„Die Kurzrasenweide schafft uns mehr Raum fürs Leben“
In St. Johann in Tirol, zwischen dem Wilden Kaiser und dem Kitzbühler Horn, bewirtschaften Elisabeth und Josef Niederstrasser ihren Milchviehbetrieb mit rund 50 Jersey-Kühen. Im Winter setzt der Betrieb mit einer intensiven Fütterung mittels TMR auf eine hohe Milchleistung mit besten Inhaltsstoffen, im Sommer verfolgt man das System der Kurzrasenweide – eine Kombination, die für den Betrieb perfekt funktioniert und gleichzeitig wertvolle Zeit für die Familie schafft. „Im Winter geben wir Vollgas und im Sommer machen wir es uns vollgas entspannt“, so Josef und Elisabeth lachend. „Neben dem leidenschaftlichen ,Bauersein‘ ist das Wohlbefinden der Familie mindestens genauso wichtig. Das ermöglicht uns die Kurzrasenweide.“
Umstellung auf Jersey
Früher haben die Eltern von Josef auf dem Betrieb noch Fleckviehkühe gemolken. Als dieser 15 Jahre alt und noch in der Fachschule war, verstarb der Vater plötzlich und die Kuh-anzahl wurde reduziert, damit die Mutter den Betrieb in dieser Zeit stemmen konnte. Nach der Fachschule war Josef bereits viel am Hof miteingebunden und der Betrieb wurde von Heu- auf Silagefütterung umgestellt, wodurch die Milchleistung gesteigert werden konnte. Als sich mit dem EU-Beitritt auch die Kontingentierung ankündigte, kam die Idee, auf die Rasse Jersey umzusteigen, die mit einer guten Milchleistung und hohem Fettgehalt punktet. Nach einer spannenden Reise nach Dänemark und über 30 Betriebsbesichtigungen mit vier Freunden kamen im Jahr 1993 die ersten Jersey-Kühe auf den Betrieb. Es folgte ein ganzer Lkw voll mit 55 Kühen, die auf fünf Betriebe aufgeteilt wurden. Anfangs etwas besorgt, fand auch die Mutter von Josef bald Gefallen an den neuen Kühen. Bis zum Ende der Quote im Jahr 2015 blieb die Anzahl der Milchkühe bei knapp unter 30 Stück. Der Laufstall wurde bereits im Jahr 1998 gebaut.
Kurzrasenweide spart Geld und Zeit
„Das Gras, das heute wächst, ist morgen im Tank – sag mir, wie das mit dem Fütterungsroboter gehen soll.“ Diese Aussage von Siegfried Steinberger brachte Josef dazu, auf das System der Kurzrasenweide umzustellen. Da die Fütterung von Silage im Sommer nicht optimal war, wäre die Anschaffung eines Fütterungsroboters geplant gewesen. „Anstatt 150.000 Euro für diesen auszugeben, haben wir nur 5.000 Euro in Zaunmaterial und Wasserversorgung investiert“, erzählt der Betriebsführer. „Uns war bewusst, dass wir dadurch an Milchmenge verlieren werden, dafür fällt der volle Aufwand für die Leistung im Sommer wie z. B. das Futter, der Wirtschaftsdünger und auch die Arbeit dafür weg. Im Endeffekt spart uns die Kurzrasenweide Zeit und Geld.“ Vor der Umstellung war der Betrieb mit einem Stalldurchschnitt von 7.200 Litern beim Zuchtverband immer vorne dabei, mittlerweile ist man bei 5.800 Litern bei 5,8 % Fett und 4,2 % Eiweiß. Die Milch wird an die Pinzgau Milch geliefert, wo die Familie den guten Umgang mit den Landwirten schätzt.
Mitte März werden die Kühe bereits zum Teil geweidet, ab Ende April/Anfang Mai dann Tag und Nacht. In diesem Zeitraum wird nur Heu zugefüttert und Kraftfutter nur zum Locken verwendet, ansonsten würde die Kurzrasenweide nicht funktionieren. Im Winter bekommen die Tiere eine TMR, bestehend zur Hälfte aus Maissilage und zur Hälfte aus Grassilage, sowie Biertreber und Kraftfutter. Die saisonale Abkalbung von September bis Dezember ergänzt dies perfekt.
Vermarktung der eigenen Produkte
Am Betrieb wird auch der Großteil der Tiere selbst geschlachtet und ab Hof direktvermarktet – der Kundenstamm ist bereits groß. Bei den Kälbern werden Mischpakete und Weißwürste angeboten, bei den älteren Kühen z. B. Burgerpattys oder Würstel. Zudem ist Josef als ehemaliger Geschäftsführer schon von Beginn an im Ausschuss der Einkaufsgemeinschaft „Kitzagrar“ tätig, die bereits über 800 Mitglieder zählt.
Im Zuge der Renovierung des Bauernhauses im Jahr 2005 wurden auch zwei Wohnungen eingerichtet – eine für eine Dauervermietung und eine zur wochenweisen Vermietung an Feriengäste. Diese wird das ganze Jahr über verschiedene Plattformen vermietet und bringt ein wichtiges zweites Einkommen.
Betriebsspiegel
Familie: Josef (54) und Elisabeth (52) Niederstrasser, Betriebsführerehepaar, Josef: Landwirtschaftlicher Meister; Michael (24), Maschinist bei den Bergbahnen in Kitzbühel, Kilian (22), gel. Metalltechniker, in zweiter Lehre als Forstfacharbeiter; Thomas (21), Landwirtschaftlicher Facharbeiter, Lehre als Schlosser; Altbäuerin Theresia (79)
Betrieb: Milchviehbetrieb mit Jerseyzucht und Vermietung; 18 ha Grünland (davon ca. die Hälfte mehrmähdig mit rund 5 Schnitten und die Häfte Kurzrasenweide), 4 ha Acker (davon derzeit 2 ha Silomais und 2 ha Braugerste), 2,5 ha Wald; Vieh: ca. 50 Kühe der Rasse Jersey mit Nachzucht, 12 Hühner; Mitglied bei: Rinderzucht Tirol, LKV, Arbeitskreis Milch, ÖPUL Tierwohl Weide