Engerlingschäden häufen sich in Salzburg
Als ob die vergangenen Monate Grünland und Landwirten nicht schon genug abverlangt hätten, steht nun die nächste Herausforderung an. Seit einigen Wochen häufen sich im Bundesland Salzburg Meldungen über Engerlinge. „Bereits Ende Juli fanden wir in Unken frisch verpuppte Maikäferlarven in etwa 15 Zentimetern Bodentiefe. In Elsbethen und Kuchl stellten wir zudem Junikäfer-Engerlinge als Schädlinge fest“, berichtet Elisabeth Neudorfer von der LK Salzburg. Die gefürchteten Grünlandschädlinge gedeihen besonders gut unter trockenen Bedingungen. Betroffen sind vor allem sandige, südexponierte Standorte. In heißen, trockenen Jahren richten die Engerlinge größere Schäden an, da die Grünlandpflanzen den Wurzelfraß nicht mehr ausgleichen können.
Aktuelle Engerling-Meldungen
- Flachgau: Köstendorf, Straßwalchen, Henndorf, Elsbethen, Mattsee, Abersee, Strobl, Neumarkt, Seekirchen, Oberndorf
- Tennengau: Kuchl, St. Martin am Tennengebirge
- Pongau: Goldegg, St. Veit, St. Johann, Filzmoos, Werfen, Bischofshofen
- Pinzgau: St. Martin, Unken, Uttendorf
Um Totalausfälle im kommenden Frühjahr zu verhindern, gilt es jetzt die Käferart zu bestimmen, geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen und wirtschaftlich sowie vegetativ sinnvolle Regulierungsstrategien umzusetzen. Mit sinkenden Temperaturen ziehen sich die Larven in tiefere Bodenschichten zurück, was die mechanische Bekämpfung erschwert. Zudem steigt die Unsicherheit, ob eine Nachsaat im Herbst erfolgreich aufläuft.
Elisabeth Neudorfer, LK Salzburg
Schadbilder erkennen
Ein erster Hinweis auf einen Engerlingbefall sind oft Krähenschäden, da die Vögel die Larven aus dem Boden picken. Auch Dachse hinterlassen durch ihre Wühltätigkeit Spuren. Bei starkem Befall sterben die Grünlandpflanzen vollständig ab. Typisch sind rundliche Flecken mit abgestorbenen Pflanzen. Die Grasnarbe lässt sich bei Engerlingschäden großflächig abheben, da sie kaum noch mit dem Boden verwurzelt ist.
Tiefwurzelnde Kräuter halten dem Fraß länger stand. Ausläufertreibende Arten wie Gundelrebe, Kriechender Hahnenfuß oder Gemeines Rispengras füllen die Lücken in der Grasnarbe schnell und können sich ausbreiten. Die Schadschwelle liegt je nach Käferart zwischen 35 und 100 Larven pro Quadratmeter (siehe Tabelle „Käferarten im Vergleich“).
Bekämpfung
Eine Nachsaat mit Striegeln gilt noch in diesem Jahr als Mindestmaßnahme. „Abwarten und auf das Frühjahr hoffen, ist keine Lösung. Es geht darum, durch Nachsaaten wieder eine tragfähige Grasnarbe herzustellen“, betont Neudorfer. Eine Deckfrucht wie Hafer oder Roggen (40 – 60 kg/ha) sollte in etwa zwei Zentimetern Tiefe abgelegt werden, während die Grünlandmischung oberflächlich bleibt. Anschließend unterstützt das Anwalzen mit einer Profilwalze eine rasche Keimung. Gegebenenfalls muss im Frühjahr nachgearbeitet werden.
Eine mechanische Engerlingbekämpfung mit Bodenbearbeitungsgeräten bedeutet eine Grünlanderneuerung bei gleichzeitiger mechanischer Abtötung der Engerlinge durch die rotierenden Arbeitswerkzeuge. In der Folge ist eine Neueinsaat mit einer Grünlandmischung nötig. Aufgrund des späten Vegetationszeitpunkts ist diese Methode außerhalb der Gunstlagen im Norden Salzburgs in diesem Jahr jedoch nur bedingt empfehlenswert. „Wer schnell ist, kann in den wärmeren Lagen wie den Flachgauer Gunstlagen auch jetzt noch eine Grünlandsanierung wagen. Jetzt steht den Beständen wieder mehr Feuchtigkeit zur Verfügung, somit könnte dort das Drei-Blatt-Stadium vor den Frösten erreicht werden“, so Neudorfer und ergänzt: „Wir empfehlen Risikosplitting: nur einen Teil der betroffenen Flächen jetzt sanieren und Saatgut bereits für eine weitere Nachsaat im Frühjahr jetzt sichern.“
Besonders in Regionen mit wiederkehrenden Schäden – den sogenannten „Engerlinghochburgen“ – können auch Pilze (Pilzgerste) oder Nematoden (Fadenwürmer) zur Bekämpfung eingesetzt werden.
Ansprechpersonen und weitere Infos
Die Experten der LK Salzburg stehen für eine Beratung rund um das weitere Vorgehen bei einem Schadensfall bereit. Gerne können in Schnaps eingelegte Larven zur Bestimmung eingeschickt werden. Überdies sind Meldungen von Fraßschäden zu Dokumentationszwecken sehr wichtig. Kontakt: Anna Gimpl, Tel. 050/2595-3292 oder anna.gimpl@lk-salzburg.at. Für Grünlandsanierungen und mechanische Dienstleistungen steht der Maschinenring Salzburg zur Verfügung.