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Feine Litzen – große Wirkung

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01.04.2026 | von Michael Hatheier

In den Fachgeschäften und Versandhäusern werden verschiedenste Produkte angeboten. Bei der Einfriedung der Weide gilt es drei verschiedene Indikatoren im Auge zu haben. Welche Zahlen stehen auf den Geräten und sind Erdungsstäbe wichtig?

Bildergalerie (7 Fotos)
Feine Litzen –  große Wirkung.jpg © Hatheier
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Feine Litzen –  große Wirkung.jpg © Grafik: Bundesinformationszentr. Landwirtschaft Deutschland
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© Hatheier
Bei Milchkuhherden reicht meist ein Draht mit einer Höhe von mindestens 90 cm aus. © Dürnberger
Bei Mutterkuhherden empfiehlt sich es sich, einen zweiten oder dritten Stromträger zu installieren. © Hatheier
© Dürnberger
Funktionsprinzip eines Weidezaunsystems. Die Erdungsstäbe schließen den Stromkreis. Je mehr Erdungsstäbe vorhanden sind, umso besser ist die Abschreckwirkung. © Grafik: Bundesinformationszentr. Landwirtschaft Deutschland
© LK
© Adobe Stock

Die Weidesaison steht vor der Türe. Oftmals sind es kleine Schrauben, an denen man drehen kann, um den Weidezaun noch sicherer zu machen. Bei der Wahl des Weidezaungerätes sind es verschiedene Punkte, die es zu beachten gilt. Wenn eine kurze Zuleitung möglich ist, sind Netz gebundene Geräte zu bevorzugen, da sie auch bei langen Längen eine Hütesicherheit garantieren und störungsunanfällig sind. Bei längeren Zuleitungen zum Weidezaun sollten unbedingt widerstandsarme, hochspannungsfeste Kabel verwendet werden. 

Wenn keine direkte Stromanbindung möglich ist, bieten sich Batteriegeräte an. 9-V-Trockenbatterien sind bei kurzen Zaunlängen ausreichend, da sie eher geringe Impulsenergien generieren können. 12-V-wiederaufladbare Blei-Säure-Batterien (Autobatterien) sind zwar in der Anschaffung teurer, können aber z. B. mit einem Solarmodul direkt auf der Weide wieder aufgeladen oder in Kombination mit einer zweiten Akku über eine längere Zeit betrieben werden. 

Die Werte von Weidezaunsystemen

Die Zaunspannung in Volt und die Impulsenergie in Joule helfen dem Landwirt bei der richtigen Auswahl des Gerätes. Abhängig von der Tierart und der Zaunlänge, werden jedenfalls mehr als 2.000 V empfohlen. Die Impulsenergie sollte mit der Länge des Zaunes steigen. Bei Zaunlängen unter zwei Kilometern und normalem Bewuchs reichen Geräte mit einer Impulsenergie von weniger als 1 Joule aus. Die Größe Ohm (Ω) pro Meter beschreibt den Leiterwiderstand. Dieser sollte so gering wie möglich sein und hängt von der Qualität bzw. den verwendeten Materialien ab. Gute Materialien weisen Werte von unter 1 Ω/m auf. Alle Werte über 4 Ω/m sind zwar günstig in der Anschaffung, bringen aber nicht die gewünschte Leistung in den Zaun. Kombi-Materialien aus guten Leitern wie Kupfer, langlebigem Nirosta und Kunststoffen haben sich in der Praxis bewährt. Eine Reißfestigkeit von mindestens 500 Newton ist ebenso ein Mindestwert, der beachtet werden sollte. 

Die Wirksamkeit des Elektrozaunes ist von vielen Bausteinen abhängig. Neben dem Bewuchs ist die Anzahl und die Positionierung der Erdungsstäbe ein ganz wichtiger Faktor. 

Gamechanger Erdungsstäbe

Dieser Punkt wird oftmals vernachlässigt. Der Strom fließt in einem geschlossenen Kreislauf von und zum Weidezaungerät. Wird dieser durch eine Tierberührung unterbrochen, fließt der Strom über das Tier in das Erdreich und über die Erdungsstäbe wieder zurück. Bei unzureichender Erdung fließt weniger Strom und die Abschreckwirkung ist vermindert. Die Impulsenergie ist ein Zusammenspiel mit der Erdung. Die Erdungsstäbe sollten aus einem rostfreien Material und mindestens 1 Meter lang sein. Bei einem trockenen und in Folge schlecht leitenden Boden ist die Anzahl der Erdungsstäbe, die miteinander verbunden sein müssen, zu erhöhen. 

