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Birnengallmücke: Ein unscheinbarer Schaderreger

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24.03.2026 | von Anna Kleinschuster MSc, BSc

Die Birnengallmücke (Contarinia pyrivora) zählt zu den bedeutendsten Schädlingen im mitteleuropäischen Birnenanbau. Während sie im integrierten Anbau lange Zeit kaum eine Rolle spielte, gewinnt sie – nicht zuletzt durch stark eingeschränkte Möglichkeiten der Bekämpfung – wieder an Bedeutung. Besonders auf Bio-Betrieben führt sie zunehmend zu wirtschaftlich relevanten Ausfällen. Auch in der Steiermark wurde die Birnengallmücke in den vergangenen Jahren vermehrt beobachtet. Ein Monitoring im Rahmen des Kooperationsprojektes „Wissenstransfer und Information im Bio-Obstbau“ zwischen LK Steiermark und BIO AUSTRIA ermöglichte zuletzt eine gezielte Feststellung des Flugbeginns und damit eine rechtzeitige Information der Betriebe über mögliche Bekämpfungszeitpunkte und -maßnahmen. Der Flugverlauf auf den Betrieben konnte über die Obstwarndienstseite der Landwirtschaftskammer abgerufen werden.

Birnengallmücke.jpg © LK Steiermark
Birnengallmücke © LK Steiermark
Birnengallmücke Fruchtbefall.jpg © LK Steiermark
Birnengallmücke Fruchtbefall © LK Steiermark

Schadbild: Von außen unscheinbar - im Inneren zerstörerisch

Die ersten Schäden werden meist kurz nach der Blüte sichtbar. Befallene Jungfrüchte wachsen zunächst auffällig stark und wirken rundlich-gedrungen. Ab einem Durchmesser von rund einem Zentimeter beginnen sie sich schwarz zu verfärben und fallen später ab. Im Inneren finden sich oft zahlreiche weiße, beinlose Larven, die das Fruchtgewebe fast vollständig ausgefressen haben.

Eine dunkle Verfärbung der Früchte kann auch durch Bakterien verursacht werden, die Auslöser für Feuerbrand (Erwinia amylovora) oder Bakterienbrand (Pseudomonas syringae) sein können. Deshalb ist eine genaue Diagnose wichtig.
 
Birnengallmücke, Larve im Fruchtinneren.jpg © LK Steiermark
Birnengallmücke, Larve im Fruchtinneren © LK Steiermark

Lebensweise: Kurzer Flug, hohe Eiablage, schnelle Larvenentwicklung

Die Birnengallmücke überwintert als Puppe im Boden und schlüpft je nach Temperaturverlauf meist ab Anfang/Mitte März. Der Flug erfolgt über einen Zeitraum von ca. 4 Wochen, wobei der Flughöhepunkt konzentriert innerhalb einer Woche stattfindet. Nach der Paarung legen die Weibchen um das Stadium 'Rote Knospe‘ 20 - 30 Eier pro Blüte ab.

Die Larven schlüpfen bereits 4 - 7 Tage nach der Eiablage und dringen unmittelbar in das Gewebe des Blütenbodens ein - ein Zeitpunkt, ab dem sie nur mehr durch systemische Pflanzenschutzmaßnahmen erfasst werden können. Nach 4 - 6 Wochen verlassen sie die Früchte bzw. fallen mit diesen zu Boden und überdauern dort in 5 - 10 cm Tiefe vorerst in einem eingesponnenen Kokon bis zur Verpuppung und dem Schlupf im nächsten Frühjahr. Diese Art bildet nur eine Generation pro Jahr.

Schadensausmaß und Risikofaktoren

Ein Befall tritt meist lokal begrenzt auf, kann aber unter bestimmten Bedingungen stark ausfallen:
  • Geringer Fruchtansatz
  • Starker Vorjahresbefall
  • Junge Bäume sind besonders anfällig
  • Sortenspezifische Anfälligkeit (z.B. 'Williams Christ')
Während ein leichter Befall zu einer natürlichen Fruchtausdünnung führt, kann ein starker Befall erhebliche Ertragsverluste verursachen - besonders im Bio-Anbau.
 
Birnengallmücke Pheromonfalle.jpg © LK Steiermark
Birnengallmücke Pheromonfalle © LK Steiermark

Monitoring. Schlüssel zur gezielten Bekämpfung

In den Jahren 2023 - 25 wurde ein Monitoring der Birnengallmücke von verschiedenen Betrieben durchgeführt. Die Daten zu den Flugaktivitäten wurden der Praxis über den Obstwarndienst zur besseren Einschätzung des optimalen Bekämpfungszeitpunkts zur Verfügung gestellt. Dieser liegt unmittelbar zum Hauptflug vor der Eiablage - während sich die Blüten noch im Knospenstadium befinden.

Die Ergebnisse zeigten: Die Überwachung der Flugphase mittels Pheromonfallen ist für eine wirksame Bekämpfung ausschlaggebend! Die Fallen müssen durchsichtig sein und direkt über dem Boden (1. Draht) aufgehängt werden.
 

Bekämpfung und Vorbeugung

Mechanische und kulturtechnische Maßnahmen

Auspflücken und Vernichten befallener Früchte unmittelbar nach der Blüte reduziert die Anzahl der Larven, die sich im Boden verpuppen können und somit den Ausgangsdruck für das Folgejahr.


Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Eine Behandlung ist nur bei einem starkem Vorjahresbefall bzw. wenn dementsprechend hohe Zahlen in den Pheromonfallen gefangen werden, sinnvoll. Eine wirksame Bekämpfungsmöglichkeit zum Flughöhepunkt stellen Pyrethrine-Präparate dar. Diese Kontaktmittel haben nur eine kurze Wirkdauer und müssen daher zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden. Bei einem starken Ausgangsdruck können bis zu zwei Applikationen notwendig sein.
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