Die nächsten Wochen werden kritisch
Der Wetterbericht für die kommenden Tage verheißt für die Bäuerinnen und Bauern wenig Gutes. Zusammengefasst auf ein paar Worte: Hitze und weiterhin kein wirklicher Regen in Sicht!
In den Bezirksbauernkammern gehen erste Meldungen über ausgetrocknete Quellen ein. Der Präsident der LK Salzburg, Rupert Quehenberger, sieht die kommenden Wochen kritisch: „Es ist weniger die Futtersituation, die uns Sorgen bereitet, als vielmehr die versiegenden Brunnen.“ Seit dem Winter gab es keine nennenswerten Niederschläge, Grundwasserreserven sind so niedrig wie noch nie. In Salzburg-Flughafen fielen von 1. Jänner bis 13. Juli 2026 insgesamt 321 Millimeter Niederschlag. Langjähriges Mittel (1991 bis 2020): 625 Millimeter. Bisheriges Minimum im selben Zeitraum: 440 Millimeter (2025). Die Tagesdaten sind seit 1939 verfügbar. Um den seit Jahresbeginn in Österreich fehlenden Niederschlag auszugleichen, müsste es in den kommenden Wochen im Flächenmittel rund 160 Liter pro Quadratmeter zusätzlich regnen.
„Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Extremwetterereignisse zunehmen. Für die landwirtschaftlichen Betriebe bedeutet das auch, dass sie den eigenen Brunnen oder Quellen mehr Aufmerksamkeit widmen müssen. Es gibt daher Überlegungen, wie wir gemeinsam mit dem Land Salzburg die Bäuerinnen und Bauern hier besser beraten und unterstützen können“, so der LK-Präsident. Über finanzielle Unterstützungen für den Ausbau und die Sanierung von Quellen und Brunnen müsse nachgedacht werden.
Rupert Quehenberger, Präsident der LK Salzburg
Auch die Grundfuttersituation ist in Salzburg in manchen Regionen angespannt, bislang kamen viele Betriebe allerdings mit einem „blauen Auge“ davon – für das Wachstum der Wiesen gab es zwischendurch immer wieder einige Niederschläge. Da in den angrenzenden Bundesländern und auch in Deutschland und Italien weniger Futter da ist, ziehen allerdings die Preise für Heu und Stroh seit Wochen beständig an. Wichtig ist, dass die Betriebe rechtzeitig reagieren und den Viehbestand anpassen – Panik ist allerdings nicht angebracht.
Wasserdefizit ist heuer beträchtlich
„Niederschlagsarme Verhältnisse in den ersten sechs Monaten eines Jahres treten in Österreich immer wieder auf. So war es in den Jahren 2003 und 1993 mit Defiziten von 30 bzw. 29 Prozent sogar noch etwas niederschlagsärmer als im heurigen ersten Halbjahr“, analysiert Klimatologe Alexander Orlik von der GeoSphere Austria. Vom Walgau und dem Montafon in Vorarlberg über den Salzburger Flachgau, das Innviertel bis zum Wald- und Weinviertel, dem Wiener Becken und Teilen des Burgenlandes betragen die Niederschlagsdefizite heuer allerdings zwischen 30 und 40 Prozent, im Osten Österreichs sogar bis zu 50 Prozent. „Derart niederschlagsarm war es im Flächenmittel in diesen Teilen des Bundesgebietes seit dem Jahr 1885 nicht mehr“, erklärt Orlik.