Bei den Isolatoren wird zwischen Führungs- oder Halteisolatoren und Zugisolatoren unterschieden. Ein festes Umwinkeln des Weidebandes um die Isolatoren sollte unbedingt vermieden werden, da die gute Leitfähigkeit darunter leidet. Die Streckenpfähle mit den Führungsisolatoren halten den Zaun nur in der gewünschten Höhe. Die Zugisolatoren sind an fixen bzw. tiefer in das Erdreich ragenden Pfählen (Eiche, Robinie oder imprägniert bei Festzäune) zu installieren. Ein Zusammenspiel aus Führungs- und Zugisolatoren ermöglicht eine gewisse Stabilität des Weidezaunes. 

Draht, Litze oder Weideband?

Ein Weidezaundraht ist meist ein Glattdraht aus Stahl, Eisen oder Aluminium, der sehr langlebig ist, aber im Vergleich zu Kupfer eine schlechtere Leitfähigkeit aufweist. Zusätzlich werden solche Drähte durch Nutz- und Wildtiere und auch von Menschen (z. B. Wanderern) leicht übersehen. Kunststoffzäune wie Weidebänder oder Litzen sind hierbei zu bevorzugen. 

Bei Milchkuhherden reicht meist ein Draht in einer Höhe von mindestens 90 cm aus. Bei Mutterkuhherden empfiehlt es sich, einen zweiten oder dritten Stromträger zu installieren. Hierbei gilt es das Gefahrenpotenzial wie die Nähe zu vielbefahrenen Straßen oder Siedlungen abzuwägen. Ein Stacheldraht darf auf keinen Fall elektrifiziert werden.  

Viele Weidezaungeräte zeigen mit Hilfe einer LED-Anzeige die Spannung direkt an. Diese wird durch den Bewuchs, die verwendeten Materialien und weitere Störfaktoren wie z. B. nicht ordnungsgemäße Zaunverbinder beeinflusst. Wenn diese Möglichkeit nicht vorhanden ist, kontrolliert man die Spannung mit einem Voltmeter. Hierbei wird am weitestentfernten Punkt gemessen. Ein Mindestwert von 2.000 V sollte unbedingt erreichbar sein. 

Um die Zuverlässigkeit der Erdungsstäbe zu kontrollieren, simuliert man eine Tierberührung (z. B. Eisenpfahl auf elektrischen Leiter stellen). Die Erdung ist in Ordnung, wenn am letzten Erdungsstab keine oder maximal
eine 500-V-Spannung gemessen werden kann. Wenn ein höherer Wert angezeigt wird, ist ein weiterer Erdungsstab zu installieren. 

Feine Litzen –  große Wirkung.jpg © Adobe Stock
  • Volt = Stromstärke; mindestens 2.000 V bei Rindern; empfohlen: 3.000 bis 4.000 V 
  • Joule = Impulsenergie; je länger der Zaun, umso höhere benötigte Energie. Unter zwei Kilometern genügt meist 1 Joule
  • Ωm = Widerstand; Zahl sollte so gering wie möglich sein. Ein „guter Wert“ befindet sich unter 1 Ωm
Feine Litzen –  große Wirkung.jpg © LK

Die Sorgfaltspflicht beachten - Dr. Rupert Mayr, BEd

Grundsätzlich ist jeder Tierhalter für eine ordnungsgemäße Verwahrung der Tiere verantwortlich. Gemäß dem ABGB kann der Halter in der Alm- und Weidewirtschaft bei Beurteilung der Frage, welche Verwahrung erforderlich ist, auf anerkannte Standards der Tierhaltung zurückgreifen. Andernfalls hat er die im Hinblick auf die ihm bekannte Gefährlichkeit der Tiere, die ihm zumutbaren Möglichkeiten zur Vermeidung sol­cher Gefahren und die erwartbare Eigenverantwortung anderer Personen Maßnahmen zu ergreifen. Die erwartbare Eigenverantwortung der Besucher von Almen und Wei­den richtet sich nach den drohenden Gefahren, der Verkehrsübung und den anwendbaren bekannten zehn Verhaltensregeln. Das Auf­stellen von Warnschildern ist immer eine gute Entscheidung, da diese jedenfalls den Sorgfalts­maßstab der Besucher erhöhen. Die Bauweise der Zäune hängt von der Örtlichkeit ab. Ein Elektrozaun stellt in der Regel eine ausreichende Verwahrung von Weidevieh dar. Mindestabstände gibt es für elektrische Weidezäune in der Nähe von Wanderwegen nicht. Gemäß der StVO, welche für Straßen mit öffentlichem Verkehr (darunter fällt auch ein öffentlicher Wanderweg) gilt, müssen aber Stacheldrahtzäune zur Vermeidung von Verletzungen zwei Meter von der Straße entfernt sein. Auf Straßen und Wegen, auf denen die StVO keine Anwendung findet, gilt diese Bestimmung nicht. Trotzdem muss sichergestellt sein, dass es zu keiner Gefähr­dung Dritter kommen kann.

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