbank und KI erkennen die Kameras im Hundertstel-Sekunden-Bereich die Schadpflanzen. Sie schalten dann exakt die nötige, nicht mehr als gebrauchte Zahl der dahinterliegenden Düsen zu und benetzen den Ampfer mit dem Herbizid ProClova. Das Wuchsstadium der Pflanze spielt dabei keine Rolle. Innerhalb von zwei Stunden nach der Anwendung sollte kein Niederschlag fallen. Danach wirkt das Pflanzenschutzmittel systemisch. Mit jedem Einsatz lernt die Maschine dazu. Jedes Bild wird an den Hersteller übertragen. Nach manueller Prüfung (!) und mithilfe der KI wird die Vergleichsdatenbank pro Einsatz gefüttert und wieder auf das Gerät gespielt.
Die drei Spritzbalken sind unabhängig voneinander schwingend gelagert und mit seitlichen Tasträdern versehen. So bleibt, gerade in unebenem Gelände oder in Hanglagen, der Düsenabstand zum zu behandelnden Objekt konstant. Die Distribution läuft über den Maschinenring Salzburg. Ohne Anfahrt werden pro Einsatz rund 83 Euro netto je Hektar verrechnet. Bei Sammelterminen verteilen sich die Anfahrtspauschalen auf die einzelnen Einsätze.
Technische Details
Auf einer Arbeitsbreite von sechs Metern erfasst das Gerät mithilfe von drei Kameras und KI-basierter Bilderkennung gezielt Ampferpflanzen im Grünland. Die Maschine arbeitet mit Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 12 km/h und verfügt über 90 einzeln ansteuerbare Flachstrahldüsen. Für den Pflanzenschutz steht ein 200-Liter-Spritzmitteltank zur Verfügung. Mit einem Leergewicht von rund 750 Kilogramm ermöglicht das System eine präzise und schlagkräftige Einzelpflanzenbehandlung.
Die drei Spritzbalken passen sich unabhängig voneinander an Bodenunebenheiten und Hanglagen an und sorgen dadurch auch unter schwierigen Bedingungen für eine gleichmäßige Arbeitsqualität. Dank GPS-gestützter Steuerung werden Überlappungen vermieden. Durch den Frontanbau können die Ampferpflanzen vor dem Überfahren erkannt und punktgenau behandelt werden, was die Erkennungsgenauigkeit deutlich verbessert.
Je nach Ampferbesatz und Flächenstruktur liegt die Flächenleistung bei etwa 3,5 bis 4 Hektar pro Stunde. Die besten Einsatzzeitpunkte sind das Frühjahr und der Herbst. Um entstandene Lücken in der Grasnarbe rasch zu schließen und einer erneuten Verunkrautung vorzubeugen, wird nach der Bekämpfung eine Nachsaat empfohlen.